HILFE: Luzern soll ein Männerhaus erhalten

Das schweizweit erste Haus für Männer in Not befindet sich im Aargau. Nun wollen die Initianten nach Luzern expandieren.

Robert Knobel
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In Luzern soll es ein Männerhaus geben. Das Archivbild stammt von 2010. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

In Luzern soll es ein Männerhaus geben. Das Archivbild stammt von 2010. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Robert Knobel

Wenn Frauen in Not geraten, zum Beispiel weil sie zu Hause Gewalt ausgesetzt sind, dann gibt es für sie einen sicheren Zufluchtsort. Frauenhäuser haben sich in den letzten Jahrzehnten in der ganzen Schweiz als wichtige Stütze im sozialen Netz etabliert. So auch in Luzern: Im Jahr 2014 beherbergte das Luzerner Frauenhaus 84 Frauen und 91 Kinder, die dort ein vorübergehendes Zuhause erhielten.

Und die Männer? Sind sie immer die Täter, vor denen die Frauen flüchten müssen? Nein. Auch Männer können in Situationen geraten, in denen ihre physische und psychische Integrität bedroht ist. Für solche Fälle gibt es im Kanton Aargau den «Zwüschehalt», das erste Männerhaus der Schweiz («Zentralschweiz am Sonntag» vom 6. März). Die Nachfrage nach diesem Angebot ist gross. Auch Männer aus der Region Luzern erhalten dort Hilfe. Gemäss Auskunft von «Zwüschehalt» beherbergte man im vergangenen Jahr vier Luzerner Männer. Die Nachfrage nach weiteren Männerhäusern wäre vorhanden, sagt Oliver Hunziker, Präsident des «Zwüschehalt»-Trägervereins. Deshalb halte man Ausschau nach weiteren Standorten.

«Nicht bei null anfangen»

«Wir sind sehr an einer Ausweitung Richtung Luzern interessiert», sagt Hunziker. Konkret ist zwar noch nichts, aber man plane, mit der Luzerner Männerorganisation manne.ch Kontakt aufzunehmen. Manne.ch wird vom Mannebüro Luzern betrieben und basiert ausschliesslich auf Freiwilligenarbeit. Der Verein organisiert einerseits spezielle Veranstaltungen für Männer und Väter, wie beispielsweise das Männerpalaver oder das Manne­zmorge. Er bietet aber auch Beratung für Männer in Schwierigkeiten. Jeden Mittwoch ist das Beratungstelefon (041 361 20 30) in Betrieb.

Matthias Bürgler, Co-Präsident von manne.ch, bestätigt, dass es auch in Luzern Angebote wie ein Männerhaus bräuchte. «Sollten Initianten ein solches Projekt anreissen wollen, dann würden wir Hand bieten dazu.» Selber ein Männerhaus aufzubauen und zu betreiben kommt für den Verein zurzeit aber nicht in Frage. «Dazu fehlen uns schlicht die Kapazitäten», sagt Matthias Bürgler. Für ihn ist deshalb klar, dass ein Männerhaus nur in Zusammenarbeit realisiert werden kann, beispielsweise mit dem Verein «Zwüschehalt».

Oliver Hunziker sagt dazu: «Wir haben in den sechs Jahren, in denen das Männerhaus im Aargau besteht, viel Erfahrung sammeln können. Wir müssten in Luzern nicht mehr bei null anfangen.» Klar ist gemäss Hunziker aber, dass zuerst die Finanzierung gesichert sein muss, bevor ein konkretes Projekt in die Hand genommen wird. «Zwüschehalt» finanziert sich bisher vor allem durch Spenden. Auch die Unterstützung durch die staatlichen Stellen müsse gewährleistet sein, sagt Hunziker – wenn nicht in finanzieller, dann zumindest in ideeller Hinsicht. Generell sei entscheidend, dass man auf die Unterstützung von lokalen Partnern zählen könne. Diese kennen die Verhältnisse am besten, gerade wenn es beispielsweise um die Suche nach einer geeigneten Immobilie geht oder um die Einbettung des Männerhauses in das beste­hende Sozialangebot in der Region. Neben dem Mannebüro Luzern könnte sich Hunziker auch eine Zusammenarbeit mit dem Luzerner Frauenhaus vorstellen. «Vor einigen Jahrzehnten wäre das noch undenkbar gewesen. Doch heute könnte man hier durchaus Synergien nutzen.»

Doch was sind die Sorgen der Luzerner Männer, die sie im Extremfall dazu bewegen, das Männerhaus im Aargau aufzusuchen? «Wenn Männer Gewalt erfahren, muss das nicht immer körperliche Gewalt sein», sagt Matthias Bürgler. «Wenn in einer Partnerschaft jemand über gewisse Dinge einfach schweigt, kann das für den anderen extrem belastend sein. Das ist auch eine Form von Gewalt.»

Pro Woche zwei bis drei Männer

Beim Beratungstelefon des Mannebüros Luzern melden sich pro Woche im Schnitt zwei bis drei Männer. Sie werden bei Bedarf auf das Angebot im Aargau hingewiesen. Doch die Hemmschwelle, dorthin zu gehen, sei bei den Männern sehr hoch, erklärt Matthias Bürgler. Auch Oliver Hunziker sagt, dass es für viele Männer – trotz der zentralen Lage im Aargau – umständlich sei, ins «Zwüschehalt» zu kommen. «Schliesslich müssen sie von dort aus ja weiterhin zur Arbeit.» Auch deshalb strebe man ein feinmaschigeres Netz an Männerhäusern an.

Bei der Stadt würde man eine allfällige Planung eines Männerhauses «mit Interesse verfolgen», wie Sozialdirektor Martin Merki (FDP) sagt. Mehr lasse sich dazu erst sagen, wenn ein konkretes Projekt vorliegt.