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HAUSTIERE: Punk-Frisur, Akupunktur und Telepathie – das alles braucht der Hund von Welt

Längst ist der Hund vom Hofwächter zum Familienmitglied geworden. Entsprechend menschlich wird er behandelt, wenn es um Mode oder die Gesundheit geht. Selbst die Esoterik ist auf den Hund gekommen.
Sebastian Hofer
Doris Stillhardt verpasst Riesenschnauzer Mix eine sommertaugliche Frisur. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 10. April 2017))

Doris Stillhardt verpasst Riesenschnauzer Mix eine sommertaugliche Frisur. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 10. April 2017))

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

Schon seit 22 Jahren gibt es den Pipistrello-Hundesalon in Luzern. Besitzerin Doris Stillhardt hat in dieser Zeit unzählige Vierbeiner gepflegt. Auch bei unserem Besuch bellen Hunde im Hinterzimmer. Übertönt werden sie nur von Elektrorasierer und Haarföhn. Stillhardt erklärt: «Besonders bei Hunden, die nicht haaren, ist es wichtig, das Fell regelmässig zu pflegen. Dabei sollen immer das Wohlgefühl und die Gesundheit der Tiere im Zentrum stehen. Für viele Hunde­besitzer ist es aber auch eine Möglichkeit, ihrem Hund einen speziellen Look zu verpassen.» Es gebe deshalb immer wieder sehr spezielle Wünsche. Besonders was den Schnitt betreffe. Nicht immer könnten diese Wünsche jedoch erfüllt werden. Das Aussehen der Tiere dürfe nämlich nicht auf Kosten der Gesundheit verändert werden. «Ganz ausgefallen war etwa der Wunsch nach einer Punk-Frisur.» Ein Ansinnen, das abgelehnt wurde? Stillhardt: «Nein, in diesem Fall bestand kein Gesundheitsrisiko für den Hund.»

Ein neuer Haarschnitt kostet rund 120 Franken, wobei die Preise je nach Rasse variieren. Wenn es das Budget zulässt, kann Herrchen oder Frauchen dem Liebling in der Boutique vor Ort auch gleich noch ein neues Accessoire oder Outfit spendieren – zum Beispiel einen modischen Hundemantel. Diese sind laut Stillhardt im Winter sehr beliebt.

Hundebesitzer lassen sich das Wohlergehen ihrer Haustiere viel Zeit und eben auch Geld kosten. Bis zu 2500 Franken geben Hundehalter in der Schweiz für ihr Tier aus, wie die «Tierwelt» vor kurzem vorrechnete. Genau wie bei Menschen entwickeln sich deshalb auch bei den Vierbeinern immer wieder neue Trends.

Die Rolle des Hundes hat sich verändert

Hauptsächlich in der Erziehung des Hundes hat sich viel verändert. Während man früher zum Gruppenunterricht auf den Hundeplatz ging, entscheiden sich heute so manche Herrchen und Frauchen mit Hund für ein gezieltes Coaching bei einem «Hundeverhaltensberater». Anders als in klassischen Gruppenkursen stehen hier weniger die Erziehung und die Beschäftigung des Hundes im Fokus. Hundeverhaltensberater sind eher als Pendants zu Psychologen zu sehen. Sie befassen sich mit Problemen wie Angst, Aggression oder Hyperaktivität – des Tieres, wohlverstanden.

Eine solche Hundeverhaltensberaterin ist Katrin Andres aus Luzern. «Die Rolle des Hundes hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Verhalten, das bei Hunden über Generationen hinweg in der Zucht gefördert wurde, zum Beispiel das Verteidigen des Hauses und Besitzes oder das Jagen, ist heute oft nicht mehr akzeptiert und hat in der Gesellschaft keinen Platz mehr.» Deshalb sei ihre Branche im letzten Jahrzehnt auch so gewachsen.

