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HEILIGKREUZ: Hier kochen künftige «Hexer»

Im Ferienheim der Ingenbohler Schwestern soll eine Kochakademie entstehen. Bis 2019 dürften dafür 18 Millionen investiert werden. Gesucht ist nun ein Geldgeber.
Evelyne Fischer
Im Erholungsheim der Ingenbohler Schwestern auf Heiligkreuz sollen sich bald Köche in einer Koch-Akademie weiterbilden. (Bild: Nadia Schärli)

Im Erholungsheim der Ingenbohler Schwestern auf Heiligkreuz sollen sich bald Köche in einer Koch-Akademie weiterbilden. (Bild: Nadia Schärli)

Evelyne Fischer

Dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, sollen künftig angehende Spitzenköche Zutaten aus der Biosphäre veredeln. Eine nationale Kochakademie auf 1130 Meter über Meer – eine solche will die Hotel & Gastro Union, die grösste Berufsorganisation der Hotellerie und Gastronomie, im Ferienheim der Ingenbohler Schwestern auf Heiligkreuz in Hasle realisieren. 2019 sollen sich die ersten 25 Köche an der höheren Fachschule weiterbilden, dem perfekten Handwerk ein Stück näherkommen. Dass als Standort das Entlebuch zum Zug kommt, hat mit dem «geistigen Gründer» der Akademie zu tun: Diese basiert auf Ideen von «Hexer» Stefan Wiesner, Spitzenkoch in Escholzmatt, der die Naturküche pflegt.

Diese Pläne wurden am Donnerstag an der Generalversammlung von «Chance Heiligkreuz» präsentiert. Diesem Verein hatte die Schwesterngemeinschaft 2014 die Aufgabe übertragen, die künftige Nutzung ihres Erholungsheims auszuarbeiten. Denn: Der Bedarf an Ferienplätzen hat stark abgenommen, das Haus mit 55 Zimmern, Grossküche, Hallenbad und weiteren Räumen wurde zur Last.

Standortwahl ist kein Zufall

Laut Andreas Fleischlin, Geschäftsführer des Schweizer Kochverbandes der Hotel & Gastro Union, eignet sich Heiligkreuz bestens für eine Kochakademie: «Was wir lehren wollen, können wir nicht in Bahnhofsnähe vermitteln, umgeben von Gleisen und Beton.» Ihre Überzeugung sei: «Wer mit der Natur der Biosphäre kochen kann, kommt überall zurecht.» Der zweijährige Bildungsgang soll jene Wanderjahre ersetzen, während denen sich Köche früher im In- und Ausland ihre Handschrift aneigneten. «Mit diesem Projekt wollen wir eine Leidenschaft wecken, die Köche am Herd und somit in der Branche hält und sie nicht abwandern lässt.»

Die Kochakademie entspreche dem Zeitgeist: «Man will heute wissen, woher die Lebensmittel stammen.» Dass Nenad Mlinarevic vom Park-Hotel Vitznau zum Koch des Jahres 2016 gewählt wurde, sei kein Zufall. «Er setzt auf Zutaten, die vor der Haustüre wachsen. Das ist definitiv ein Trend.» Man strebe eine Zusammenarbeit mit lokalen Bauern an, wolle diese ermuntern, auf alte, teils in Vergessenheit geratene Pflanzen und Tiere zu setzen.

«Starke Vernetzung mit der Region»

Dieser Link zur Biosphäre war Chance Heiligkreuz ein Anliegen. «Wir präsentieren hier eine Lösung, die eine starke Vernetzung mit der Region zulässt», sagt Vereinspräsidentin und alt CVP-Kantonsrätin Heidi Duss. Auch die Schwesterngemeinschaft ist von diesem Vorschlag überzeugt. «Es ist ein Projekt, das sich gut in die Gegend einfügt und den Bildungsplatz Schweiz stärkt», sagt Provinzrätin Tobia Rüttimann. «Eine Kochakademie passt zum Geiste der Ingenbohler Schwestern, die sich seit je her für Bildung eingesetzt haben und sehr sozial ausgerichtet sind. Wir stellten nie die Bedingung, dass die Nutzung im spirituell-religiösen Bereich angesiedelt sein sollte.»

Ende Juni soll das Detailkonzept der Kochakademie vorliegen, die sich «langfristig» einmieten will. Ein Gastrolokal ist dabei nicht vorgesehen. «Wir hofften, möglichst schnell eine Nutzung aufzeigen zu können. Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass dies bereits jetzt der Fall sein könnte», sagt Duss. Bis im August will Chance Heiligkreuz die Zwischenfinanzierung geregelt haben. «Es liegt die Absichtserklärung eines Investors vor, der das Ferienheim kaufen will.» Den Namen gibt Duss noch nicht preis. Einer Schätzung zufolge dürfte die Liegenschaft rund 4,45 Millionen Franken wert sein. 35 000 Quadratmeter gross ist das Grundstück, auf dem sich das Ferienheim befindet – eine Fläche von gut viereinhalb Fussballfeldern. «Die Verhandlungen finden Anfang Mai statt. Wir gehen derzeit von einem Kaufpreis von vier Millionen aus», sagt Duss. Den Erlös werden die Ingenbohler Schwestern in Alters- und Pflegeeinrichtungen im Mutterhaus investieren.

Vier Küchen à 400 000 Franken

Stimmt die Gemeinde Hasle im Frühjahr 2017 der nötigen Umzonung zu, stehen grosse Bauarbeiten an. Chance Heiligkreuz rechnet mit Investitionen von 18 Millionen Franken – für die Planung, Kühl-, Lager- und Schulungsräume, die Ausstattung der Zimmer mit Nasszellen sowie vier Hightech-Küchen. Eine solche kostet rund 400 000 Franken. «Sofern es möglich ist, soll das Gebäude erhalten bleiben. Ein Neubau wäre Worst Case», sagt Duss. Auch für diese Investitionen will Chance Heiligkreuz einen Geldgeber suchen. «Der Verein wird auch mit den künftigen Betreibern zusammenarbeiten.» Etwa in Form einer Stiftung. «Unser Engagement geht weiter.»

Enden hingegen wird eine Ära für die Ingenbohler Schwestern. Vorgängerbauten des 1972 erstellten Ferienheims sind bis ins 18. Jahrhundert nachzuweisen. Seit 1892 zogen sich hier Schwestern von Ingenbohl und anderen Ordensgemeinschaften für Ferien und Exerzitien zurück – Tage der inneren Einkehr. «Dieser Ort in der Stille, inmitten der Natur, war ideal dafür», sagt Schwester Tobia Rüttimann. «Ich werde das Ferienheim vermissen.» Der Abschied dürfte vor allem jenen drei Schwestern schwer fallen, die noch heute in Heiligkreuz leben und nach dem Verkauf ausziehen. «Doch wir wissen, dass etwas Gutes folgt. So ist es einfacher, loszulassen.»

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