HELLBÜHL: Der Kornettist sagt der Bühne Adieu

Nach 64 Jahren verlässt Lorenz Hermann die Feldmusik Hellbühl. Für den 81-jährigen Musikanten ist es ein Entscheid der Vernunft.

Daniel Schriber
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Sonniges Gemüt: Lorenz Hermann (81) in Uniform und mit Kornett. (Bild Pius Amrein)

Sonniges Gemüt: Lorenz Hermann (81) in Uniform und mit Kornett. (Bild Pius Amrein)

Im Haus von Lorenz und Bertha Hermann an der Luzernerstrasse in Hellbühl gehts im Moment turbulent zu und her. Reporter und Fotograf des Lokalblattes waren zu Besuch, unsere Zeitung ebenfalls – und die Musik-Fachzeitschrift dürfte auch noch anklopfen. Kein Wunder, fühlt sich Lorenz Hermann fast ein wenig wie ein Promi. Er wolle kein grosses Aufsehen um seinen Entscheid machen, betont er. Aber natürlich freut er sich um die Anerkennung, die ihm derzeit widerfährt. «Es waren halt doch ein paar Jahre», sagt er. 64, um genau zu sein. So lange war Lorenz Hermann als Kornettist bei der Feldmusik Hellbühl tätig. 64 Jahre! Doch nun ist Schluss. Am Wochenende verabschiedete sich der 81-Jährige aus der Feldmusik Hellbühl.

Ganz oder gar nicht

Lorenz genannt «Herme Länz» Hermann sitzt auf dem Gartensitzplatz hinter seinem Haus. Seine Frau Bertha serviert Kaffee und selbst gebackenen Kuchen («Wenn uns schon mal die LNN besucht.»). Noch einmal hat Hermann seine stolze Feldmusik-Uniform angezogen; bald wird er sie nicht mehr brauchen. Geduldig posiert er für den Fotografen unserer Zeitung. Hermann ist gut in Form, freundlich und fröhlich, gesprächig. Sehr gut kann man sich diesen Mann an einem Auftritt der Feldmusik vorstellen. Auch nach 64 Jahren, auch mit 81.

Herr Hermann, sagen Sie, warum hören Sie auf? Er hat diese Frage erwartet, die Antwort kommt auf Knopfdruck. «Es ist ein Vernunftsentscheid.» Irgendwann spüre man es halt doch, das Alter. Die Proben unter der Leitung von Maria Müller-Kaufmann – Hermann lobt seine Dirigentin in vollen Tönen – waren anspruchsvoll und streng, irgendwann zu streng für den Rentner. «Ich bekundete je länger je mehr Mühe mit der Geschwindigkeit», sagt Hermann. «Und der Nachwuchs spielt heute ja schon so gut!» Kein Vergleich zu seinen Jugendzeiten, als es noch keine Musikschulen gab und man sich das Spielen mehr oder weniger selbst beibrachte. «Wenn man irgendwann zu langsam wird, ist es Zeit zu gehen und neuen Kräften Platz zu machen.» Halbbatzig mitzuspielen, «einfach um dabei zu sein», das stand für Hermann nie zur Debatte. «Ganz oder gar nicht», so seine Devise.

Goldene Verdienst-Medaille

Blickt Lorenz Hermann zurück, erinnert er sich an zahlreiche schöne Momente mit der Feldmusik Hellbühl. «All die Musikfeste, die Jahreskonzerte, die Wettbewerbe – es waren wunderbare Zeiten.» Besonders gerne denkt er zum Beispiel an das Eidgenössische Musikfest von Luzern aus dem Jahr 2006 zurück. Er muss noch heute laut lachen, wenn er erzählt, wie einige seiner Musikerkollegen nach einem Auftritt samt Uniform in den See sprangen. Zweimal holte sich die Feldmusik Hellbühl zudem den Schweizer-Meister-Titel in der 3. Klasse Harmonie. Und stolz ist er selbstverständlich auch auf die «Goldene Verdienst-Medaille», die ihm vor vier Jahren vom Internationalen Unesco-Musikbund CISM für 60 Jahre aktives Musizieren verliehen wurde.

Familiäre Atmosphäre

Noch viel mehr als solche Auszeichnungen bedeutete Hermann aber das Zusammensein mit seinen Kolleginnen und Kollegen von der Feldmusik. Viele davon könnten seine Kinder sein. Auch wenn die Proben anspruchsvoll waren: Kleine Spässe zwischendurch durften nie fehlen, genauso wenig wie das Bier danach. «Wir waren wie eine Familie.» Und genau deshalb will Hermann seinen ehemaligen Kollegen auch in Zukunft die Treue halten – wenn auch nicht als aktiver Musikant. «Ich freue mich darauf, die Auftritte künftig aus dem Hintergrund geniessen zu können.» Auch wenn Hermann nun mehr Zeit im heimischen Garten, auf dem Velo oder wandernd in den Bergen verbringen will, so schliesst er dennoch nicht aus, dass er dann und wann nach einem Probeende im Stammlokal Feldmusik vorbeischauen wird. Darüber wird sich auch seine Frau Bertha freuen. Sie ist seit 1987 stolze Fahnengotte der Feldmusik Hellbühl – und will dies auch noch lange bleiben.