HERRENABEND LOZÄRNER FASNACHTSKOMITEE: Ein Halleluja für Moneygirls und Huerenaffe

«Früener esch es besser gsii», heisst es manchmal. Hier geht es um den traditionellen Empfang des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK).

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Herrenabend des Luzerner Fasnachtskomitee. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Herrenabend des Luzerner Fasnachtskomitee. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

«Früener esch es besser gsii.» So hört man es ab und an munkeln. Die Rede ist vom traditionellen Empfang des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), mit allen hochwohllöblichen, ehrenfesten, standfesten, zünftigen Meistern und Delegierten und Detachierten der Fasnachtsgesellschaften. Mit «früener» ist die Zeit vor 2006 gemeint, als die plump-frauenfeindlichen Reden eines gewissen SVP-Regierungsrats eine halbe Staatskrise ausgelöst hatten.

Nett bis hochklassig
Alles politisch korrekter also seit 2006? Weniger bissig, träf, schräg, zotig? Quatsch. Zumindest gemessen an den aktuellen Vorkommnissen. Der jüngste dieser sogenannten «Herrenabende» (das weibliche Geschlecht explizit ausgeschlossen) wurde am Freitagabend begangen, und die zünftigen Huerenaffe waren rüüdig verreckt zwäg. Die proper gewandete Festmeute war 128 Mann und eine Frau (!) stark. Ob das Konfetti-Radio vom Löwenplatz sich der Tragweite des Entscheids bewusst war, als es eine Kollegin in den Maskenliebhaber-Saal in der Luzerner Altstadt delegierte?

Der Reigen an Darbietungen deckte das Spektrum von nett bis hochklassig ab. Daraus lassen sich die folgenden (völlig inkompletten) Regeln ableiten für das, was an einem zünftigen Fasnachtsanlass funktioniert:

? 1. Politiker sind Entertainer. Völlig überraschend geriet der Auftritt des neuen Stadtrats und Finanzdirektors Stefan Roth zum Höhepunkt des Abends. Und dies obwohl man sich im Kollegium schwer getan habe mit der Einladung der LFK-Gewaltigen, «diesem Sauhaufen», «abmelden, krank stellen und nicht telefonieren, weil sich sonst der Präsident unter Druck gesetzt fühlen könnte», habe man ihm geraten. Roth alberte über schneeweisse Spuren im Littauer Gemeinderat und verriet, dass er die stadträtliche Devise bereits kenne: «Früh aufstehen ist der erste Schritt in die falsche Richtung.»

Die Bombe servierte Roth der begeisterten Männerrunde aber mit der Präsentation seines neuen Instruments zum Geldeintreiben: «Ich setze auf die Moneygirls, die Errungenschaft des neuen Stadtteils Littau.» Die vier jungen Damen trugen in ihren Köfferchen die Konterfeis derjenigen Köpfe, «bei denen man den Zaster abholen kann.»

? 2. Gassenhauer. Disco-Hits aus den Siebzigern sind ja eine eher zwiespältige Sache – vor allem wenn sie neu mit Lozärner Texten überspielt werden. Aber was LFK-Präsident Roger Ulrich und Kumpels aus dem Gassenhauer «YMCA» von Village People machen, hat das Zeugs zum Fasnachtsknaller (siehe Hinweis). «Jetzt gömmer alli a d Fasnacht z Lozärn» – das wird an den Festbänken für Mitgrölekstasen sorgen. Gleich dreimal mussten die Köfferlifasnächtler-People am Freitag ran.

? 3. Neckische Flirts ziehen.«Du, wir könnten mal wieder ein bisschen ...», habe er, Markus Achermann, «bald 70», letzthin seiner Frau beim «10 vor 10»-Schauen gesagt. Der Zunftmeister der Güüggali-Zunft: «Du weisst schon, es fängt mit ?S? an.» Die Gattin daraufhin: «Hast du gesehen wie spät es ist? Um diese Zeit kommt keine Spitex mehr!» Die Huerenaffe brüllten. Natürlich rutschte die Sache auch unter die Gürtellinie. Unterirdisch wars aber nie.

? 4. Der Saal tobt bei Pfarrerwitzen. Von seinen guten Kontakten nach Rom berichtete Zirkus-Pfarrer Ernst Heller, wies aber gleich darauf hin: «Nicht nur Vatikan, auch Mutti kann. Sonst hätte ich nicht alle vier Kinder des LFK-Präsidenten taufen können.» Der bestens gelaunte Kirchenmann improvisierte ein Ständchen auf seiner Klarinette Frieda und propagierte lauthals das Motto für die Fasnächtler: «Gott führe mich mit sicherer Hand von Restaurant zu Restaurant. Halleluja Huerenaffe!» 

Jérôme Martinu