HAUSBESUCH BEIM FRITSCHIVATER: «Unser Papi ist der Gröbste»

Der Terminkalender von Fritschivater Philipp Gmür platzt während der Fasnacht aus allen Nähten. Dennoch bleibt ihm jetzt mehr Zeit für die Familie als gewöhnlich.

Drucken
Teilen
Familie Gmür zu Hause an der Taubenhausstrasse in Luzern: Vater Philipp und Mutter Andrea zusammen mit Marina, Tobias, Julian und Valentin (von links). (Bild Adrian Baer/Neue LZ)

Familie Gmür zu Hause an der Taubenhausstrasse in Luzern: Vater Philipp und Mutter Andrea zusammen mit Marina, Tobias, Julian und Valentin (von links). (Bild Adrian Baer/Neue LZ)

«Seit meiner Wahl Ende Dezember bin ich voll im Fasnachtsgeschäft», sagt Fritschivater Philipp Gmür (45), als wir ihn wenige Stunden vor dem traditionellen Herrenabend des Lozärner Fasnachtskomitees zu Hause an der Taubenhausstrasse 22 besuchen. Er sitzt im Wohnzimmer. Neben ihm seine Frau Andrea Gmür-Schönenberger (43) und Sohn Julian (12). Die drei weiteren Kinder, Valentin (14), Tobias (7) und Marina (10), sind noch in der Schule.

Der Zunftmeister der Zunft zu Safran jagt von einem Termin zum anderen. «Weil die Fasnacht so früh ist, scheint in diesem Jahr alles noch schneller zu gehen», sagt Gmür.

Skiferien werden geopfert
Philipp Gmür ist mit seinen 45 Jahren ein relativ junger Fritschivater. «Wir haben schon damit gerechnet, dass er irgendwann gewählt wird, aber dass es schon in diesem Jahr dazu kam, hat uns überrascht», sagt seine Frau. Auf den Höhepunkt am Schmutzigen Donnerstag, den Urknall, freut sich die ganze Familie. Und die Kinder sind stolz auf «ihren» Fritschivater und auch ein wenig darauf, dass sie nun in der Schule darauf angesprochen werden. «Unser Papi ist jetzt der Gröbste», sagt Julian. Nach einer kurzen Pause fügt er an: «Aber das ist er auch sonst, meistens.» Philipp Gmür lächelt.

Bei einigen Anlässen wird er von seiner Familie begleitet. Ein eindrückliches Erlebnis war für sie der Nachmittag in der Jugendsiedlung Utenberg. «Die Kinder erleben einerseits die Fasnacht hautnah, sehen aber andererseits auch, dass die Zunft zu Safran mehr ist als ?nur? eine Fasnachtsgesellschaft», sagt Gmür.

Als Vorsitzender der Geschäftsleitung Schweiz der Helvetia Versicherungen sind seine Arbeitstage lang. Weil er in Basel arbeitet, fährt er frühmorgens los und kommt abends spät nach Hause. Als Fritschivater hat er nun plötzlich viele Verpflichtungen in Luzern. Das bedeutet, dass ihn die Familie öfter sieht als gewöhnlich. Hat Gmür nun etwa Weggli und Batzen? Kann er sich an der Fasnacht vom Arbeitsalltag erholen? Er winkt lachend ab: «Ganz so ist es dann doch nicht. Die beruflichen Aufgaben und die Prioritäten verschieben sich derzeit einfach.» Er müsse schliesslich auch Opfer bringen. Etwa die abgesagten Skiferien. Aber: «Die werden gerne geopfert.»

Noch nie so viele Blumen
Die Arbeitskollegen in Basel haben Verständnis für Gmürs fasnächtliches Engagement. «Sie sind gwundrig. Einige haben sich über die Bräuche unserer Fasnacht informiert. Jemand hat mich sogar gefragt, ob ich der Fritschi sei, der entführt wurde.» Gmürs Agenda ist randvoll. «Es sind mehr als hundert Termine», schätzt er. Darunter sind zunftinterne Anlässe und Bescherungsfahrten. Aber auch Veranstaltungen rund um die Fasnacht, die er nun so intensiv erlebt wie seit seiner Zeit bei der Guuggenmusig Noggeler nicht mehr.

Der Fritschivater und seine Familie werden von vielen Leuten kontaktiert. «Wir erhalten täglich Briefe, Mails und Geschenke. In unserem Haus hatten wir noch nie so viele Blumen», sagt Andrea Gmür.

Ein Marathon
Ein Geschenk, über das sich Gmür riesig freut, das ihm aber wiederum viel Zeit und Aufwand abverlangt, ist eine Startnummer mit der Aufschrift «Fritschivater 2008» für den Lucerne Marathon. Gmür hat bereits am letztjährigen Lauf teilgenommen. «Mit der Startnummer im Haus erübrigt sich natürlich die Frage, ob ich teilnehmen soll oder nicht.» Inzwischen sind eineinhalb Stunden verstrichen. «So, jetzt muss ich los zum Herrenabend», sagt er. Und Tochter Marina, die inzwischen von der Schule zurückgekommen ist, fragt: «Müssen wir am Herrenabend etwa auch dabei sein?» .

Roger Rüegger