«Hier wird die Fasnacht gelebt»

Die Fasnacht kennt keine Altersgrenzen. Nach diesem Motto feierten gestern über 400 Seniorinnen und Senioren im Luzerner Casino.

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Brigitta und Bruno Kirner geniessen die Seniorenfasnacht im Luzerner Casino. (Bild: Archiv Philipp Schmidli/Neue LZ)

Brigitta und Bruno Kirner geniessen die Seniorenfasnacht im Luzerner Casino. (Bild: Archiv Philipp Schmidli/Neue LZ)

Obwohl stark geschminkt, ist den beiden Clowns die Freude aus den Gesichtern zu lesen. Wenn die 69-jährige Brigitta Kirner und ihr ein Jahr älterer Gatte Bruno zu den Klängen der «Swinging Boys» tanzen, versprühen sie Lebensfreude und zeigen, dass sie die Fasnacht im Blut haben. Brigitta erklärt: «Der Fritschivater wünscht sich eine fröhliche Fasnacht. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Deshalb treten wir auch im Duett als Sänger auf und haben uns als Clowns verkleidet.» Kurz gesagt, und schon entschwinden die beiden wieder aufs Tanzparkett.

Seit Ende der Fünfzigerjahre wird die Stadtluzerner Seniorenfasnacht organisiert. Und sie zählt heute zu den «Fixpunkten» während der närrischen Tage, wie Fritschivater Karl Bucher die Bedeutung des Anlasses hervorhebt.

Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ
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Viel Fasnachtsprominenz

An der Seniorenfasnacht ist aber nicht nur der Fritschivater mit seiner Entourage zugegen: Auch Wey-Zunftmeister Werner Rast beehrt den Anlass. Rast sagt: «Dieser Maskenball zeigt eindrücklich, dass die Fasnacht keine Altersgrenzen kennt. Als Mitglied einer Guuggenmusig durfte ich schon einige Male dabei sein.» Die Herzlichkeit der Besucherinnen und Besucher hat Rast dabei immer wieder erfreut. Er ergänzt: «Hier wird nicht nur konsumiert, sondern Fasnacht gelebt.»

Neben dem Fritschivater und Wey-Zunftmeister treten an der Seniorenfasnacht auch Vertreter der Maskenliebhaber-Gesellschaft und der Fidelitas Lucernensis in Erscheinung. Diese hohe Dichte an Honoratioren aus dem Umfeld des Luzerner Fasnachtskomitees – dieses finanziert den Anlass auch zum grössten Teil – verdeutlicht die Bedeutung des Traditionsmaskenballs. Dieser geht jeweils am Nachmittag des Rüüdige Samschtig über die Bühne.

Rolf Keller, einer der Organisatoren, legt sich Jahr für Jahr ins Zeug, um im Casino dieses einmalige Fest auf die Beine zu stellen. Keller sagt: «Wir zählen jedes Jahr zwischen 400 und 450 Besucherinnen.» Am Anlass würden, so Keller, fast ausschliesslich, Vollblutfasnächtler teilnehmen. Unterstützt wird Keller und seine Crew aber auch vom Luzerner Gewerbe. «Die Bäcker stellen uns zum Beispiel das Gebäck gratis zur Verfügung.»

Anreise aus dem Berner Oberland

Im Übrigen verzichtet auch das Casino auf eine Saalmiete und stellt die Technik gratis zur Verfügung. Das sind alles Gründe, weshalb sich der Eintrittspreis für die Teilnehmer der Seniorenfasnacht bei bescheidenen 5 Franken eingependelt hat.

Extra für den Anlass im Casino sind Kurt Schäfer und seine Lebenspartnerin Johanna Cipriani vom Berner Oberland nach Luzern gereist. Cipriani, 70-jährig und damit zwölf Jahre jünger als Kurt, erklärt warum: «Ich bin in Buchrain aufgewachsen und erst noch an einem Schmutzigen Donnerstag zur Welt gekommen.» Bereits zum fünften Mal besuchen die beiden die Seniorenfasnacht. Gehts nach dem Willen der beiden Rentner, wollen sie auch nächstes Jahr wieder dabei sein. Cipriani sagt: «Dieses Fest ist einfach einmalig.»

Thomas Heer / Neue LZ