HEIME: Altersverein uneins über Heime

Was denken ältere Menschen über die Heimauslagerung? Der Verein 60+ hat sich intensiv damit befasst – und ist gespalten.

Luca Wolf
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Bernhard Bühler, Verein FORUM Luzern 60+: «Mit gutem Willen ginge es auch ohne Auslagerung» und Dorothea Kipfer, ehemalige SP-Politikerin: «Durch die Auslagerung verfügt die Heim-AG über ein eigenes Budget und kann dadurch investieren. (Bild: PD / Neue LZ)

Bernhard Bühler, Verein FORUM Luzern 60+: «Mit gutem Willen ginge es auch ohne Auslagerung» und Dorothea Kipfer, ehemalige SP-Politikerin: «Durch die Auslagerung verfügt die Heim-AG über ein eigenes Budget und kann dadurch investieren. (Bild: PD / Neue LZ)

SP und die Grünen sind dagegen, die restlichen Parteien für die Umwandlung der städtischen Heime in eine gemeinnützige AG. Abgestimmt wird am 18. Mai. Doch wie stehts um die Haltung von älteren Personen? Der Verein Forum Luzern 60+ hat sich intensiv mit der Auslagerungsfrage auseinander­gesetzt und als einzige altersspezifische Institution im Rahmen der Vernehmlassung eine Stellungnahme abgegeben – Pro Senectute Luzern etwa will sich nicht äussern. Luzern 60+ umfasst 50 über 60-jährige Mitglieder aus der Stadt mit verschiedenen beruflichen und sozialen Hintergründen. Dieses Gremium ist für die Stadt Partner für Altersfragen. Und es ist bezüglich Heimauslagerung gespalten. «Zwar hat unsere Arbeitsgruppe der Auslagerung mehrheitlich zugestimmt», sagt Vereinspräsidentin Christina von Passavant. Aber aus Rücksicht auf die unterschiedlichen Meinungen habe man auf eine Parole verzichtet.

«Unüberlegt, zu wenig durchdacht»

Bernhard Bühler (67) und Dorothea Kipfer (71) verkörpern die beiden konträren Haltungen innerhalb des Vereins.

Bühler beschäftigt sich rein privat mit dem Thema. «Ich bin voll unabhängig.» Er widerspricht dem Hauptargument der Auslagerungsbefürworter, dass die Heime nur mit der Umlagerung künftig genug flexibel reagieren könnten, um auf dem Markt zu bestehen. «Mit gutem Willen wäre das auch ohne Auslagerung möglich. Die Stadt könnte etwa den Heimen ein eigenes Budget zur Verfügung stellen. Dann könnten diese auch schneller handeln.» Man solle die verwaltungsinternen Abläufe vereinfachen, anstatt die Heime auszulagern.

Denn «unüberlegt und zu wenig durchdacht», das sei das Ganze definitiv. «Der angestrebte Kulturwandel findet nicht statt», bemängelt Bühler. «Denn anstatt dass neue, externe Spezialisten die Organisation der neuen Heim-AG definiert haben, ist dies durch die heutige Verwaltung geschehen. Man hat um Personen herum organisiert, nicht eine neue Organisation aufgebaut.» Falsch sei es auch, dass der Heim-Verwaltungsrat erst im Nachhinein gewählt würde. «Das müsste zuerst geschehen, damit der Verwaltungsrat eine Strategie entwickeln kann.»

Weiter stört sich Bühler an der Behauptung der Stadt, dass dank der Heimauslagerung für alle Heime gleich lange Spiesse geschaffen würden. «Aber die Spiesse sind nicht gleich lang. So muss sich die Stadt etwa an den neuen, grosszügigen Gesamtarbeitsvertrag halten, die privaten Heime nicht.» Auch in anderen Bereichen werde die Stadt zu Aufgaben verpflichtet, die Mehrkosten mit sich führen würden.

Heime vor Sparübungen schützen

Dorothea Kipfer war für die SP zehn Jahre im Stadtparlament und sitzt unter anderem im Stiftungsrat der Pro Senectute Kanton Luzern sowie im Pflege-Berufsverband SBK. «Ich bin für die Heimauslagerung, weil ich während der zehn Jahre im Parlament zu oft erlebt habe, wie bei Altersprojekten gespart wurde.» Durch die Auslagerung verfüge die Heim-AG über ein eigenes Budget und könne dadurch investieren, wie es wirklich sinnvoll sei. «Auch kann die Heim-AG dadurch einfacher für innovative Projekte Geld aufnehmen, etwa bei Pensionskassen», ist Kipfer überzeugt. Die Entscheidungswege würden massiv kürzer. So könnten einfacher etwa neue Tagesstrukturen geschaffen werden. «Zwar fliesst auch das Geld in der Heim-AG nicht in Strömen, aber der Spielraum wird erweitert.»

Die Angst der SP, dass Politik und Volk durch die Auslagerung zu stark an Einfluss verlieren, teilt sie nicht. «Die alte Generation ist aktiv und versteht sich zu wehren.» Überhaupt findet Kipfer die Abstimmungsrhetorik der SP bedenklich: «Die SP argumentiert teils sehr populistisch, nahe an bekannten SVP-Schlagwörtern.» Das sei schade und werde dem Thema nicht gerecht. Zumal dem Personal mit dem neuen GAV sehr gute Arbeitsbedingungen offeriert worden seien. Auch hänge die Qualität der Pflege von kompetenten Kadern mit Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden und Betagten ab. «Und dass schweizweit 70 Prozent der Heime privat organisiert sind und gut funktionieren, hat auch einen Grund.»