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In Nebikon läutet der Samichlaus an jeder Haustüre

Der Samichlaus in Nebikon hat es jetzt besonders streng. Denn er erscheint nicht auf Bestellung, sondern bereitet jedem Haushalt eine Überraschung. Also 1000 Mal.
Roger Rüegger
In Nebikon haben die Samichläuse alle Hände voll zu tun. (Bild: Corinne Glanzmann, 1. Dezember 2018)

In Nebikon haben die Samichläuse alle Hände voll zu tun. (Bild: Corinne Glanzmann, 1. Dezember 2018)

Der Samichlaus klingelt an so mancher Tür und wird mehr oder weniger sehnsüchtig erwartet. Gehen wir vom Idealfall aus, stapft er in Begleitung des Schmutzlis und einem Esel im Schnee herbei und macht dort halt, wo Kinder zu Hause sind.

In der Regel geht er aber nur dort zu Besuch, wo er hinbestellt wird. Dann ist es so, dass er spätestens im Flur von den Eltern informiert wird, was der Sohn oder die Tochter des Hauses durchs Jahr hindurch angestellt, geleistet oder versäumt haben.

Er kommt einfach, und zwar in jeden Haushalt

Nicht so in Nebikon. In der Gemeinde im Hinterland brauchen sich die 2600 Leute keine Gedanken zu machen, wann, wie und wohin der Samichlaus kommt. Er kommt einfach, und zwar in jeden Haushalt. Und das seit, sagen wir, Menschengedenken. Zumindest kann sich Conrad Bissegger nicht erinnern, dass es einmal anders war. Der 44-jährige Familienvater ist einer, der es wissen muss. Der Versicherungsberater schlüpft selber seit 21 Jahren in die Rolle des Samichlaus und war zuvor Schmutzli und Huttenträger.

Seit fünf Jahren koordiniert er auch die Einsätze des Samichlaus und trifft im Vorfeld die Vorbereitungen. «Nach dem Chlauseinzug in der Kirche, der jeweils am ersten Samstag stattfindet, schwärmen wir aus», erklärt er,. So funktioniere es, dass möglichst alle Nebiker Bewohnerinnen und Bewohner berücksichtigt werden können. Mit «wir» meint er die insgesamt sechs Samichläuse, die während fünf Tagen bis zum 6. Dezember in 60 Einsätzen auf 29 Touren sämtliche 1000 Haushalte der Gemeinde besuchen. Die Samichläuse, Schmutzlis und anderen Helfer sind mehrheitlich Mitglieder des Turnvereins. Begleitet werden die Männer in ihren prächtigen Bischofsgewändern immer von einem Schmutzli und zwei Huttenträgern. Die Delegationen verteilen auf ihren Touren insgesamt 250 Kilogramm Erdnüsse, 80 Kilogramm Baumnüsse, Mandarinli und 1900 Lebkuchen in Form des Samichlaus.

«Vielleicht gibt es da und dort eine Mahnung, mehr aber nicht.»

Conrad Bissegger, Samichlaus

Natürlich haben am Ende des Tages nicht sämtliche Nebiker Bekanntschaft mit der Kleinen Gruppe gemacht. Sei es, dass in einigen Haushalten niemand zu Hause ist oder aber dass auf das Klingeln nicht reagiert wird. «Wir rechnen damit, dass rund ein Drittel öffnet und sich am Besuch erfreut. Wenn nicht jemand explizit vorab anruft und darum bittet, nicht besucht zu werden, marschieren wir zu jeder Türe», schildert Bissegger.

Dabei komme es bisweilen zu interessanten Begegnungen. Bissegger: «Es gibt etwa Neuzuzüger, die keine Ahnung von unserem Brauch haben und die wohl nie einen Samichlaus bestellen würden. Zum Beispiel junge allein stehende Leute oder Paare ohne Kinder. Manche heissen uns willkommen und freuen sich ob der Überraschung, andere verabschieden uns freundlich.»

Bei Jöris gab es früher immer einen Schnaps

Was aber erzählt der Samichlaus, wenn er in einer kinderlosen Wohnung vor fremden Leuten steht? «In etwas dasselbe, wie wenn Kinder anwesend sind. Ich frage sie, was sie das Jahr hindurch gemacht haben und dergleichen. Ich bin es von Berufes wegen gewohnt, zu improvisieren.» Natürlich werden der Samichlaus und sein Gefolge auch mancherorts verköstigt. «Es ist bekannt, dass es zum Beispiel früher bei Jöris immer einen Küttenen-Schnaps gab.»

Eines aber will Bissegger und seine Samichlauskollegen vom Turnverein Nebikon auf keinen Fall: Den strengen Samichlaus spielen, der tadelt und mit der Rute droht. «Früher wurde den Kindern oft mit dem Samichlaus gedroht, wenn sie nicht artig waren. Das gibt es bei uns nicht. Vielleicht gibt es da und dort eine Mahnung, mehr aber nicht.»

Und wie erlebte Bissegger den Samichlaus als Kind? Der Mann schmunzelt: «Ende der Primarschule war ich bei Kollegen daheim, als der Samichlaus kam. Alle grüssten ihn brav mit grüezi Samichlaus. Ich aber sagte: Grüezi Herr Schmid. Es war mein Lehrer. Als ich ihn erkannte, konnte ich nicht anders, als in so anzureden.»

Die Samichlausgeschichte ist für Bissegger und seine Kollegen eine Herzensangelegenheit. Er weiss zwar nicht, seit wann die schöne Tradition in Nebikon gelebt wird, er will aber unbedingt seinen Teil dazu beitragen, um diese aufrecht zu erhalten und hofft, dass die Nebiker Bewohner mithelfen. «Das tut man ganz einfach, indem man dem Samichlaus die Tür öffnet.»

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