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HERGISWIL: In der Manege lernen sie ihre zweite Heimat kennen

Kinder studieren im Lager der Stiftung für junge Auslandschweizer Nummern für den Auftritt in der Manege ein. Sie schnuppern aber nicht nur Zirkusluft, sondern tauchen auch in die hiesige Kultur ein.
Junge Auslandschweizer proben unter Anleitung für den Zirkusauftritt. (Bild: Pius Amrein (Hergiswil, 25. Juli 2017))

Junge Auslandschweizer proben unter Anleitung für den Zirkusauftritt. (Bild: Pius Amrein (Hergiswil, 25. Juli 2017))

Rund 750 000 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland. Viele sind Kinder. Diesen bietet die Stiftung für junge Auslandschweizer die Möglichkeit, ihre zweite Heimat kennen zu lernen, indem sie Ferienlager organisiert. Ein solches findet derzeit in Hergiswil bei Willisau mit 62 Kindern von 8 bis 12 Jahren statt.

«Wir wollen ihnen die Schweiz und die Schweizer Kultur näherbringen, machen Ausflüge und Schweiz-bezogene Spiele», erzählt Roger von der Crone, Co-Projektleiter. Ganz unbekannt sei das Land den Kindern nicht, besuchen doch die meisten die Schweiz ein-, zweimal im Jahr: «Die Kinder lieben es, hier zu sein. Besonders wichtig für sie sind die Schweizer Berge, dass Grossstädte immer noch klein und familiär sind, frischer Käse, Rivella und Schwiizer Schoggi», weiss er.

Teilnehmerzahl wegen Jubiläum erhöht

Dieses Jahr feiert die Stiftung ihr 100-Jahr-Jubiläum: Nicht nur die Teilnehmerzahl wurde deshalb erhöht, es wurden auch sieben Kinder aus der Schweiz zugelassen. Vor Ort ist auch der Circolino Pipistrello, der mit den Kindern eine Show erarbeitet. Gemeinsam stellten sie am Montag das Zirkuszelt auf. Danach durften sie Disziplinen wie Tanz, Musik, Trapez, Vertikaltuch, Balance oder Akrobatik ausprobieren. «Ich kann mich nicht entscheiden, was ich am liebsten gemacht habe», sagt Leah (8) aus Kanada. Sie reiste mit ihren Geschwistern an, ihre Mutter wird zur Aufführung herkommen. «Ich habe schon neue Freunde gefunden, aus Kanada und Hongkong», freut sie sich.

Erstaunlich unaufgeregt jonglieren die Kinder, balancieren auf einem Fass oder auf dem Schwebebalken. Andere Kinder üben Vorwärts- und Rückwärtsrollen oder hangeln sich das Vertikaltuch hinauf, immer angeleitet vom Team von Circolino Pi­pistrello. Das Vertikaltuch hat es Odelia (9) aus Israel angetan: «Es gefällt mir, dass ich klettern kann und stark sein muss. Ich bin gern stark», erzählt sie begeistert. Während Odelia im Lager ist, sind ihre Eltern in Deutschland und Israel. Zur Aufführung werden sie anreisen. Odelia ist zum dritten Mal bei so einem Lager dabei: «Es ist ganz einfach, miteinander zu reden. Ich spreche vier Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Also eigentlich fünf, aber Hebräisch spricht ja niemand», meint sie. Auch Adam (8) aus Burkina Faso hat im Lager neue Freunde gefunden. «Ich werde heute Seiltanz wählen», erzählt er. Der 7-jährige Malin aus Olten hingegen möchte am Trapez auftreten. «Ein bisschen nervös bin ich schon, meine Eltern werden zuschauen», meint er. Mit den Lagerleitern, die ebenfalls mitmachen, und dem Zirkusteam studieren die Kinder bis zum 3. August, wenn um 18 Uhr die Kinderaufführung stattfindet, die Nummern ein.

Themen unterscheiden sich von anderen Lagern

Währenddessen gilt es auch, das Lagerleben zu bestreiten. Neben dem obligaten Heimweh tauchen Themen auf, die in anderen Lagern nicht üblich sind, etwa das WC-Papier. «Gewisse Kinder müssen daheim das WC-Papier in einen Kübel werfen, andere benutzen gar kein Papier. Da müssen wir den richtigen Umgang näherbringen», erzählt von der Crone. Untereinander gebe es kaum Probleme. «Die Kinder sind sehr unkompliziert und offen. Herkunft oder Religion spielen keine Rolle.» Manchmal sei von den Kindern aber viel Geduld gefordert, weil Anweisungen in mehreren Sprachen gegeben werden.

Die Stiftung für junge Auslandschweizer, die dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) angegliedert ist, organisiert nicht nur die Lager, sie hilft auch bei der Teilnahmegebühr, wenn eine Familie sich dies nicht leisten kann. Vor hundert Jahren holte man vor allem Kinder aus Krisengebieten in die Schweiz, heute geht es darum, die Beziehung der Kinder zu ihrer Schweizer Heimat zu festigen. Dies scheint in vielen Fällen zu gelingen: Ein Drittel der Kinder vom letzten Jahr sind wieder ins Lager gekommen. Und nur am Ghackets mit Hörnli, dem klassischen Lagermenü, wird das nicht liegen.

Natalie Ehrenzweig

kanton@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Aufführungen Circolino Pipistrello: 28. Juli, 19 Uhr, 2. August, 19 Uhr, Aufführung mit den Kindern: 3. Au­gust, 18 Uhr in Hergiswil.

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