HIFLYER-PROZESS: Hiflyer-Pilot handelte vorschriftswidrig

Der Pilot des Fesselballons «Hiflyer» des Verkehrshauses Luzern ist zu Recht wegen fahrlässiger Tötung bestraft worden. Das Bundesgericht hat das Urteil des Bundesstrafgerichts vollum­fänglich bestätigt.

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Die Szene kurz nach dem Unfall im Juli 2004. (Archivbild Guido Röösli/Neue LZ)

Die Szene kurz nach dem Unfall im Juli 2004. (Archivbild Guido Röösli/Neue LZ)

Der Vorfall vom 23. Juli 2004 ist das schwärzeste Kapitel in der 50-jährigen Geschichte des Luzerner Verkehrshauses. Am frühen Nachmittag dieses Tages ereignete sich ein tödlicher Unfall mit dem «Hiflyer».

Trotz schlechten Wetterbedingungen machte sich ein Ballonführer mit einer indischen Reisegruppe auf eine Fahrt. Auf einer Höhe von 40 Metern wurde der Ballon von starken Windböen erfasst, geriet ausser Kontrolle und wurde gegen umliegende Gebäude und einen Baum geschleudert.

Durch die Abdrift des Fesselballons und das wiederholte abrupte Straffen des Halteseils beim nachfolgenden Aufstieg durchtrennte das Halteseil einen tragenden Teil der Passagiergondel. Dadurch löste sich eine Bodenplatte. Eine indische Passagierin fiel durch das entstandene Loch in die Tiefe. Sie zog sich schwerste Verletzungen zu und verstarb noch auf der Unfallstelle.

Ballonfahrer handelte pflichtwidrig
Das Bundesstrafgericht in Bellinzona verurteilte den verantwortlichen Ballonlenker im letzten September wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagen zu je 85 Franken, total also 7650 Franken.

Das Gericht ging davon aus, dass der Ballonführer pflichtwidrig gehandelt hatte, weil er trotz des erkennbar nahenden Gewitters mit überladenem Ballon gestartet und dadurch die Havarie des «Hiflyer» und den Tod der indischen Passagierin verursacht hatte.

Bundesgericht bestätigt Urteil aus Bellinzona
Für die Richter in Lausanne gab es an diesem Urteil nichts zu bemängeln. Auch für sie ist offensichtlich, dass der Pilot bei diesen Wetterbedingungen mit dem «Hiflyer» nicht hätte aufsteigen dürfen.

Er hatte gewusst, dass am Nachmittag in der Region Luzern mit Schauern und Gewittern und mit Sturmböen gerechnet werden muss. Indem er trotz erkennbarer und erkannter kritischer Wetterlage zur fatalen Fahrt startete, ohne die aktuellsten Wetterdaten abgerufen zu haben, verletzte der Ballonführer seine Sorgfaltspflichten.

Laut Bundesgericht lag es nahe, dass ein Gewittersturm die Gondel des «Hiflyers» an die nahe stehenden Gebäude und den Baum schleudern würde, die Gondel dadurch einen Schaden erleiden könnte und die Insassen in unmittelbare Gefahr für Leib und Leben geraten könnten. Bestätigt hat das Bundesgericht auch, dass bei der Unfallfahrt drei Passagiere zuviel in der Gondel war und diese überladen war.

Urs-Peter Inderbitzin