Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Nach dem heftigen Gewitter über Luzern bleibt eine Spur der Verwüstung zurück

Mehrere Verletzte, Hunderte geknickte Bäume und zig Sachschäden – das ist die vorläufige Bilanz des Unwetters vom Samstagnachmittag in der Region Luzern. Die Polizei rät weiterhin dringend vom Aufenthalt in Wäldern ab.
Roman Hodel
Kurz nach dem Unwetter schien schon wieder die Sonne und das Ausmass der Zerstörung war sichtbar, wie hier an der Seeburgstrasse. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 6. Juli 2019)

Kurz nach dem Unwetter schien schon wieder die Sonne und das Ausmass der Zerstörung war sichtbar, wie hier an der Seeburgstrasse. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 6. Juli 2019)

Es hatte beinahe apokalyptische Züge. Das Starkgewitter, das am Samstagnachmittag gegen 15 Uhr über die Region Luzern zog und innert einer Stunde eine Spur der Verwüstung hinterliess. «Wir waren mit unseren Kindern in der Tribschen-Badi, als es hinter dem Pilatus plötzlich schwarz wurde», sagt Thomas Kämpf. Dann setzten «unglaublich starke» Winde ein, riesige Äste fielen auf die Liegewiese, ganze Bäume knickten um und grosse Sonnenschirme wurden zerfetzt und zu Boden gedrückt.

«Unsere Kinder hatten richtig Angst», erzählt Kämpf. «Auch ich habe so etwas noch nie erlebt.» Schutz fanden sie und weitere Familien im Betriebsgebäude der Badi. Kämpf sagt:

«Das junge Personal hat geistesgegenwärtig reagiert, uns reingelassen und vor schlimmen Folgen des Unwetters bewahrt – dafür gebührt ihnen Dank.»

Weniger Glück als Familie Kämpf hatten mehrere Personen, die von umstürzenden Bäumen verletzt worden sind. So ein Mann, der laut Mitteilung der Luzerner Polizei auf der Lidostrasse unterwegs war. Im Bireggwald zogen sich eine Frau, ein Mann und ein Kleinkind ebenfalls Verletzungen wegen umstürzender Bäume zu. Die Betroffenen wurden mit dem Rettungsdienst ins Spital gefahren. Über den Verletzungsgrad liegen keine näheren Informationen vor.

Die Luzerner Polizei registrierte laut Pikettoffizier Heinz Flückiger bis am Sonntag rund 120 Schadensmeldungen. Diese betrafen vor allem Schäden an Häusern und Autos durch umgestürzte Bäume. Insgesamt dürften Hunderte Bäume geknickt sein. Ferner wurden etwa Geräteschuppen zerstört oder Häuser beschädigt, weil Ziegelsteine wegflogen. Zahlreiche Feuerwehren standen deswegen im Einsatz bis am späteren Abend. Wie hoch die Schadensumme bislang ist, könne noch nicht geschätzt werden. Flückiger arbeitet seit 30 Jahren bei der Polizei, hat Stürme wie den Lothar oder die Burglind erlebt. Trotzdem sagt er:

«Dass ein Gewitter mit dieser geballten Kraft über die Region zieht, ist absolut aussergewöhnlich.»

Dazu passen die von Meteo Schweiz erhobenen Daten: So wurden in Luzern Windspitzen von 135 Kilometer pro Stunde gemessen: Dabei handelt es sich um den dritthöchsten Wert seit der Einführung der einheitlichen Messungen im Jahr 1981. Bemerkenswert war auch der Temperatursturz, wie der Meteorologe Ludwig Zgraggen von Meteo Schweiz der Agentur Keystone-SDA sagte: «Innerhalb von nur gerade 20 Minuten fiel das Thermometer um acht Grad von 24 auf 16 Grad.»

Wegen des heftigen, rasch aufkommenden Gewitters musste der Circus Knie auf der Luzerner Allmend eine Vorstellung absagen. Es kam zu kurzzeitigen Stromausfällen in Quartieren sowie bei den Pilatus-Bahnen. «Wir hatten einen Stromausfall von rund einer halben Stunde. Zudem fielen zwei Bäume auf die Bahnleitungen», sagt CEO Godi Koch. Die Gäste in den Gondeln mussten zwei Stunden ausharren, bis die Feuerwehr den Baum weggeräumt hatte. «Wir konnten alle Personen, die in den Gondeln waren, ordnungsgemäss evakuieren, verletzt wurde niemand.» Anschliessend wurde der Betrieb der Gondelbahn eingestellt. Die Gäste, die zu der Zeit noch auf dem Pilatus waren, mussten den Heimweg via Alpnachstad antreten.

Wie gross die Schäden sind, zeigt ein Rundgang in der Gemeinde Horw, wo allein bei der Feuerwehr 44 Schadensmeldungen eingegangen sind: Der Vita-Parcours im Grämliswald beispielsweise ist zu grossen Teilen zerstört. «Dutzende Bäume sind dort wie Zündhölzer umgeknickt», sagt eine Leserin, die in der Nähe wohnt. Auch ihr Auto sei kaputt, getroffen von herumfliegenden Ziegelsteinen. «Glücklicherweise wurde bei uns niemand verletzt», sagt Gemeinderat Robert Odermatt (SVP). Wie heftig das Starkgewitter gewütet habe, zeige folgendes Beispiel: In Kastanienbaum durchschlug ein Riesenast ein Fenster und blieb in einem Zimmer liegen. Odermatt sagt:

«Dazu muss man wissen, dass der nächste Baum zirka 60 Meter entfernt ist.»

Wegen der Schäden bleibt die Tribschen-Badi bis auf weiteres geschlossen, das Strandbad Lido sicher noch heute. Zudem rät die Luzerner Polizei weiterhin dringend, sich nicht in die Nähe von Bäumen und Wäldern zu begeben. Denn durch den Sturm vom Samstag sind viele Äste – gerade auch in den Baumkronen – angebrochen und drohen beim nächsten Unwetter oder den nächsten Winden abzubrechen. Laut Pikettoffizier Heinz Flückiger beginnen die Förster zwar am Montag mit der Nachkontrolle der Bäume:

«Vorderhand aber ist das Risiko für Aufenthalte in den Wäldern zu gross.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.