Tschüss SP, tschüss GLP: Darum ist Heidi Koch aus Ebikon jetzt parteilos

Sie wäre fast Kantonsrätin geworden und kandidierte kürzlich für den Ebikoner Gemeinderat: Die Ärztin Heidi Koch hat in ihrer nicht einmal zweijährigen Politkarriere schon viel erlebt – auch zwei Parteiaustritte.

Roman Hodel
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Politisch interessierten Ebikonern ist der Name Heidi Koch ein Begriff. Die 61-jährige Ärztin hat im vergangenen Frühling für den Gemeinderat kandidiert, als GLP-Mitglied. Mit 498 Stimmen im ersten Wahlgang Ende April landete sie allerdings klar auf dem letzten Platz.

Heidi Koch.

Heidi Koch.

Bild: Corinne Glanzmann (Ebikon, 14. Februar 2020)

Am zweiten Wahlgang Ende Juni nahm sie deshalb nicht mehr teil – bekanntlich konnte Mark Pfyffer den Sitz der FDP verteidigen und liess SP-Kandidatin Marianne Wimmer weit hinter sich.

Ruhig ist es um Heidi Koch trotzdem nicht geworden. In den sozialen Medien und auch in den Leserbriefspalten unserer Zeitung äussert sie sich regelmässig zu lokalen, aber auch nationalen Themen. Nur: Neuerdings bezeichnet sie sich als parteilos. Auf Anfrage bestätigt Koch ihren Parteiaustritt aus der GLP per 5. Mai. Doch warum? «Einerseits war die Unterstützung meines Wahlkampfs seitens Partei arg mau», sagt sie. «Mein Mann und ich haben das meiste im Alleingang bewältigt.» Andererseits habe sie als Vorstandsmitglied andere Vorstellungen von der Parteiführung gehabt als die anderen.

Nur 59 Stimmen fehlten ihr

Nun ist ein solcher Parteiaustritt an sich noch nicht ungewöhnlich. Kann's geben. Doch Koch war erst im vergangenen Oktober in die GLP übergetreten, von der SP. Bei den Sozialdemokraten war sie während gut eines Jahres aktiv gewesen – und wäre Ende März 2019 beinahe in den Kantonsrat gewählt worden. Nur 59 Stimmen fehlten ihr damals. Immerhin blieb ihr der aussichtsreiche erste Ersatzplatz. Theoretisch. «Kaum war ich aus der Partei ausgetreten, verlangte der Parteisekretär, dass ich ein Papier unterschreiben solle, wonach ich auf den Sitz verzichten werde», sagt Koch und fügt an:

«Das habe ich getan, leider, denn später erfuhr ich, dass ich es gar nicht hätte tun müssen.»

Den Austritt bei der SP begründete sie gegenüber unserer Zeitung im Januar vor allem damit, dass sie mit ihren Umweltanliegen zu wenig Gehör gefunden habe. Aber das ist nicht der einzige Grund – heute sagt sie: «Die Partei hat mich trotz meines guten Abschneidens bei den kantonalen Wahlen nicht als Gemeinderatskandidatin vorgeschlagen.» Überhaupt hat ihr, der «politisch Spätberufenen», wie sie es selber sagt, alles zu lange gedauert. «Denn ich möchte jetzt Verantwortung übernehmen, schliesslich bin ich 61 Jahre alt.»

Bei der GLP stiessen ihre Exekutivambitionen zwar auf offene Ohren, doch punkto Kommissionen hatte die Partei personell andere Ideen als sie selber. «Wie wichtig parteistrategische Überlegungen dabei sind, war mir zu wenig bewusst – da war ich wohl etwas naiv», sagt Koch und ergänzt, dass die beiden Parteiaustritte nicht direkt vergleichbar seien. Dennoch drängt sich die Frage auf: Ist ihr das Korsett einer Partei schlicht zu eng, ist sie zu ungeduldig? «Vielleicht», sagt Koch und ergänzt:

«Aber zählt Fleiss und Hartnäckigkeit nichts mehr?»

GLP-Präsident Sandor Horvath bestätigt den Austritt von Heidi Koch als Mitglied und Vorstandsmitglied: «Es ist ihr Entscheid, den wir selbstverständlich respektieren.» Die Nachfolge werde Ende August an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung bestimmt. Bezüglich Austrittsgrund sagt er: «Ich kann bestätigen, dass wir unterschiedliche Ansichten über die Führung und Organisation der Partei hatten.» Man habe Koch damals sehr gerne aufgenommen und für den Gemeinderat nominiert, weil sie die Anforderungen für dieses Amt erfüllt habe. Was die Kritik Kochs am fehlenden Support im Wahlkampf betrifft, sagt Horvath:

«Wir haben ihr jene Ressourcen zur Verfügung gestellt, die wir vereinbart hatten. Wegen Corona konnten wir nicht alle geplanten Massnahmen umsetzen.»

Für Heidi Koch ist das Thema Politik ohnehin nicht abgeschlossen. Sie will sich weiterhin politisch engagieren, dem Gemeinderat auf die Finger schauen. Und sie hofft, dass die Ebikoner Ende September Ja sagen zur Einführung eines Gemeindeparlaments. Ob sie selber dereinst als Einwohnerrätin kandidieren wird, ist offen. «Bis zu einer allfälligen Einführung würde es ja noch ein paar Jahre dauern, genug Zeit zum Überlegen.» Wohlwissend, dass es als Parteilose schwierig wäre. Und eine andere Partei? «Nach zwei Parteiversuchen sehe ich das weniger, obwohl, theoretisch würde ich sicher gut zu den Grünen passen, aber die sind in Ebikon praktisch inexistent.»

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