Dieser Wandel hat aber auch zu vielen oft nicht übereinstimmenden Theorien geführt. Katrin Andres, die auch Sozialpädagogin ist, bestätigt: «Hundetrainer, die unterschiedliche Philosophien vertreten, finden nur schwer eine gemeinsame Dis­kussionsgrundlage. Solch eine gegenseitige Abwertung verschiedener Herangehensweisen kenne ich aus der Pädagogik nicht.» Das führe bei vielen Hundehaltern zu Verunsicherungen. Es falle vielen schwer, sich zwischen der sogenannten Dominanztheorie und dem anderen Extrem, der völligen Grenzen­losigkeit, zu positionieren.

Akupunktur für Menschen wie Hunde

Die Entwicklung des Hundes zum Familienmitglied hat jedoch nicht nur die Mode und die Erziehung beeinflusst. Auch in der Medizin tauchen stets neue Trends auf. Praktiken wie die Tierakupunktur sind zwar als Behandlungsmethoden nicht neu, dennoch erleben sie zurzeit einen regelrechten Boom – etwa in der Surseer Praxis von Doris Lötscher, wo sie sowohl Menschen als auch Tiere behandelt. Die Methode bleibe dabei sehr ähnlich: «Es werden dieselben Nadeln verwendet, auch die Technik ist dieselbe wie beim Menschen», sagt Lötscher. Die Tiertherapeutin erklärt, dass sich Hunde und Menschen als Säugetiere sehr ähnlich seien. Deshalb könne man bei den Tieren oft ähnliche Behandlungen anwenden wie bei ihren Haltern.

Die Tellington-Touch-Methode ist eine weitere Behandlungsmethode, die Lötscher anbietet. Diese basiere auf sanften Körperberührungen und auf langsamen, bewussten Bewegungsübungen über einfache Hindernisse. Diese Methode eigne sich besonders zum Aufbau von emotionalem, körperlichem und geistigem Gleichgewicht des Tieres.

Mit Tieren kommunizieren – auf telepathischem Weg

Man lernt und staunt. Umso mehr, wenn man von einem weiteren Angebot Doris Lötschers erfährt: Sie tauscht mit ihren tierischen Kunden nämlich auch Gedanken und Empfindungen aus – auf dem Weg telepathi­scher Tierkommunikation. Diese Interaktion bedinge die Fähigkeit, sich in andere Wesen einzufühlen und auf telepathische Art mit ihnen zu kommunizieren. «Die Methode basiert auf keiner wissenschaftlichen Grundlage», räumt Doris Lötscher ein. «Dennoch ist es ein guter Weg, um eine zusätzliche Sicht auf Probleme zu erhalten.»

Die Nachfrage nach solchen Therapien werde immer grösser, denn die Hundebesitzer seien zunehmend bereit, etwas mehr für ihre Haustiere zu bezahlen, sagt Lötscher. «Hunde haben heutzutage den gleichen Stellenwert wie jedes andere Familienmitglied, deshalb möchten die Menschen ihren Hunden auch in jeglicher Hinsicht dazu verhelfen, ein längeres und gesünderes Leben zu führen», weiss sie.

«Viele gängige Therapien, die bei Menschen angewendet werden, sind auch bei Hunden sinnvoll», glaubt die Tiertherapeutin. Modetrends und neue Strömungen in Bezug auf das Aussehen und die Ernährung von Hunden sieht sie jedoch eher kritisch. So seien ihrer Meinung nach Trends wie vegetarisches Hundefutter oder das Färben des Fells fehl am Platz.

Letzteres sieht Doris Stillhardt vom Hundesalon Pipistrello nicht anders. Das Färben von Hunden möge in den USA zwar Mode sein. Stillhardt: «Ich aber biete das nicht an – das ist nicht tiergerecht.»

Im Hundesalon Pipistrello findet Hund und Herrchen alles, was dass Herz begehrt. (Bild: Nadia Schärli/LZ)

Im Hundesalon Pipistrello findet Hund und Herrchen alles, was dass Herz begehrt. (Bild: Nadia Schärli/LZ)

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