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HIGHLAND GAMES: «Böser» Schottland-Freak zeigt es allen

Er ist gross, schwer – und unglaublich stark: Der Luzerner Seklehrer Claudio Lussi (31) wirft mit Baumstämmen und Felsbrocken um sich. Am Sonntag muss er beweisen, dass er noch immer der beste Schweizer seiner Disziplin ist.
Roger Rüegger
Claudio Lussi trainiert mit Wurfkugeln auf der Luzerner Allmend. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. September 2017))

Claudio Lussi trainiert mit Wurfkugeln auf der Luzerner Allmend. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. September 2017))

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Wenn Claudio Lussi durch die Tür schreitet, ist schnell klar, wer Chef im Raum ist. In seinem Beruf liegt dies auf der Hand: Lussi ist Sekundarlehrer und dürfte sich im Klassenzimmer leicht Gehör verschaffen. Der Mann ist eine Maschine. 135 Kilo verteilt auf 195 Zentimeter sind gute Argumente, ihm zuzuhören.

Nicht nur die Schulkinder im Luzerner Hubelmattschulhaus, auch wir sind ganz Ohr. Verabredet haben wir uns mit ihm im Freien, bei der Leichtathletikanlage auf der Allmend, wo er mehrmals in der Woche trainiert. Lussi ist einer, der gerne den Hammer schwingt. Ausserdem hat er nicht nur die Statur des Unspunnensiegers Christian Stucki, er ist auch ein «Böser», wie er selber sagt: «Verglichen mit den stärksten Schwingern im Land, kann man mich in meiner Sportart so bezeichnen.» Er ist quasi der König der Highlander – oder anders formuliert der amtierende Schweizer Meister der High­land Games in der Kategorie Heavy A.

Baumstammwerfen als Königsdisziplin

Highland Games, das sind die Spiele, bei denen Leute in Schottenröcken einen Tag lang Baumstämme und Eisenkugeln in der Gegend herumwerfen – so dürfte der Laie sich einen solchen Wettkampf vorstellen. Lussi lacht und nickt: «Genau. Das ist etwa die landläufige Meinung, wenn von Highland Games die Rede ist. Das Bild von diesem Baumstamm hat sich in den Köpfen der Leute eingebrannt. Das Cabertossing, bei dem es gilt, einen Baumstamm so zu werfen, dass sich dieser einmal überschlägt und möglichst senkrecht landet, ist tatsächlich die Königsdisziplin.» Nun hat Lussi zwar eine Sporttasche und einige schwere Kugeln mit Stangen und Ketten dabei. Ein Baumstamm fehlt jedoch in seinem Sortiment. «Heute nicht. Bei mir zu Hause liegt zwar ein Telefonmast von rund fünf Metern Länge, mit dem ich trainiere. Den transportiere ich aber nicht, wenn ich zu Fuss unterwegs ins Training bin.» Der Familienvater arbeitet nur wenige Schritte vom Trainingsplatz entfernt.

Das Training hat er in den letzten Wochen intensiviert. Es gilt, am Sonntag bei der Schweizer Meisterschaft in Marthalen (ZH) seinen Titel zu verteidigen. «Das werde ich», sagt er mit der Überzeugung eines Sportlers, der ein gesundes Selbstvertrauen besitzt und weiss, was er kann. Eine Paradedisziplin hat er nicht, aber er ist auch in keinem Wettkampf wirklich schwach. «Wenn mir ein Gerät etwas besser in den Händen liegt als andere, dann am ehesten der Stein.»

Die Highland Games bestehen ausschliesslich aus Wurfdisziplinen. Neben dem Cabertossing werden Steine und ­Eisengewichte hoch oder weit geworfen. Der Steinwurf erinnert stark an das Kugelstossen in der Leichtathletik, das schottische Hammerwerfen ist der gleichnamigen olympischen Disziplin ebenfalls ähnlich. Claudio Lussi trainiert auch tatsächlich hin und wieder mit Leichtathleten, weshalb er durchaus auch bei deren nationalen Wettkämpfen vorne mitmischen könnte.

Die Highlander in der Schweiz sind in Clans organisiert. Lussi gehört dem Claymore-Clan aus der Region Brugg an, der unter anderem in der höchsten Klasse Heavy A spielt. Der Schweizer ist im Herzen durch und durch ein Schotte. Sein Zuhause ist entsprechend eingerichtet, inklusive gut ausgestatteter Whiskybar. Selbst geheiratet hat er im Kilt. Die Kleidung liess er sich in Schottland anfertigen. Sie sei mindestens so teuer gewesen wie das Hochzeitskleid seiner Frau.

Auf den schottischen Lebensstil und auch die Teilnahme an den Highland Games ist er durch seinen Schwiegervater gekommen. «Er ist wahnsinnig angefressen von Schottland. Wir besuchten vor acht Jahren zusammen die Schweizer Meisterschaft. Bei einem Publikumswettbewerb, bei dem es galt, einen 133 Kilo schweren Stein so weit wie möglich zu schleppen, habe ich aus Spass teilgenommen. So bin ich mit dem Sport in Berührung gekommen und dabei geblieben», schildert er seinen Einstand.

Er schleppte den Stein 50 Meter bis zum Whiskystand

Bei diesem Wettbewerb haben die meisten Teilnehmer den Stein bei zehn Metern abgesetzt. Lussi hingegen lief mit dem Brocken über die Absperrung bis zu einem Whiskystand in 50 Metern Entfernung und liess ihn erst dort fallen. «Ich habe zwar keinen Whisky getrunken, aber er hat mich dennoch beflügelt. Als ich zurück in der Arena war, jubelten mir die Besucher zu. Ich musste an Ort und Stelle versprechen, dass wir an der nächsten Schweizer Meisterschaft teilnehmen.»

Lussi hielt das Versprechen. Er nahm 2010 teil und qualifizierte sich gleich für den Final. Danach ging es immer besser. 2014 wurde er Dritter, 2015 Zweiter, und im letzten Jahr wurde er Meister. Für internationale Titel ist der Schweizer noch nicht bereit. «In der Schweiz haben die Highland Games noch keine lange Tradition. Das merkt man natürlich. Aber ich kann international einigermassen mithalten. Wer weiss, vielleicht in ein paar Jahren», sagt er und zieht seinen Kilt an, bevor er wieder den Hammer schwingt.

Hinweis

Informationen zur Highland-­Games-Schweizer-Meisterschaft finden Sie auf www.hgaos.ch.

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