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Kolumne

Herdentiere

Einblicke - Unsere Kolumnistin Sabine Dahinden über die Vor- vor allem aber die Nachteile von Gruppenreisen.
Sabine Dahinden, SRF-Moderatorin
Sabine Dahinden

Sabine Dahinden

«Ich ha diä tollschtä Feriä buächet, wo dr chasch vorschtellä!» Meine Freundin Annegret ist komplett aufgedreht. Schön und gut. Aber was sie unter den «tollsten Ferien» versteht, lässt mich erschaudern.

Annegret will auf Kreuzfahrt und zwar genau dorthin, wo Tausende und Abertausende andere auch hinwollen: Palma de Mallorca, Venedig, Dubrovnik. Schön sind diese Städte ohne Frage, aber nur dann, wenn sie nicht von Bierbäuchen, Rucksäcken und Turnschuhen verstopft sind. Ich muss hier allerdings ein Geständnis ablegen: Vor kurzem war auch ich – allen meinen Grundsätzen zum Trotz – mit einer Reisegruppe unterwegs. Ich liess mich durch Kirchen, über Plätze und durch Museen treiben. «Wie in einer Schafherde!», sage ich zu Annegret, «Aber man muss doch fähig sein, eigenständig zu reisen! Dann erlebt man auch viel mehr.»

Annegret verdreht die Augen und preist die Vorteile der Gruppenreise: wie schön behütet man sei, wie stresslos man durch die Landschaft komme, ohne sich über die richtige Route zu streiten, wie man sich um gar nichts kümmern müsse. «Und dann», male ich den Teufel an die Wand, «bist du eingequetscht in deiner Schafherde in der Touristenfalle, kaufst einfältige Souvenirs und wirst mit der Herde abends um sechs zurück aufs Schiff getrieben, um ein Sechsgangmenü in dich hinein zu stopfen!»

Alle gehen hordenweise an dieselben Orte, machen alle – hordenweise! – dieselben Fotos von den immer gleichen Sujets, die es im Internet schon abertausendfach gibt. «Milliarden Fotos vom Eiffelturm, was bringt das überhaupt?» Ich mache am liebsten genau das Gegenteil von dem, was gerade im Trend ist. Gehen alle auf die Malediven, fahre ich nach Finnland. Fahren alle aufs Jungfraujoch, nehme ich das rote Bähnli hinauf nach Seelisberg. Und möglichst nur abends, in der Nebensaison oder im Winter spaziere ich durch die Touristenquartiere von Paris oder Rom.

«Dü bisch doch äifach komplett asozial!», wettert Annegret, «Du kannst dich einfach nicht in eine Gruppe einfügen, das ist dein Problem, hesch ä Bärglergrind!» Natürlich hat sie recht: Gruppen sind mir zu laut, zu aufgeregt, zu anstrengend. Ich müsse halt dazulernen im Leben, predigt sie jetzt. «Los jetzä, ich offeriere dir einen Teil dieser Kreuzfahrt und ich weiss, dass es dir gefallen wird. Chumm mit!» «Gott bhiät mich vor em Hiändervogel!», rufe ich. Und Annegret: «...und vor dinerä äignä Timmi!»

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