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HILFE: Druck auf Eltern nimmt zu

Die Mütter- und Väterberatungen in der Region Luzern führen weniger Kurzberatungen durch, denn die Anfragen der Eltern werden komplexer. Ein Grund dafür sind zu hohe Erwartungen an den Nachwuchs.
Christian Glaus

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Das Baby schläft fast die ganze Nacht durch, der grosse Bruder isst lieber Gemüse als Süsses, von Trötzeln keine Spur. Eine Wunschvorstellung, die so wohl nie in Erfüllung geht. Eltern sein ist schwierig und stellt vor immer neue Herausforderungen. Bei Problemen stehen die Mütter- und Väterberatungsstellen mit Rat zur Seite. Diese verzeichnen einen klaren Trend: Bei stagnierenden Geburtenzahlen nehmen die Kurzberatungen insgesamt zwar ab, die Themen werden aber komplexer; darum dauern die Beratungen länger (siehe Tabelle).

Dass die Zahl der weniger komplexen Anfragen abnimmt, hat mit dem Informationsangebot im Internet zu tun. Eltern suchen im Netz nach Ratschlägen, bevor sie sich an die Beratungsstellen wenden. Doch was ist der Grund dafür, dass es mehr komplexe Anfragen gibt? Sind Eltern zunehmend überfordert? Die Krienser Elternberaterin Heidi Dolder stimmt teilweise zu. Überforderung komme öfter vor. Das habe aber damit zu tun, «dass die Eltern einen sehr hohen Anspruch an sich selber haben». Dies stellt auch Ursula Zürcher, Teamleiterin der Mütter- und Väterberatung Stadt Luzern, fest. Die Anlaufstelle ist ab 2018 noch für zwölf Gemeinden in der Agglomeration zuständig.

Doch nicht nur die Ansprüche an sich selber seien gestiegen, so Zürcher. «Eltern werden von der Gesellschaft unheimlich unter Druck gesetzt, gute Nachkommen zu erziehen.» Kinder müssten gute Leistungen erbringen, angepasst und intelligent sein. So werde oft schon von Zweijährigen erwartet, dass sie wissen, wie sie sich richtig zu benehmen haben. «Unter dem Druck, ‹gesellschaftsfähige› Kinder oder junge Erwachsene schaffen zu müssen, überfordern Eltern ihre Kinder kognitiv.» Das Verständnis dafür, dass Kleinkinder emotional verstehen und kommunizieren, habe abgenommen.

Viele Anfragen zur Erziehung

Dies zeigt sich auch in den Beratungsgesprächen. In Kriens betreffen inzwischen mehr als 35 Prozent der Anfragen Kinder im Alter von drei bis vier Jahren. Die Beraterin wird heute vermehrt bei Erziehungsfragen beigezogen. «Eltern haben hohe Erwartungen an ihre Kinder und wollen, dass sie anständig sind. Dabei korrigieren sie sehr viel, statt die Kinder zu begleiten», sagt Dolder. Nach wie vor wichtig seien aber auch Fragen zu Babys, die viel weinen, zur Ernährung, zum Schlafen oder zum Trötzeln.

Auch abgesehen vom gesellschaftlichen Druck sei die Situation für Eltern in den letzten Jahren schwieriger geworden, sind sich die Beraterinnen einig. Denn immer öfter arbeiten beide Elternteile und teilen sich die Erziehungsaufgaben zu Hause.

Diese Entwicklung ist zwar durchaus gewollt und hat auch positive Seiten. Doch es brauche eine gute Organisation, um Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen, erklärt Heidi Dolder. «Freizeit und gemeinsame Zeit als Paar bleibt oft auf der Strecke, was sich belastend auf das Zusammenleben auswirkt.» Eltern seien dadurch zu Hause weniger belastbar und würden früher an ihre Grenzen stossen. Dabei seien sie oft auf sich allein gestellt, gibt Dolder zu bedenken: «Viele Grosseltern, die unterstützen könnten, sind noch berufstätig. Es fehlen wichtige Entlastungsmöglichkeiten.»

Organisation wird angepasst

Die Mütter- und Väterberatung der Stadt Luzern muss sich 2018 neu organisieren. Die Gemeinden Buchrain, Dierikon, Gisikon, Honau und Root beziehen ab Januar die Dienstleistungen der Ebikoner Fachstelle für Jugend und Familie (Ausgabe vom 19. Dezember). Sie wollen damit die Zusammenarbeit im Rontal forcieren. Die Beratungsstelle der Stadt Luzern wird somit noch für zwölf Gemeinden in der Agglomeration zuständig sein. Dennoch werde der Stellenetat unverändert bleiben, erklärt Teamleiterin Ursula Zürcher auf Anfrage unserer Zeitung.
In Kriens ist die Mütter- und Väterberatung ein Angebot der Spitex. An seiner letzten Sitzung vom 14. Dezember hat der Einwohnerrat die Leistungsvereinbarung bis 2021 verlängert. Gemäss Bericht und Antrag des Gemeinderats steigen die Kosten leicht, während die Zahl der Beratungen abnimmt. So zahlte die Gemeinde 2014 insgesamt 172 500 Franken für das Angebot, für das laufende Jahr sind 176 000 Franken budgetiert. Ein Grund ist, dass die Anfragen komplexer werden und die Beratungen mehr Zeit in Anspruch nehmen. (cgl)

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