HERBSTWAHLEN: CVP schafft volle Nationalratsliste nicht

Die CVP kürt am Montag ihre Kandidaten für die eidgenössischen Wahlen. Das Interesse ist im Gegensatz zu 2011 gering – wenn nicht noch etwas Überraschendes passiert.

Lukas Nussbaumer
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CVP-Präsident Pirmin Jung: «Wir haben ein Ziel verfehlt, lassen uns aber nicht unter Druck setzen.» (Bild: Archiv Neue LZ)

CVP-Präsident Pirmin Jung: «Wir haben ein Ziel verfehlt, lassen uns aber nicht unter Druck setzen.» (Bild: Archiv Neue LZ)

Lukas Nussbaumer

Der 19. Oktober 2010 und der 23. Oktober 2011 waren für die CVP des Kantons Luzern zwei denkwürdige Tage – und für vier Politiker ebenfalls. 2010 bewarben sich zwölf Kandidaten für die zehn Sitze auf der Nationalratsliste – Hilmar Gernet und Adrian Schmassmann schafften die Nomination in einem aufwendigen Verfahren nicht (siehe Kasten). Ein Jahr später triumphierte der neu antretende Leo Müller und wurde in den Nationalrat gewählt – auf Kosten des bisherigen Pius Segmüller. Vier Männer, ein Sieger, drei Verlierer.

Für Leo Müller, der neben seinem Mandat in Bundesbern weiterhin als Gemeindepräsident von Ruswil amtet, dürfte das aktuelle Wahljahr ebenfalls positiv verlaufen: Seine Nomination am kommenden Montag ist unbestritten, und die Chancen auf die Wiederwahl stehen gut. Das gilt auch für die Altishoferin Ida Glanzmann, die ebenfalls eine weitere Legislatur als Nationalrätin anhängen will.

Wer folgt auf Ruedi Lustenberger?

Im Zentrum steht bei der CVP denn auch die Frage, wer für den nach 16 Jahren in Bern nicht mehr kandidierenden Ruedi Lustenberger aus Romoos in die Grosse Kammer einziehen kann – falls die grösste Luzerner Partei ihr drittes Mandat halten kann. Das Kandidatenfeld besteht neben Müller und Glanzmann aktuell aus den folgenden Personen: Andrea Gmür-Schönenberger (Luzern, schon 2011 Kandidatin), Martin Schwegler (Menznau, 2011 ebenfalls bereits Kandidat), Beat Leu (Stadtpräsident von Sursee), Priska Wismer-Felder (Kantonsrätin aus Rickenbach), und Peter Zurkirchen (Kantons- und Gemeinderat aus Schwarzenberg).

Nicht zur Verfügung steht überraschend der Entlebucher Pius Kaufmann, Gemeindeammann von Escholzmatt-Marbach und ebenfalls Kantonsrat. Kantonalpräsident Pirmin Jung: «Mit ihm haben wir schon gerechnet. Doch wir akzeptieren seinen Verzicht selbstverständlich.» Die Wahlkreispartei Entlebuch versucht nun, bis am Montag einen Ersatzkandidaten für Kaufmann zu nominieren.

Drei Plätze offen

Zehn Listenplätze, aber erst sieben Kandidaten: Damit befindet sich die CVP sogar auf einem tieferen Stand als die FDP, die ebenfalls noch auf Kandidatensuche ist, aber bereits über acht Personen verfügt (siehe Kasten rechts aussen). CVP-Präsident Pirmin Jung bezeichnet es denn auch als «etwas überraschend, dass wir am Montag höchstwahrscheinlich keine volle Liste verabschieden können». Und weiter: «Wir haben ein Ziel verfehlt, lassen uns aber nicht unter Druck setzen.»

Bis zum Eingabeschluss vom 24. August werde die CVP eine volle Liste haben. Die Parteileitung sei mit mehreren möglichen Kandidaten im Gespräch, sagt Jung. Möglich ist allerdings auch, dass sich an der Delegiertenversammlung vom Montagabend spontan weitere Interessierte melden. Jung und Parteisekretär Rico De Bona bezeichnen dieses Szenario als «möglich, wenn auch nicht als sehr wahrscheinlich».

Wie populär ist Schwegler noch?

