Hauptstrasse durch Kriens soll ein attraktiver Lebensraum werden

Der Krienser Stadtrat legt ein Entwicklungskonzept fürs Zentrum vor – und verbindet damit grosse Hoffnungen.

Simon Mathis
Drucken
Teilen
Die Hauptachse Luzernerstrasse (Bild) und Obernauerstrasse in Kriens sollen attraktiver werden.

Die Hauptachse Luzernerstrasse (Bild) und Obernauerstrasse in Kriens sollen attraktiver werden.

Bild: Nadia Schärli (14. Oktober 2019)

Knapp 50 Seiten stark ist das Entwicklungskonzept, das der Krienser Stadtrat im Juni dem Parlament vorlegen wird. Er skizziert darin, wie sich der das Rückgrat von Kriens, die Luzerner- und Obernauerstrasse, in Zukunft entwickeln soll. Das Konzept befasst sich mit dem Raum entlang der Strasse vom Eingangstor bei der Autobahn bis hin zum Übergang in die Landschaft. «Das Vorhaben ist getrieben vom Wunsch, die verschiedenen Streckenabschnitte zu Orten des Verweilens zu machen», sagt der abtretende Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne).

«Eigentlich ist der Stadtkern das Herz der Stadt. Zurzeit fahren wir aber an ihm vorbei, als wäre er ein Fremdkörper.»
Cyrill Wiget

Cyrill Wiget

Bild: Pius Amrein

Das müsse sich ändern: «Wir wollen die Leute dazu ermuntern, auszusteigen, zu flanieren, in Pärke, Geschäfte und Restaurants zu gehen.» Das Konzept soll eine Art Rezeptbuch sein. «Es kann einerseits mit guten Vorschlägen überzeugen und eine Philosophie zur Attraktivierung vorgeben», so Wiget. Es würden aber auch Vorgaben im Bau- und Zonenreglement verankert werden müssen. Investoren sollen wissen, wo die Stadt welche Entwicklung fördern will. «Das Schlimmste wäre, wenn das Konzept jetzt irgendwo in einer Schublade landen würde», so Wiget. «Denn dann hätten wir nur unsere Zeit verschwendet.»

Hotspots müssen klarere Konturen erhalten

Zudem hat die Analyse laut Wiget eine zentrale Erkenntnis geliefert: «Wir haben eine Chance, das Rückgrat von Kriens zu beleben. Der Krienser Stadtkern ist nicht verloren.» Das wecke Hoffnung. Es bestehe die Gefahr, dass der Onlinehandel die Zentren aussterben lasse. Dagegen anzukämpfen wirke zuweilen hoffnungslos. Demgegenüber betont Cyrill Wiget:

«Wenn sich jedoch Gewerbetreibende, Investoren, Kanton und Gemeinde an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen erarbeiten, ist ein belebtes Stadtzentrum möglich.»

Wiget mahnt aber auch, dass man schnell und entschieden handeln müsse. Das Entwicklungskonzept liefere dazu die Vision.

Das Konzept definiert drei Zentren: den Mattenhof um den Bahnhof, das Eingangstor bei der Autobahn Richtung Luzern und den historischen Dorfkern. Die Autoren warnen im Bericht davor, in allen drei Zentren dasselbe Angebot zu liefern. Ansonsten würden sie sich gegenseitig konkurrenzieren und schwächen. Deshalb schlagen sie vor, jedem Zentrum ein Themenschwerpunkt zu geben.

  • Beim Zentrum Mattenhof soll weiterhin die Entwicklung in ein «neues modernes, grosskörniges Zentrum» vorangetrieben werden. Der Fokus soll auf dem Arbeiten und Wohnen liegen. «Am Mattenhof merken wir bereits, wie positiv sich ein Themenschwerpunkt auswirken kann», so Wiget. So haben die dort tätigten Medizinalfirmen dieselben Bedürfnisse – etwa nach grossen Restaurants. Das stärke die Gastronomie und diese wiederum bringen leben ins Quartier. «Solche Synergien müssen wir häufiger nutzen.»
  • Im Zentrum Eingangstor soll man sich auf den Schwerpunkt Sport und Freizeit konzentrieren. «Im Rahmen des Bypass ist dort ein grosses Dach geplant, auf dem ein Park entstehen wird», so Wiget. «Da liegt es nahe, den Freizeitcharakter noch stärker zu betonen.»
  • Im historischen Zentrum soll das Kleingewerbe und der Detailhandel gestärkt werden. Dafür brauche es mehr Laufkundschaft. «Obwohl der Dorfkern nach wie vor der historisch spannendste Ort zum Verweilen ist, müssen wir uns stets darum bemühen, diese Attraktivität zu erhalten», sagt Wiget. «Das ist schwieriger als etwa in einem verkehrsarmen Vögeligärtli mit seinen Spielplätzen und schattenspendenden Bäumen.» Besonders in diesem Perimeter müsse die Exekutive lenkend sowie unterstützend wirken und Parterrenutzungen dem Gewerbe vorbehalten.

Die Situation im Zentrum sei zusätzlich schwierig, weil die Umsetzung des Richtplanes mit einer flächigen Querung seit Jahren regelmässig nach hinten geschoben wird.» Wiget ist jedoch zuversichtlich, dass der Kanton sein Versprechen bald einlösen wird und «die abgemachte Testplanung für ein neues Verkehrsregime mit uns durchführen wird».

Der Krienser Einwohnerrat wird sich am 25. Juni mit dem Planungspapier befassen.