Kolumne

«Mein Bild»: An der Luzerner Friedentalstrasse fehlt es an Feingefühl oder Klebeband

Auf einem Verkehrsschild in der Stadt Luzern wird die Genderdiskussion angeheizt. Und prompt trat die kunstschaffende Person in ein Fettnäpfchen.

Roger Rüegger
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Das Strassenschild an der Friedentalstrasse zeigt uns wo’s langgeht. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 21. September 2018))

Das Strassenschild an der Friedentalstrasse zeigt uns wo’s langgeht. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 21. September 2018))

Auf dem Arbeitsweg geht’s mit dem Auto mal flott, mal weniger rassig vorwärts. Auf dem Luzerner Stadtgebiet natürlich eher etwas weniger, da je nach Tageszeit mit stockendem Verkehr oder aber mit einem kleinen Stau zu rechnen ist. Doch egal wie der Verkehr rollt, meine Sinne sind immer geschärft.

Nicht nur, weil es nötig oder lebenswichtig ist, für andere Verkehrsteilnehmer mitzudenken, sondern auch weil der aufmerksame Mensch auf der Strasse immer wieder auf interessante Details stösst. Da ich am Steuer subtil bin und über die Sehkraft eines Adlers verfüge, entdeckte ich an einem Montagmorgen dieses Verkehrsschild an der Friedentalstrasse.

Pfeile zeigen wo's langgeht

Wobei mir sofort die kleine Anpassung oder Korrektur aufgefallen ist, die jemand mit weissem Klebeband vorgenommen hat. Die beiden Pfeile, die zeigen wo’s langgeht – rechts ins Stadtzentrum, links nach Ebikon beziehungsweise Zürich – wirken wie Marssymbole. Allerdings erst seit dank des Klebstreifens auch das Venussymbol unübersehbar geworden ist. 

Was will uns die kunstschaffende Person auf den Weg geben? Wir dürfen annehmen, dass es eine humorvolle aber ernstgemeinte Aufforderung zur Gleichstellung der Geschlechter ist. Das ist ja schön und gut. Aber leider ist die hier ausgeführte Kreation nicht zu Ende gedacht. Denn schliesslich stehen zwei männliche Symbole einem weiblichen gegenüber.

Allen Ansprüchen gerecht werden

Fällt irgendwie aus dem Gleichgewicht. Wäre es nicht konsequent gewesen, auch den linken Pfeil noch mit einem weissen Klebeband-Querbalken zu ergänzen? Dann würde man auch den Transgender-Ansprüchen gerecht werden.

Zum Glück löst sich der Stau an dieser Strasse stets schnell auf, so dass die Gedanken der Autofahrenden jeweils nicht allzu weit abdriften. Ich wollte dem oder der Kunstschaffenden auch gar nicht zu nahe treten. Es war bestimmt nicht so, dass es der betreffenden Person an Feingefühl für das dritte Geschlecht mangelt. Vermutlich nur an einem Streifen Klebeband – oder aber einer Leiter.