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Herrgottskanoniere schiessen Salut an Fronleichnamsfest in Sempach

Üblicherweise werden mit Glockengeläut wichtige Anlässe gefeiert und die Gläubigen zur Messe gerufen. Anlässlich des Fronleichnamsfests aber wird im historischen Städtchen Sempach ein spezieller Brauch gepflegt.
Manuel Burkhard
Herrgottskanoniere geben in Sempach Salutschüsse ab. (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))

Herrgottskanoniere geben in Sempach Salutschüsse ab. (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))

Zwei Sechsspänner, gelenkt von säbelbewehrten Männern in alten Uniformen, jedes Gespann mit einer stattlichen Kanone im Schlepptau. Es ist wahrlich ein eigentümlicher Tross, der zwischen den parkierten Autos durch das Städtchen zieht: Das Spektakel ist weder Kostümfest noch Filmset, sondern ein Brauch anlässlich des Fronleichnams, der in Sempach seit 1929 gepflegt wird.

Wie an vielen anderen Orten findet auch in Sempach anlässlich des Hochfests, mit dem die Gegenwart Christi in Brot und Wein gefeiert wird («Lichnam» bedeutete im Mittelalter «lebendiger Leib») – im Volksmund als der Herrgottstag geläufig – eine Prozession statt. In Sempach beginnt das Prozedere jedoch bereits am Vorabend.

Die Herrgottskanoniere beim Appell. (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))
Die Herrgottskanoniere beim Appell. (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))
Die «Munition» steht bereit: Pfropfen aus gepresstem Altpapier. (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))
Die Kanoniere feuern. (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))
Zehn Schuss werden insgesamt abgegeben. (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))
Feuer frei! (Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))
(Bild: Manuela Jans-Koch (Sempach, 30. Mai 2018))
7 Bilder

Herrgottskanoniere schiessen Salut

Für den besonders schmucken Auftritt in Sempach zeichnet die Corporis-Christi-Bruderschaft verantwortlich. Sie wurde 1929 von einer Gruppe junger Artilleristen gegründet. Inspiriert wurden sie, so vermutet der heutige Präsident Joseph Bühlmann, von den bestehenden Herrgottskanonieren Luzern. Die Kanonen – Schweizer Fabrikate aus den 1890er-Jahren – stammen aus dem Fundus der Schweizer Armee. Jedes Mitglied hat eine feste Rolle als Fahrer (sie lenken die Pferdegespanne), Kanonier oder Grenadier der Ehrengarde.

Das Schiessen ist ein beliebter Brauch

Gerade als die Truppe sich auf der Kirchentreppe aufstellt, setzt der Regen ein. Die Männer nehmen es gelassen, schliesslich verrichten sie einen Ehrendienst, indem sie den hohen Feiertag ankünden. Nach der Segnung durch Gemeindeleiter Bernhard Stadler setzt sich der Tross wieder in Bewegung, hinaus aus dem Städtchen zum See. Nun folgt der grosse Auftritt der Kanoniere: Lafetten abspannen, Kanonen ausrichten, laden. Der Ablauf ist eingespielt; das Ergebnis jahrelanger Erfahrung. «Wer einmal Mitglied ist,» sagt Joseph Bühlmann, «bleibt lange dabei.» Und dann: Feuer frei! Ein Knall, Pulverdampf, der Boden erzittert. Fünf Schuss – Pfropfen aus gepresstem Altpapier – feuert jede Kanone. Rund zwei Dutzend Zuschauer verfolgen das Spektakel. Spätestens jetzt weiss auch der letzte am Sempachersee, dass er morgen nicht zur Arbeit erscheinen muss.

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Hat eine solche Tradition in Zeiten, in denen um Kuh- und Kirchenglocken gestritten wird, nicht einen schweren Stand? Joseph Bühlmann verneint: «Sempach ist eine Traditionsgemeinde, unsere Bräuche sind fest verankert.»

Für die Bruderschaft ist der Ehrendienst damit aber noch nicht zu Ende. Zuerst müssen die Kanonen gewartet werden und dann steht eine frühe Tagwacht an. Um sieben Uhr an Fronleichnam schiesst die Bruderschaft erneut Salut und dann wieder während des Gottesdienstes, bevor sie zum Abschluss der Feierlichkeiten, begleitet von der eigenen Ehrenformation, wieder ins Städtchen einzieht. Nun ruhen die Geschütze wieder – bis zum nächsten Salut.

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