Hertenstein: Villa Senar steht nun unter kantonalem Denkmalschutz

Die Unterschutzstellung der Villa Senar, der einstigen Residenz des Komponisten Sergei Rachmaninoff, bedeutet für die gleichnamige Stiftung einen Teilerfolg. Doch eine Einigung mit den Erben gestaltet sich schwierig.

Roseline Troxler
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Aussenansicht der Villa Senar des russischen Pianisten und Komponisten Sergei Rachmaninov in Hertenstein. (Bild: Pius Amrein, 28. Oktober 2013)

Aussenansicht der Villa Senar des russischen Pianisten und Komponisten Sergei Rachmaninov in Hertenstein. (Bild: Pius Amrein, 28. Oktober 2013)

Die Villa Senar, die der russische Pianist und Komponist Sergei Rachmaninoff erbauen liess, hat auch mehr als 70 Jahre nach seinem Tod eine grosse Ausstrahlung. «Pianisten und Dirigenten, welche im KKL auftreten, machen davor oder danach oftmals noch einen Abstecher in die Villa Senar nach Hertenstein», sagt Urs Ziswiler. Er präsidiert die Rachmaninoff Stiftung.

In letzter Zeit besuchten die berühmten Pianisten Grigori Sokolov und Rudolf Buchbinder sowie der Dirigent Valery Gergiev die Villa, die 1933 im schlichten Bauhausstil erbaut wurde. Dieser Architekturstil ist für die Gegend einzigartig. Im Innern der Villa offenbart sich eine Mischung aus russischer Nostalgie und modernen Bauhauselementen. Gebaut wurde die Villa durch Alfred Möri und Karl-Friedrich Krebs. Sie entwarfen auch die Lukaskirche in der Stadt Luzern. Die Villa Senar steht auf einem Grundstück, das 20 000 Quadratmeter umfasst und hat einen Anstoss an den Vierwaldstättersee. Rachmaninoff bewohnte die Villa mit seiner Familie von 1934 bis 1939, bevor er in die USA auswanderte.

Villa steht seit Ende 2012 leer

Seit wenigen Monaten steht die Villa Senar nun unter kantonalem Denkmalschutz. Für die Rachmaninoff Stiftung bedeutet dies einen Teilerfolg, wie Urs Ziswiler, ehemaliger Schweizer Botschafter in den USA, sagt. Die eigentliche Vision des Stiftungsrats ist es, dass in der Villa ein Kulturzentrum entsteht. Die Zugänglichkeit war der testamentarische Wille von Sergeis Enkel Alexander Rachmaninoff Conus, der im November 2012 verstarb. Seither steht die Villa leer. Die Stiftung konnte sich bisher nicht mit den Erben, den vier Kindern von Rachmaninoff Conus, einigen. Sie wollen die Villa veräussern.

Urs Ziswiler erwartet, dass das «Risiko, dass die Villa kommerziell verkauft wird, aufgrund des kantonalen Denkmalschutzes sinkt». Ein Streitpunkt der Verhandlungen ist der Wert der Villa. So hat eine Marktschätzung für Haus und Garten einen Wert von 18 Millionen Franken plus 4 Millionen Franken für das Inventar ergeben. Die Stiftung zweifelt aufgrund der Einschränkungen an dieser Zahl.

Eigentümer müssen Konzept entwickeln

Zur Unterschutzstellung und dessen Auswirkungen sagt Karin Pauleweit, Leiterin der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur: «Wie bei jedem unter Schutz gestellten Gebäude müssen die Eigentümer gemeinsam mit der Kantonalen Denkmalpflege ein Konzept für die Sanierung und allfällige Um- oder Anbauten entwickeln.» Ziel sei es immer, die angestrebte Nutzung zu ermöglichen und gleichzeitig den Charakter und die Qualität eines Hauses zu erhalten.

Wie lange die Verhandlungen mit den Erben andauern, ist offen. Fakt ist: Wenn keine Einigung erzielt wird, geht das einstige Anwesen des Komponisten an den Kanton Luzern über. «Die Lage ist in den letzten Monaten noch schwieriger geworden», sagt Urs Ziswiler. Doch betreffend dieser Frist – einst wurden fünf Jahre eingeräumt – gibt es Uneinigkeit. Auch der Kanton Luzern gibt hierzu keine Auskunft. Denise Feer, Leiterin Rechtsdienst beim Finanzdepartement des Kantons Luzern, sagt: «Die Frage betrifft Angelegenheiten Dritter, weshalb sich der Kanton Luzern dazu nicht äussert.» Was wären die Folgen, würde die Villa tatsächlich in den Besitz des Kantons Luzern kommen? Bei jenem heisst es dazu: «Was der Umstand bedeuten würde, dass das Anwesen an den Kanton überginge, ist Gegenstand von Abklärungen, weshalb diesbezüglich zurzeit auch keine Aussage gemacht werden kann.»

Interesse an der Villa auch aus Russland

Wie bereits im Herbst 2013 kündet eine weitere Seite Interesse an der Villa an. So vermeldet eine russische Nachrichtenagentur folgendes: «Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Vorschlag des Pianisten Denis Matsuev gutgeheissen, 2023 als das Rachmaninoff-Jahr zu verkünden und eine Reihe von Kulturveranstaltungen anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Komponisten Sergei Rachmaninoff in diesem Jahr durchzuführen.» Matsuev erinnerte dabei auch an das Landgut Senar. «Soviel ich weiss, ist der Preis momentan massiv gesunken, die juristischen Hindernisse, die es früher gab, haben sich aufgelöst», führte der Pianist aus. «Ich bin überzeugt, dass die Möglichkeit besteht, dieses Landgut, welches eine einmalige Oase darstellt, anzuschaffen.» So könne dieses zu einer Gedenkstätte werden. Putin soll dazu gesagt haben: «Falls die Lage sich geändert hat, lasst uns auf diese Frage zurückkommen.» Bereits 2013 hatte Russland Interesse angekündigt, später wurde diese Absicht aber widerrufen.

Laut Ziswiler steht die Stiftung «in Kontakt mit der russischen Behörde». Denis Matsuev unterstütze die Stiftung als Berater. «Ein Kauf der Villa durch die Russen würde bedeuten, dass diese die Erben auszahlen müssten.»

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