Obwohl das Kandidatenfeld der CVP noch nicht komplett ist, stellt sich die Frage nach den Favoriten für den frei werdenden Sitz von Ruedi Lustenberger. Vor vier Jahren schnitt von den erneut antretenden Kandidaten Martin Schwegler, der Vorgänger von Pirmin Jung als Parteipräsident, am besten ab. Er holte als Fünftplatzierter auf der CVP-Liste rund 6000 Stimmen mehr als Andrea Gmür-Schönenberger. In diesem Herbst ist die Ausgangslage jedoch eine andere: Schwegler ist nach seinem Rücktritt als Parteipräsident von der Politbühne verschwunden, Gmür-Schönenberger erzielte als Kantonsratskandidatin im Wahlkreis Luzern-Stadt parteiintern das mit Abstand beste Resultat. Gmür-Schönenberger und Schwegler gelten CVP-intern denn auch als Favoriten – sofern sich nicht noch populäre Kantonsräte zur Kandidatur entscheiden.

So überraschend gering das Interesse für einen Platz auf der CVP-Nationalratsliste ist, so gut sind die Frauen vertreten. Pirmin Jung: «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mindestens drei Frauen portieren zu können. Das haben wir erreicht. Eventuell können wir gar noch eine weitere Frau nominieren.»

Junge CVP heuer mit eigener Liste

Im Gegensatz zu den letzten Wahlen tritt die Junge CVP in diesem Jahr mit einer eigenen Liste an. Ziel sei es, dass die JCVP eine Liste mit sechs bis sieben Kandidaten zu Stande bringe, sagt Parteisekretär Rico De Bona. 2011 kandidierte die Jungpartei mit Daniel Piazza auf der Liste der Mutterpartei – erfolglos. Für Piazza hat sich die damalige Präsenz inzwischen dennoch ausgezahlt: Er wurde am 29. März in den Kantonsrat gewählt.

Völlig unbestritten ist die erneute Nomination von CVP-Ständerat Konrad Graber aus Kriens. Graber vertritt den Kanton Luzern seit 2007 im Stöckli.

Ausser Ruedi Lustenberger treten alle bisherigen Nationalräte wieder an. Neben den CVP-Parlamentariern Leo Müller und Ida Glanzmann sind dies die FDP-Vertreter Peter Schilliger und Albert Vitali, die SVP-Nationalräte Felix Müri und Yvette Estermann, die Linken Prisca Birrer-Heimo (SP) und Louis Schelbert (Grüne) sowie Roland Fischer (GLP).

Der FDP fehlen noch zwei Kandidaten

nus. Die FDP nominierte ihre Nationalratskandidaten als erste Luzerner Partei bereits am 27. Januar. Auf der Liste befinden sich die beiden Bisherigen Peter Schilliger (Udligenswil) und Albert Vitali(Oberkirch) sowie die neu antretenden Charly Freitag(Beromünster), Irene Keller(Vitznau), Damian Hunkeler(Luzern), Erich Leuenberger(Nebikon) und Roland Mahler(Schüpfheim). Den ersten Listenplatz besetzt der Jungfreisinnige Maurus Zeier, der am Donnerstagabend offiziell nominiert wurde. Damit hat die FDP acht der zehn Listenplätze besetzt. An der Delegiertenversammlung vom Montag könnten laut FDP-Geschäftsführerin Jacqueline Theiler weitere Namen folgen.

Wie die Jungpartei der CVP steigen auch die Jungfreisinnigen mit einer eigenen Liste ins Rennen. Die Liste umfasst neun Personen – drei Frauen und sechs Männer.

Zwei mussten über die Klinge springen

nus. Die CVP nominierte ihre Nationalratskandidaten für die Wahlen vom 23. Oktober 2011 als einzige Partei bereits mehr als ein Jahr zuvor – am 19. Oktober 2010. Damals standen zwölf Kandidaten für die zehn Listenplätze zur Verfügung. Die im Vorfeld der Nominationsversammlung als Favoriten gehandelten Politiker konnten sich in einem komplizierten und zeitraubenden Verfahren problemlos durchsetzen. Nicht in die Kränze kamen Hilmar Gernet, der frühere Generalsekretär der CVP Schweiz, und der damalige Eicher Gemeindepräsident und Kantonsrat Adrian Schmassmann.

Die Liste für die Wahlen 2011 bestand aus den drei Bisherigen Ida Glanzmann, Ruedi Lustenberger und Pius Segmüller sowie den neu antretenden Andrea Gmür-Schönenberger, Kathrin Graber, Leo Müller, Daniel Piazza, Martin Schwegler, Josef Wyss und Pius Zängerle.