Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HERGISWIL: Sie hält den Heimleiter auf Trab

Mit 106 schlägt Frieda Kropf im Napfdorf alle Altersrekorde. Zwei Eigen-schaften sind ihr nicht abzusprechen: Durchsetzungsvermögen und eine Prise Eitelkeit.
Evelyne Fischer
Eine vife Jubilarin: Frieda Kropf-Schütz im Hergiswiler Altersheim St. Johann. (Bild Manuela Jans-Koch)

Eine vife Jubilarin: Frieda Kropf-Schütz im Hergiswiler Altersheim St. Johann. (Bild Manuela Jans-Koch)

Evelyne Fischer

Eigentlich wäre ja der Johannistag der offizielle Feiertag von Hergiswil. Frieda Kropf-Schütz, die älteste Einwohnerin, dürfte dem Bussprediger aber mittlerweile den Rang abgelaufen haben. Jedenfalls im Altersheim St. Johann. Jahr für Jahr lassen hier gut 50 Bewohnerinnen und Bewohner am 3. Mai zu Ehren Kropfs die Gläser klingen, geniessen Schwarzwäldertorte, schunkeln zur Musik eines Handorgelduos.

Heute einmal mehr. Frieda Kropf feiert: den 106. Geburtstag. Damit ist sie die Drittälteste im ganzen Kanton. Stolz? Frieda Kropf zuckt mit den Schultern. «Es längt ämu de öppe.» Ihr Erfolgsrezept fürs hohe Alter? Sie schwöre auf heisses Wasser, sagt Heimleiter Peter Heer. «Wird bei einem Fest Rimuss auf Zimmertemperatur serviert, ist ihr das viel zu kalt.»

Dame mit viel Humor

Die Seniorin sitzt im Rollstuhl in der Cafeteria. Eine Decke über die Beine geschlagen, ein Foulard um den Hals. Die Haare hübsch frisiert, im Strickjäggli ein Röseli. Ein wenig Eitelkeit ist der gelernten Damenschneiderin nicht abzusprechen. Geschenke will die Jubilarin keine, gegen einen Zustupf für den Coiffeur hat sie jedoch nichts einzuwenden. Ihre Zehennägel sind stets gepflegt – und knallrot lackiert.

Dass sie auch mit 106 weiss, was sie will, führt sie Heimleiter und Fotografin («was isch de das förne Chräje?») augenscheinlich vor. «Use? Bi dere Chöuti? Ämu secher ned», sagt sie und zeigt Peter Heer kurzerhand den Vogel. Dieser nimmts mit Humor. «Wir sind uns ihre Eigenwilligkeit gewohnt.»

Gebürtige Emmentalerin

Frieda Kropf kommt am 3. Mai 1910 als drittletztes von zwölf Kindern der Familie Schütz zur Welt. Luftlinie 17 Kilometer westlich des Napfdorfs, auf dem Hof Hornbach in Wasen, Emmental. Mit vier Schwestern und acht Brüdern wächst sie auf. Als sie sieben Jahre alt ist, zieht Familie Schütz auf den Hof Ober-Nespel in Hergiswil. 1932 heiratet sie Arthur Kropf. Drei Kindern schenkt sie das Leben. Hans, Hedy und Ernst. Die Jubilarin erlebte beide Weltkriege mit, erzählt noch heute von der Mobilmachung, bei der ihr Mann samt Rössern einrückte. Kropfs gehörten danach zu den ersten Fernsehbesitzern im Dorf. Ihr Mann verstarb 1984. Auch ihre beiden Söhne hat sie früh verloren.

Mit ihrer Tochter Hedy Beutler-Kropf (80) telefoniert sie täglich. Punkt 18.15 Uhr, vor dem Schlafengehen. «Sie war ein vorbildliches Mueti», sagt Hedy Beutler. «Fürsorglich blieb sie bis heute», fügt sie augenzwinkernd an. «Sie hat mir kürzlich geraten, weiterhin auf meine Figur zu achten», sagt sie und lacht. «Ich bin froh, wird Mueti in Hergiswil von Heimleiter Peter Heer und seinem Pflegeteam derart liebevoll umsorgt.»

Zwerg sorgt für «Chritz» im Heim

Seit 2008 lebt Frieda Kropf im St. Johann. Zuvor besorgte sie in einer betreuten Alterswohnung den Haushalt lange selbst, tischte den Grosskindern, die Woche für Woche zu Besuch kamen, noch bis ins hohe Alter selbstgemachte gebrannte Creme und einen Gugelhopf auf. Heute geht sie ihren Alltag gemächlicher an – erwacht aber noch täglich um 5 Uhr. «Das bin ich mir von früher her gewohnt», sagt Frieda Kropf. Tagsüber plaudert sie gerne mit Bewohnern. «Aber nur mit jenen, die noch Köpfchen haben.» Ihre geistige Fitness ist unversehrt. Nur mit dem Sehen und Hören hapert es ein wenig. Von der Musikwelle, die im Zimmer läuft, bekommt sie nicht viel mit.

Dort, auf dem 2. Stock, zieren Familienfotos die Wände, eine Pendule, ein Plakat als Erinnerung an ihren 104., ein Zeitungsartikel von einem weiteren Geburtstag. Auf dem Tisch stapeln sich Chips und Schokolade – beim Altersheim-Lotto geht niemand leer aus. Vor der Balkontüre thronen Gartenzwerge. Ein solcher Gesell sorgte einst für «Chritz» zwischen Frieda Kropf und Heimleiter Heer. Quasi als Wachmann hatte sie einen Zwerg vor ihrem Zimmer platziert. Wegen Stolpergefahr verschob Heimleiter Heer den Türsteher wieder nach drinnen. «Diese Aktion wird sie mir wohl nie ganz verzeihen», sagt Heer.

Gemeinderat gratuliert

Heute dürften die Lieblingszwerge nur zweite Wahl sein. Schliesslich kommen Tochter Hedy Beutler und Schwiegersohn Fritz vorbei sowie viele der sieben Gross- und sechs Urgrosskinder. Ein Enkel reist gar samt Familie aus Vancouver an. Erneut macht ihr auch der Gemeinderat die Aufwartung. «Langsam wäre es Zeit für einen Regierungsrat», scherzt Heimleiter Peter Heer.

Noch mit 103 forderte Frieda Kropf den Gemeindepräsidenten zum Tanz heraus. Nun geniesst sie ihr Lieblingslied im Sitzen, ermuntert zum Mitsingen: «Alls, was bruchsch uf de Wält, das isch Liebi ...» Ein Thema übrigens, das selbst am 100. Geburtstag nicht unterging, wie Lokalkorrespondent Peter Helfenstein in der Dorfzeitung «S Hergiswiler Läbe» festhielt. Auf die Frage, was sie sich zum Geburtstag wünsche, antwortete sie damals kurz und knapp: «Einen Mann.» Und stellt klar: «Einfach keinen Pflegefall.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.