Volksschule Luzern präsentiert ein neues Lehrmittel – Heimatkunde findet jetzt im Internet statt

Digitalisierung hält immer mehr Einzug in die Luzerner Schulzimmer. Neustes Beispiel: ein Online-Lernmittel, das den Kindern ganz neue Seiten des Kantons zeigt.

Raphael Zemp
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Unterricht mit digitalen Lehrmitteln wird alltäglich. (Bild: Pius Amrein, Ursern, 29. Oktober 2018)

Unterricht mit digitalen Lehrmitteln wird alltäglich. (Bild: Pius Amrein, Ursern, 29. Oktober 2018)

Wem gehört der Sempachersee? Oder: Wie kam der Mammutzahn in eine Kiesgrube? Antworten auf diese sowie elf weitere breit angelegte Fragestellungen suchen Luzerner Primarschüler künftig nicht mehr im guten alten Heimatkundeordner, sondern auf der Online-Plattform entdecke.lu.ch, einer Eigenentwicklung der Dienststelle Volksschulentwicklung. Mit diesem Angebot sei man in eine «neue Dimension der Wissensvermittlung» vorgestossen, sagte Reto Wyss, Bildungsdirektor des Kantons Luzern, anlässlich einer Pressekonferenz im Dachgeschoss des Stadtluzerner Moosmattschulhauses.

Wie diese «neue Lernwelt» konkret aussieht, zeigt sich zwei Stockwerke tiefer, im Klassenzimmer von Nadir Affinito. Rund zwanzig Kinder beugen sich dort über Laptops und Tablets. Es wird angeregt gestikuliert und miteinander gesprochen: «Jetzt musst du hier ...», «ah hab ich’s doch gewusst!» und «was falsch?».

Lieber Laptop und Tablets als Bücher

Die Fünft- und die Sechstklässler von Affinito haben sich soeben ins Mammutzahn-Mysterium gescrollt und dabei schon Spannendes in Erfahrung gebracht. Da gibt es dieses eindrückliche Bild, das die Schweiz nahezu vergletschert zeigt. «So viel Eis, auch bei uns? Das habe ich nicht gewusst», sagt der fast 12-jährige Quentin Chaussy. Da gibt es immer wieder Kontrollfragen, die man online beantworten muss. «Dabei sieht man sofort, ob man richtigliegt», findet Sophie Baumberger (12). Es sei super, mit Laptop und Tablet zu arbeiten und nicht in einem Textbuch blättern zu müssen.

Auch der Lehrer findet das neue digitale Lehrmittel «eine gute Sache» – wie die meisten seiner Berufskollegen, sofern man Wyss’ Ausführungen glauben darf. Bei sämtlichen Unterrichtseinheiten stehen der Kanton Luzern und seine Eigenheiten im Fokus.

Das neue Digital-Lernmittel ist für das Fach Natur, Mensch, Gesellschaft konzipiert worden und richtet sich an Primarschüler der dritten bis sechsten Stufe. Weil die Internetplattform öffentlich ist, können letztlich alle ihren Wissensdurst stillen. Die Entwicklungskosten belaufen sich auf rund 100 000 Franken – laut Wyss «deutlich weniger» als bei einem konventionellen Lernmittel. Zudem sei es nicht starr und könne relativ günstig erweitert werden. Geplant ist auch eine ähnliche Plattform für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).