Interview

Hat die Spitex-Firma Seeblick bei den Krankenkassen-Geldern getrickst? Inhaber Lathan Suntharalingam nimmt Stellung

Die Sendung «Kassensturz» prangerte unseriöse Geschäftspraktiken bei einer privaten Spitex-Firma an. Deren Inhaber, ein früherer Luzerner SP-Politiker, räumt Fehler ein. Eine führende Mitarbeiterin habe in einer «Kurzschlusshandlung» Unterschriften gefälscht.

Hugo Bischof
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Die Sendung «Kassensturz» erhebt schwere Vorwürfe an den ehemaligen Luzerner SP-Kantonsrat Lathan Suntharalingam. Seine Spitex-Firma Seeblick soll unrechtmässig Geld von Krankenkassen kassiert haben. Wir sprachen mit Lathan Suntharalingam.

Bild: Philipp Schmidli, Egerkingen, 2. April 2019

Stimmen die Vorwürfe, die gegen die Spitex-Firma Seeblick erhoben wurden?

Lathan Suntharalingam: Bei einigen Abrechnungen sind tatsächlich Fehler passiert, dazu stehen wir. Es handelt sich um Fälle von 2017 und 2018. Ich übernehme die volle Verantwortung dafür, dass unsere interne Kontrolle nicht frühzeitig reagiert hat.

Im Kassensturz sprach Ihr Geschäftsführer von einem Fehlverhalten Ihrer damaligen HR-Verantwortlichen.

Die Paritätische Kommission (Tempcontrol) machte am 16. Mai 2019 eine Kontrolle in unsere Filiale in Zürich. Unsere damalige HR-Fachfrau war zu dieser Zeit hochschwanger und litt – wie wir erst später erfuhren – unter einer diagnostizierten Schwangerschaftsdepression. Als sie die Arbeitsverträge unserer Mitarbeitenden nicht sofort fand, beging sie eine Kurzschlusshandlung, indem sie unerlaubterweise falsche Unterschriften verwendete, beziehungsweise die Verträge eigenhändig unterschrieb.

Hätten Sie da nicht genauer hinschauen müssen?

Wir haben Fehler in der Administration festgestellt und korrigiert und personelle Konsequenzen gezogen. Mit fast allen Versicherern sind Gespräche vereinbart, wir schauen jeden Fall genau an. Mehrere Beiträge sind bereits zurückbezahlt.

Ein weiterer Vorwurf des «Kassensturz» lautete, dass Sie unqualifiziertes Pflegepersonal zu Dumpinglöhnen beschäftigen. Was sagen Sie dazu?

Mehrere Pflegerinnen stammen aus dem Ausland, etwa aus Polen, haben dort Pflegezertifikate erworben. Das Problem ist, dass einige davon nicht den Rotkreuz-Richtlinien entsprechen. Bei der 24-Stunden-Betreuung halten wir uns an die Richtlinien der Caritas. Seit 2017 haben wir 68 Personen die Pflegehelfer-Ausbildung finanziert. Das kostete uns über 165 000 Franken; allein für eine Weiterbildung von Frau Urbaniak, die im Kassensturz gegen uns aufgetreten ist, zahlten wir 8000 Franken.

Wieso traten Sie beim Kassensturz nicht persönlich vor die Kamera?

Meine SP-Vergangenheit sollte nicht wieder ins Rampenlicht rücken. Genau das geschieht jetzt aber – leider. Der Reputationsschaden ist gross; das tut mir leid für unsere 190 Mitarbeitenden, die grossartige Arbeit leisten.