HERGISWIL: Er gehörte zur Schule wie die Wigger zum Dorf

Während Jahrzehnten hat sich Hans-Peter Kunz im Dorf engagiert. Jetzt wird er für sein Schaffen geehrt. Doch auch als Pensionierter wirds um den früheren Lehrer kaum ruhiger.

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Hans-Peter Kunz (65) beim Spaziergang an der Wigger. (Bild: Dominik Wunderli (Hergiswil, 31. Januar 2017))

Hans-Peter Kunz (65) beim Spaziergang an der Wigger. (Bild: Dominik Wunderli (Hergiswil, 31. Januar 2017))

Kinderstimmen ertönen auf dem nahen Pausenplatz. Nur einen Steinwurf vom Schulhaus entfernt, sitzt Hans-Peter Kunz (65) im Wohnzimmer. Ein kurzes Lächeln huscht über seine Lippen, als er sagt: «Ich bin immer gerne Lehrer gewesen, habe stets versucht, diesen Beruf mit Leidenschaft auszuüben.» Im Sommer war für den Hergiswiler nach 44 Jahren Schluss. Aussergewöhnlich dabei: Kunz unterrichtete während dieser langen Zeit ausschliesslich in «seinem» Dorf.

Weiter war Kunz ein langjähriges Mitglied der Musikschulkommission und hat mitgeholfen, die Musikschule Hergiswil zu gründen. 21 Jahre gehörte der mit Ruth verheiratete Vater von zwei Söhnen auch der Feuerwehr an. Dort wirkte er vor allem als Fourier. Heute Abend wird Hans-Peter Kunz in der Hergiswiler Steinacherhalle für sein immenses Wirken in der Gemeinde geehrt.

Schüler über Generationen hinweg unterrichtet

Dass es ihn beruflich nie wirklich wegzog, habe sich so ergeben. Und es habe eben gepasst. Obwohl der 65-Jährige in diesem Zusammenhang zweimal «grössere Überlegungen» anstellte. Ein­mal war es wegen einer ­Lehrerstelle im Zugerbiet, dann wurde das Bodenseegebiet zum Thema. Doch weil sein Vater früh starb, übernahm er das elterliche Haus. Dieses wurde um eine zweite Wohnung erweitert. Dort lebte fortan seine Mutter.

Im Seminar Hitzkirch liess sich Kunz zum Primarlehrer ausbilden. Nach einer Zusatzausbildung zum Reallehrer unterrichtete er auf dieser Stufe. Später war er viele Jahre als Klassenlehrer der Integrierten Sekundarschule tätig. Hunderten von Kindern versuchte er den Rucksack für ihren weiteren beruflichen Weg zu füllen. In den letzten fünf Jahren war Hans-Peter Kunz Fachlehrer für Mathematik, Deutsch und Musik. Er unterrichtete in Hergiswil Schüler über Generationen hinweg. «Früher ist man eher ein Einzelkämpfer gewesen.» Heute sei das Arbeiten im Team sehr wichtig. Zudem könne man auf vielfältige Unterstützung von Fachpersonen zugreifen. Doch nicht nur in dieser Beziehung habe sich die Schule verändert. «Der technische Fortschritt in all den Jahren ist riesig», sagt Kunz.

Gleich geblieben ist für ihn hingegen, dass die Lehrperson eine Vorbildfunktion ausüben sollte. «Die Jugendlichen sollen spüren, dass man sie mag und auf ihrem Weg unterstützen will, sie ernst nimmt.» Die Gestaltung und Rhythmisierung des Unterrichts seien zentral. «Ich bin ein fordernder Lehrer gewesen», sagt er. Dennoch habe er oft gespürt, dass seine Arbeit geschätzt werde. Gemeinderätin Renate Ambühl – sie wirkt auch als Jurymitglied mit – sagt: «Sein ausgeprägter und anpackender Teamgeist, aber auch sein kritischer Blick fürs Machbare zeichneten ihn als Lehrerpersönlichkeit aus. Er hat bis zum Schluss gerne, mit vollem Einsatz und grossem Enthusiasmus, seine Schüler unterrichtet.»

Seine Reisepläne sind von grosser Vielfalt

Musik nimmt in seinem Leben eine wichtige Rolle ein. Er «klimpere» auf dem Klavier, wie er es bezeichnet. Und er will wieder Geige spielen – wie während der Semizeit. Damals war er auch Mitglied des dortigen Orchesters. Später spielte er als junger Lehrer Geige im Orchesterverein Willisau. Kaum ein Tag vergeht im Leben des 65-Jährigen, ohne Musik zu hören. Daheim oder auch bei einem Konzertbesuch. Wobei seine Vorliebe der Klassik gehört.

So sehr Kunz sein Dorf als Oase liebt und im Garten, in der Natur generell, Energie tankt, so gern «entflieht» er der Beschaulichkeit. Etwa mit Städtereisen. Früher machte er auch Radtouren. Kunz begleitete das «Wiggerewasser» bis nach Rotterdam, wo es ins Meer fliesst. Oder fuhr von der Quelle der Donau mit ihr bis nach Budapest. Die Bretagne, Süditalien werden weitere Ziele sein. Das Nordlicht möchte er sehen. Wien habe er verschiedentlich erlebt. «Jetzt will ich dort mal etwas länger bleiben.»

Vespa wartet auf Ausfahrten

Zeit für seine Grosskinder haben, Ausstellungen mit seiner Frau be­suchen, Tagesauflüge machen, Wanderungen unternehmen: Er habe offene Sinne für so vieles, betont Kunz. Sich endlich Zeit nehmen für zwei, drei Zeitungen, das eine oder andere Buch lesen. Sein Blick schweift durch die Wohnung. «Für die CD-Sammlung will ich ein Verzeichnis erstellen», weiss er – ordnungsliebend eben. Und da wäre noch seine Vespa. Diese hat er sich im Mai gekauft. Bei dem «Programm» mutet es fast ungläubig an, wenn er sagt: «Gelegentliches ‹dolce far niente› – einfach mal nichts tun – kann ich auch nicht schlecht.»

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Neben Hans-Peter Kunz werden heute Abend um 20 Uhr auch Stefan Schärli und der Sportverein Hergiswil bei Willisau geehrt.