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HERGISWALD: Kriens feiert seinen «Bruder Klaus»

Er stand im Schatten des Schweizer Nationalheiligen. Doch Johann Wagner führte in Hergiswald ein genauso asketisches Einsiedlerleben. Seines 500. Todestags wird nun gedacht.
Hugo Bischof
Die Hergiswaldkirche oberhalb von Kriens. Rechts ein Bildnis von Bruder Johann. (Bild: PD)

Die Hergiswaldkirche oberhalb von Kriens. Rechts ein Bildnis von Bruder Johann. (Bild: PD)

Hugo Bischof

Eremit, Einsiedler, Waldbruder, Asket, Mystiker: Das sind Bezeichnungen für einen Menschen, der die Abgeschiedenheit von der Welt sucht, um seine Seele Gott suchen zu lassen. Niklaus von Flüe, Bruder Klaus (1417–1487), war einer – der bekannteste unseres Landes, heute Schutzpatron des Kantons Obwalden und Nationalheiliger der Schweiz.

Auch in Kriens führte einst ein Mensch in der Einsamkeit ein gottgeweihtes Leben: Bruder Johann (bürgerlicher Name: Johann Wagner). Er ist weniger bekannt als Bruder Klaus, hat aber ebenfalls eindrückliche Spuren hinterlassen – im Zusammenhang mit der Hergiswaldkirche. Dort wird in diesen Tagen seines 500. Todestages gedacht.

Bruder Klaus als Vorbild

Robert Röösli, Präsident des 1995 gegründeten Fördervereins Hergiswald, hat die gesicherten Daten über Bruder Johann zusammengetragen. 1489 gelangte der Süddeutsche in die Gegend von Kriens, zwei Jahre nach dem Tode von Bruder Klaus. Dass dieser sein Vorbild war und er seinetwegen in die Zentralschweiz zog, sei «sehr wahrscheinlich». Angetan mit einer schlichten Mönchskutte und einem Bündel mit seinen Siebensachen auf dem Rücken, liess sich Bruder Johann «zwei Steinwürfe» entfernt von der heutigen Hergiswaldkirche nieder. Hier, am Abhang des Pilatusberges, lebte er fortan in einer von Tannen und Sträuchern umgebenen und von einem überhängenden Felsen gedeckten Höhle.

An Sonn- und Feiertagen ging Bruder Johann in den Gottesdienst nach Kriens, «um hie und da bei den umwohnenden Landleuten die notdürftigste Nahrung zu sammeln, die ihm mit Freuden gegeben wurde», wie es Hergiswald-Fördervereinspräsident Röösli formuliert.

Papst verspricht Sündenerlass

Bruder Johann wurde bekannt. Immer mehr Leute besuchten ihn, um von ihm «Rat und Trost» zu erhalten. Auch in der Stadt Luzern wurde man auf ihn aufmerksam. Einflussreiche Patrizier, unter ihnen Schultheiss Jakob von Wyl und seine Gemahlin Anna (geborene Feer), ermöglichten 1501 den Bau der ersten Kapelle mit einem Altar auf Hergiswald. Gleichzeitig erhielt Bruder Johann eine einfache Behausung. Die Kapelle wurde 1504 vom Bischof von Konstanz eingeweiht, im gleichen Jahr, in dem dieser auch der Kapelle im Ranft von Bruder Klaus seinen Segen erteilte. Schon 1510 gabs einen ersten Ausbau der Hergiswaldkapelle mit zwei zusätzlichen Altären. In diesen Jahren wurde auch der Ruf Hergiswalds als Wallfahrtsort begründet. Einer der Gründe dafür war, dass der damalige Papst Julius II. allen Erbauern und Besuchern der Hergiswaldkapelle 100 Tage Ablass (Erlass zeitlicher Sündenstrafen) versprach.

Woher kam er?

Den Ausbau der Hergiswaldkirche zu ihrer heutigen Grösse (inklusive Loretokapelle mit dem Bilderhimmel von Kaspar Meglinger) erlebte Bruder Johann nicht mehr. Nach 27-jäh­rigem Einsiedlerleben starb er am 19. Mai 1516 im Alter von 60 Jahren – «im Ruf der Heiligkeit», wie es in einem zeitgenössischen Dokument heisst.

«Woher er ursprünglich gekommen war, wusste bis zu diesem Zeitpunkt niemand», sagt Röösli. Erst nach seinem Tod fand man, fest verpackt in seiner Kutte, die päpstliche Urkunde, die Auskunft gab über seine Herkunft. Demnach stammte Johann Wagner aus dem deutschen Riedlingen (Schwaben). Von 1476 bis 1489, also bis zu seinem Wegzug nach Hergiswald, lebte er als Laienbruder im Kartäuserkloster Ittingen im Thurgau. Über seine Jugendzeit ist nichts bekannt. Auch sein genaues Geburtsdatum im Jahr 1456 ist nicht überliefert.

Wünsche in Erfüllung gegangen

Bruder Johann stand stets etwas im Schatten des auch politisch einflussreichen Bruder Klaus, der 43 Jahre älter war als er. Während Bruder Klaus 1649 selig- und 1947 heiliggesprochen wurde, ist eine solche Ehre Bruder Johann bisher nicht zuteil geworden. «Diesbezüglich haben wir bisher nichts unter­nommen», sagt Hergiswald-Fördervereinspräsident Robert Röösli. Seines Wissens gebe es auch keine gesicherten Wunder. «Auf Fürbitte von Bruder Johann sind aber viele Wünsche von Wallfahrern in Erfüllung gegangen, das ist auf zahlreichen in der Hergiswaldkirche angebrachten Votivtafeln bezeugt», so Röösli.

Der Sarkophag von Bruder Johann befindet sich heute in einer Seitennische der Hergiswaldkirche. Bruder Johann war übrigens ein grosser, starker, gesunder Mann. Das erkannte man 100 Jahre nach seinem Tod bei der ersten Umbettung seiner sterblichen Überreste an den aus seinem ersten Grab entnommenen Gebeinen. «Einzig die ausserordentliche Strenge eines asketischen Lebens liess ihn wohl nicht älter als 60-jährig werden», sagt dazu Robert Röösli.

Felsbehausung ist noch sichtbar

Der Förderverein Hergiswald gedenkt des 500. Todestags Johann Wagners mit einer Ausstellung in der Kirche. Auf dem Weg zur Klause des Eremiten wurden zudem Gedenkstelen aufgestellt. Interessant zu erfahren ist dabei unter anderem, dass es im Herkunftsort Riedlingen eine Johann-Wagner-Strasse gibt. Am Fels der einstigen Höhlenbehausung des Eremiten wurde für den späteren Hergiswald-Kirchenbau zwar einiges abgetragen. Dennoch ist die Felswand heute noch gut sichtbar.

Hinweis

Morgen Samstag um 17 Uhr werden die Gedenk­stelen eingeweiht. Am Sonntag um 10 Uhr gibt es in der Hergiswaldkirche einen Festgottesdienst zum 500. Todestag von Johann Wagner, um 17 Uhr konzertiert das Kammerton-Ensemble.

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