Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Heilpädagogen-Mangel bleibt im Kanton Luzern akut

Kurz vor den Sommerferien haben die meisten Schulen ihr Lehrpersonal für das kommende Schuljahr beisammen. Bei den Heilpädagogen bleibt die Lage hingegen angespannt – obwohl die Anmeldungen für das Studium sprunghaft ansteigen.
Urs-Ueli Schorno
Alltag im Schulzimmer: Jedes Kind erhält die nötige Unterstützung - auch von Heilpädagogen. (Symbolbild: Keystone/Dominic Steinmann)

Alltag im Schulzimmer: Jedes Kind erhält die nötige Unterstützung - auch von Heilpädagogen. (Symbolbild: Keystone/Dominic Steinmann)

Ein Blick ins Stellenportal des Kantons zeigt, dass Luzerner Volksschulen kurz vor den Sommerferien noch 34 Lehrpersonen für eine feste Anstellung suchen. Darunter mehrere Klassenassistenzen und Praktikantinnen (siehe Kasten).

Auffällig sind aber rund 30 weitere Ausschreibungen. Dabei akzentuiert sich ein bekannter Personalengpass. «Grosse Probleme gab und gibt es bei den heilpädagogischen Stellen, auch bei den Schuldiensten», so Vincent. Das Problem ist länger bekannt, auch in anderen Kantonen: Mit dem Integrierten Unterricht ist die Nachfrage nach Heilpädagogen markant angestiegen. Hauptgründe für den Personalengpass seien, dass viele Heilpädagogen Teilzeit arbeiten, so Charles Vincent, Leiter der Dienststelle für Volksschulbildung. Ein Studium ohne entsprechenden Arbeitsort ist nicht möglich – es werden keine Heilpädagogen «auf Vorrat» ausgebildet.

Gabriel Sturny, Studiengangleiter Schulische Heilpädagogik an der pädagogischen Hochschule Luzern ergänzt: «In Luzern ist der Mangel an Heilpädagogen ausgeprägter als etwa in den anderen Zentralschweizer Kantonen.» Es seien schlicht nicht genug Lehrpersonen bereits, sich zum Heilpädagogen ausbilden zu lassen.

«Die Ausbildung ist attraktiv - aber anspruchsvoll.»

Gabriel Sturny, Pädagogische Hochschule Luzern

Ist das Studium nicht attraktiv genug? Sturny präzisiert. «Aus meiner Sicht ist eine heilpädagogische Ausbildung sehr attraktiv – aber auch sehr anspruchsvoll. Sie muss auf ein komplexes Arbeitsfeld vorbereiten. Unter anderem umfasst dieses Beratungsaufgaben oder Schul- und Unterrichtsentwicklungsprojekte.» Die Ausbildung dauert deshalb drei Jahre. In dieser Zeit verzichten Auszubildende durchschnittlich auf die Hälfte des Lohnes. «Trotz höherer Lohneinstufung nach der Ausbildung dauert es Jahre, bis diese Einbussen ausgeglichen sind.»

In den vergangenen Jahren habe sich aber Einiges getan. So würden schon bei der Ausbildung der Primar- und Sekundarlehrer gezielt heil- und sonderpädagogische Themen bearbeitet. Zudem können seit zwei Jahren Studierende der Sekundarstufe I in Luzern ein Profil Heilpädagogik wählen. 30 Prozent der im kommenden Herbst neu eintretenden Sekundarstufe I-Studierenden hätten sich dafür entschieden.

Anmeldungen sprunghaft angestiegen

Ein anderer Lichtblick für die Ausbildung von Schulischen Heilpädagoginnen: «Im Jahr 2018 konnten wir einen Sprung bei den Anmeldungen verzeichnen: Waren es im vergangenen Jahr 79 Anmeldungen, werden in diesem Herbst über 100 Personen das Studium antreten.» An der Pädagogischen Hochschule Luzern werden zusätzlich im Rahmen des Weiterbildungsmasters Integrative Förderung Lehrpersonen für das heilpädagogische Berufsfeld qualifiziert.

Bis sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich beruhigen wird, dürften aber noch einige Schuljahre vergehen. In der Zwischenzeit werden viele Stellen mit Personal besetzt, das nicht spezifisch für den Job ausgebildet ist. Für Sturny ist das nur eine Notlösung. «Es besteht die Gefahr, dass diese als Nachhilfelehrpersonen eingesetzt werden. Im Schulsystem nehmen die Heilpädagogen jedoch eine sehr wichtige Funktion ein, die eine gute Ausbildung voraussetzt.»

Keine Entwarnung auf dem Stellenmarkt

Mit Blick auf die gleich bleibend hohen Anforderungen in den Schulen und auf viele anstehende Pensionierungen von Schulischen Heilpädagogen und Heilpädagoginnen in den kommenden Jahren kann Sturny keine Entwarnung geben: «Wir haben unser Ausbildungsangebot auf diesen Herbst hin ausgebaut und werden auch bei künftig hohen Nachfragen dementsprechend reagieren.»

Den Verantwortlichen der Pädagogischen Hochschule Luzern sei aber bewusst, dass Ausbildung und Weiterbildung in Zukunft verstärkt gemeinsame Lösungen entwickeln müssen, um dem Mangel entgegenzuwirken: «Für das heilpädagogische Berufsfeld wollen wir Kernkompetenzen definieren, über welche alle Abgänger und Abgängerinnen der entsprechenden Aus- und Weiterbildungen verfügen sollen».

Mehr Lohn für Kantonsangestellte gefordert

In einem Brief an den Luzerner Regierungsrat fordert die Arbeitsgemeinschaft Luzerner Personalorganisationen eine Anpassung der Löhne für Staatsangestellte und Lehrer um 2 Prozent. Begründet wird die Forderung damit, dass in den vergangenen Jahren die Angestellten des Kantons einen «schmerzhaften» Beitrag für ein schuldenkonformes Budget leisten mussten und dabei eine Arbeitszeiterhöhung von 1,25 Stunden respektive einer zusätzlichen Unterrichtslektion in Kauf nahmen. Zudem seien die Lohnrunden in den letzten Jahren äusserst knapp ausgefallen. Auch wird ein Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent gefordert. (uus)

Noch einige Klassenlehrer gesucht

Weniger dramatisch gestaltet sich der Lehrermangel in den übrigen Bereichen: Laut Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung konnten die meisten freien Stellen bei Fachlehrpersonen und Klassenlehrern besetzt werden: «Es sind nur noch zwei bis drei Stellen für Klassenlehrpersonen offen», sagt er. Einfach war die Rekrutierung indes nicht. «Für den Kindergarten und die Primarschule waren knapp genügend Bewerberinnen und Bewerber vorhanden.» Besser hingegen präsentiert sich die Situation bei der Sekundarschule, da wenig neue Stellen besetzt werden mussten. Auch Gymnasien verzeichnen keinen Lehrermangel. (uus)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.