HIFLYER PROZESS: Staatsanwalt vom Hiflyer-Prozess kritisiert

Carlo Bulletti, Staatsanwalt des Bundes, war auch Ankläger im Hiflyer-Prozess von letzter Woche. Der Mann ist umstritten – auch jetzt hagelt es wieder Kritik.

Drucken
Teilen
Carlo Bulletti geriet schon mehrmals in Kritik. Bild Keystone

Carlo Bulletti geriet schon mehrmals in Kritik. Bild Keystone

Verteidiger Urs Rudolf kündigte noch am Dienstag in Bellinzona Revision gegen das Urteil des Bundesstrafgerichts an. Dieses hatte den Piloten des Hiflyer-Fesselballons des Verkehrshaus Luzern wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Jetzt soll das Bundesgericht überprüfen, ob die Anklageschrift von Bundesstaatsanwalt Carlo Bulletti überhaupt den formalen Grundsätzen genügt. Denn für Rudolf ist die in der Sache lediglich zweieinhalbseitige Anklageschrift «ein Sammelsurium von unzutreffenden Vorwürfen». «Mein Mandant hat einen Anspruch darauf, aus der Anklage detailliert herauszulesen, was ihm konkret vorgeworfen wird und welche Beweise diesen Vorwürfen zu Grunde liegen. Das ist bei dieser Anklageschrift nicht der Fall.»

Der Anwalt bemängelt ausserdem, dass beim Hiflyer-Prozess «in unzulässiger Weise ein Tätigkeitsdelikt mit einem Unterlassungsdelikt» vermischt worden sei. Bulletti habe in der Anklage dem Piloten diverse Unterlassungen vorgeworfen. «Dabei hat mein Mandant ja mit dem Ballonflug eine Tätigkeit ausgeübt. Das würde zu völlig anderen rechtlichen Konsequenzen führen.» Bulletti, so Rudolf, habe den Anklagegrundsatz beim Hiflyer-Prozess nicht erfüllt. Darauf deute auch die Tatsache, dass die Anklage auf Geheiss des Bundesstrafgerichts im Vorfeld der Verhandlung «einige Male» habe ergänzt werden müssen, einmal sei die Anklage sogar zurückgewiesen worden – eine Aussage, die beim Bundesstrafgericht in Bellinzona zumindest teilweise bestätigt wird: «Es handelte sich um marginale Ergänzungen. So etwas kommt immer wieder vor», sagt Mascia Gregori Al-Barafi auf Anfrage.

Bulletti: «Vorwürfe unbegründet»
Bundesstaatsanwalt Carlo Bulletti weist die Vorwürfe zurück: «Das Bundesstrafgericht hat klar festgehalten, dass die Anklageschrift vollständig war und dass die Vorwürfe des Verteidigers unbegründet waren.» Tatsächlich folgte das Gericht im Hauptanklagepunkt der fahrlässigen Tötung Bullettis Argumentation.

Rudolfs Äusserung, wonach die Anklage zurückgewiesen worden ist, sei falsch. Bulletti: «Die Anklageschrift musste inhaltlich nicht ergänzt werden, das Bundesstrafgericht verlangte einzig die nochmalige Zustellung nach Indien.» Auch habe er Tätigkeits- mit Unterlassungsdelikt nicht vermischt: «Dass dem nicht so ist, hat die Gerichtspräsidentin in ihrer Urteilsbegründung deutlich klar gestellt.»

Christoph Reichmuth

Den ausführlichen Bericht lesen Sie am Sonntag in der Zentralschweiz am Sonntag.