Interview

Hecht-Sänger Buck: «Wir sind eine Band, die vom Live-Event lebt»

Stefan Buck, Frontmann der Mundartband Hecht, spricht über die neue Single, den Umgang mit der Coronakrise und die Arbeit an einem neuen Album.

Stefan Welzel
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Stefan Buck von Hecht empfindet die Coronasituation «inzwischen als sehr einschneidend».

Stefan Buck von Hecht empfindet die Coronasituation «inzwischen als sehr einschneidend».


Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. September 2018)

Mit der Band Hecht hat Sänger und Frontmann Stefan Buck noch vor einem Jahr das volle Hallenstadion gerockt. In der Coronakrise hat sich auch für ihn und seine Mitstreiter vieles geändert. Nun hat Hecht seine Fans mit der Single «Nur 1 Minute» mit einem kleinen musikalischen Ausrufezeichen in schwierigen Zeiten beglückt.

«Nur 1 Minute» ist ein sehr emotionales Lied, geprägt von Verlust und dem Umgang mit Trauer. Wie kam es zu diesem für euch eher untypischen Song?

Stefan Buck: Am Ursprung steht der Schmerz, den man beim Verlust einer nahestehenden Person empfindet. Meine Frau hat ihre Mutter verloren. Der Song handelt davon, wie man gerne eine Person zurückholen möchte für jemanden, und wenn es nur für eine ganz kurze Zeit, ein kurzes Gespräch wäre. Das ist in der Tat ein sehr persönliches Stück Musik – und eigentlich nichts für die Öffentlichkeit. Wir haben den Song erstmals vor einem Jahr im Hallenstadion gespielt. Die Reaktionen darauf waren so stark, dass uns schnell klar wurde, ihn auch im Studio aufzunehmen.

Und warum habt ihr euch dabei ein ganzes Jahr Zeit gelassen?

Wir haben nach den Hallenstadiongigs eine Pause gebraucht, mussten etwas Abstand gewinnen. Und manchmal ist schneller nicht unbedingt besser.

Die gigfreie Zeit hat sich nun unfreiwillig verlängert. Wie geht ihr mit der Coronakrise um?

Am Anfang dachte ich noch: Gut, das ist nun eine schwierige Situation für unsere gesamte Gesellschaft, also nehmen wir uns und die Musik mal nicht so wichtig. Ein halbes Jahr nicht auf der Bühne zu stehen, ist halb so wild. Doch inzwischen ist die Situation schon sehr einschneidend. Nicht zuletzt auch deshalb, weil einige unserer Mitmusiker finanziell von Auftritten abhängig sind. Zudem: Wir sind eine Band, die von und mit dem Live-Event lebt. Wir machen Musik, um sie auf einer Bühne vor Fans zu spielen und nicht primär fürs Radio oder für Streamingdienste. Uns fehlt das direkte Feedback des Publikums. Manchmal fragt man sich in der Abgeschiedenheit, ob unsere Hörer und Fans noch da sind und wie wir sie erreichen können. Aber grundsätzlich versuchen wir, positiv zu bleiben, auch wenn man nicht weiss, wann man das nächste Mal auf der Bühne steht.

Leidet in solchen Zeiten die Kreativität oder geht erst recht viel? Oder anders ausgedrückt: Wie sieht es mit weiteren neuen Songs aus?

Wir arbeiten an neuem Material für ein Album, das nächstes Jahr herauskommen soll. Und klar haben wir nun wegen der Pandemie etwas mehr Zeit. Aber es gibt auch einen grossen Nachteil: Wir testen einzelne neue Songs oft an Konzerten, um unmittelbar zu spüren, ob sie funktionieren, und freuen uns immer über Reaktionen und Feedbacks der Fans. Nun sind wir diesbezüglich im Blindflug, arbeiten quasi in einer Blase an den Songs und hoffen einfach, dass sie dann gut ankommen werden.