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Hier tappt der «Pilatus-Wolf» in eine Fotofalle – und wird auch gefilmt

Rengg, Rotmoos, ja sogar Kriens: Rund um den Pilatus ist ein Wolf unterwegs und hat schon Schafe gerissen. Ein Video aus dem Gebiet Hergiswald zeigt das Grossraubtier aus nächster Nähe.

Roman Hodel
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Ein Wolf sorgt rund um den Pilatus für Schlagzeilen. Im Gebiet Rengg riss er in der Nacht auf Sonntag ein Schaf – es ist bereits der zweite solche Vorfall in den Gemeinden Entlebuch und Werthenstein innert drei Wochen. Zudem wurde ebenfalls am Wochenende ein Wolf gesichtet in Hergiswil NW sowie in Kriens (wir berichteten).

Ein Jagdpächter war es, der das Grossraubtier am Samstag im Gebiet Hergiswald gesehen hat. «Wir waren auf der Jagd, als ich auf Distanz ein Wildtier bemerkte», sagt er. Der Jagdpächter, der anonym bleiben möchte, dachte zuerst an einen Fuchs, wegen der Grösse tippte er dann aber rasch auf einen Hund – oder Wolf. «Da es nichts Jagbares war, legte ich die Waffe beiseite und zückte das Handy, um zu filmen.» Nun zeigte sich, dass es sich um einen Wolf handelt. Hier ist das Video:

Wichtig ist ihm zu erwähnen, dass sich das Tier absolut natürlich verhalten hat. «Als er mich eräugt hat, suchte der Wolf sofort das Weite», sagt der Jagdpächter. Mit anderen Worten: Angst brauche man nicht zu haben.

Totes Kalb: Grossraubtier wird ausgeschlossen

Dem kantonalen Wildhüter Daniel Schmid sind auf Anfrage keine weiteren Schafrisse bekannt. Allerdings sei es Mitte Monat im Gebiet Rotmoos, ebenfalls in der Gemeinde Entlebuch, noch zu einem Vorfall gekommen. Ein Landwirt fand am Morgen des 13. November ein totes, angefressenes Dexter-Kalb auf seiner Wiese vor dem Laufhof. Schmid begutachtete das Tier. Sein Befund: Hinterbeine und Bauch mit Innereien waren gefressen, beide Vorderlaffen, Brust und Hals waren unversehrt. Nach Ablösen des Fells seien nirgends Bissspuren oder Hämatome zu sehen gewesen. Schmid sagt:

«Es gab absolut keine Hinweise auf eine Tötung durch ein Grossraubtier, auch nicht Blutspuren oder Haare in der Umgebung.»

Wie das Kalb gestorben sei, habe man nicht mehr feststellen können. «Ein Grossraubtierriss kann mit hoher Wahrscheinlichkeit aber ausgeschlossen werden», sagt er. Schmid liess den Kadaver auf der Wiese liegen und überwachte diesen mit einer Wildkamera. Prompt wurde in der Folgenacht ein Wolf beim Kadaver geblitzt:

Bild: Dienststelle Landwirtschaft und Wald

Er war nicht der Einzige, der in dieser Nacht in die Fotofalle tappte. Auch der Hofhund und Füchse taten sich am Kadaver gütlich.

Keine Hinweise auf ein Rudel

Nach wie vor ist unklar, ob es sich in allen Fällen um den gleichen Wolf handelt. Schmid sagt: «Das ist zwar möglich, kann jedoch nur anhand von DNA-Proben eruiert werden, die eine entsprechend gute Qualität haben müssen, um einer Individualbestimmung zu genügen.» Die Abklärungen seien am Laufen. Zumindest gebe es bisher keine Hinweise auf ein Rudel. Es dürfte sich wohl um einen Einzelgänger handeln.

Die Sichtung oberhalb von Kriens zeigt überdies, dass dieser Wolf offenbar nicht vor Siedlungsgebieten Halt macht. Erst vergangene Woche wollen Augenzeugen in der Ostschweiz einen Wolf in einem Dorf gesehen haben. «Es ist durchaus möglich, dass ein Wolf in der Nähe von Siedlungen gesichtet wird», sagt Schmid und fügt an:

«Sein bevorzugter Lebensraum ist aber nicht das Siedlungsgebiet, zumal wir in der Schweiz keine potenziellen Nahrungsquellen wie Mülldeponien oder Ähnliches am Siedlungsrand haben.»

Wer einen Wolf sehe, solle sich bemerkbar machen und weitergehen sowie die Beobachtung der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald melden, idealerweise begleitet von einem Foto.

Im Kanton Bern muss ein Wolf vergrämt werden

Im Nachbarkanton Bern, genau genommen in der Region rund um den Gantrisch, hat ein Wolf seit dem 11. Oktober 17 Schafe gerissen und weitere verletzt, die allesamt ungeschützt waren, wie die Fachstelle für Wildtiermanagement Kora schreibt. Das Berner Jagdinspektorat hat deshalb nach Rücksprache mit Kora und dem Bundesamt für Umwelt eine Vergrämung des Tiers angeordnet. Dabei wird etwa Gummischrot eingesetzt. Durch diese negative Erfahrung soll der Wolf bestimmte Gebiete oder Menschen meiden. Damit ein Wolf abgeschossen werden darf, muss das Tier erhebliche Schäden an Nutztieren anrichten. Konkret bedeutet dies 25 Nutztiere in einem Monat, wobei nur ausreichend geschützte Tiere angerechnet werden.