Himmelrich Luzern: Der «Beisser» macht 72 Wohnungen platt
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Himmelrich Luzern: Der «Beisser» macht 72 Wohnungen platt 

Die Abrissarbeiten für die zweite Etappe Himmelrich 3 sind in vollem Gange – ein Baustellenbesuch.

Sandra Monika Ziegler 
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Zwischen der Bahnlinie und der Claridenstrasse entsteht in der Stadt Luzern die zweite Etappe der Überbauung Himmelrich 3. Die Häuser aus den Jahren 1931 bis 1934 mit rund 72 Wohnungen weichen einem Neubau mit 70 Wohnungen von 1,5 bis 5,5 Zimmern. Im Erdgeschoss geplant sind Gewerbe und ein städtischer Kindergarten. Bauherrin ist die allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL).

Video: René Meier

Der aufwendige Rückbau hat bereits begonnen. Doch bevor die Baumaschine «Beisser» überhaupt eingesetzt wurde, waren einige Abklärungen nötig, wie Polier Benno Koller von der Lötscher Tiefbau AG erklärt.

Sanierung hätte Kosten in die Höhe getrieben

Die Baustelle zieht viele Neugierige an. Sie versammeln sich in sicherem Abstand zu der Baustelle: Ehemalige Mieter und Profibaustellenschauer, wie sie mir erklären.

Etappe zwei beim Neubau Himmelrich 3: Mit dem Beisser beginnt der Rückbau.

Etappe zwei beim Neubau Himmelrich 3: Mit dem Beisser beginnt der Rückbau.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 6. Februar 2020) 

Öfters hört man: «Ist das nötig, die Wohnungen waren doch noch intakt.» Doch dem ist nicht so, wie Benno Zgraggen, Leiter Kommunikation ABL erklärt: «Die Häuser gerieten in Schieflage nach dem Einbau der Tiefgarage. Das war 1985 und 1993. Das Wiederaufrichten für die Tragstruktur und die Investitionen für die Erdbebensicherheit wären nicht wirtschaftlich gewesen, hätten zu enormen Mehrkosten geführt. Deshalb entschieden wir uns für einen Neubau.» Und auch die 2009 eingebauten Liftanlagen entsprechen nicht den heutigen Ansprüchen. Sie hielten nur im Halbgeschoss und waren somit nicht behindertengerecht.

Rund 90 Prozent wird weiterverwertet

Von den ehemaligen Mietern mit einem unbefristeten Vertrag haben alle eine neue Wohnung gefunden, wie Zgraggen sagt. Nachdem alle ausgezogen sind und die Wohnungen geräumt waren, kamen als erstes die Spezialisten zum Einsatz. Die ganze Siedlung wurde auf Schadstoffe, wie etwa Asbest, untersucht. «Erst wenn alles entfernt ist und die Messungen durchgeführt sind, bekommen wir grünes Licht für den Rückbau», erklärt Benno Koller. Begonnen wird damit immer oben.

Polier Benno Koller.

Polier Benno Koller.

Bild: Manuela Jans-Koch

So werden als erstes die Ziegel entfernt. Dann erst kommt der Beisser zum Einsatz. Er frisst sich lautstark Meter für Meter durch die sieben Stockwerke. Das rückgebaute Material werde nach Holz, Eisen und Drittklassmaterial sortiert und in die jeweiligen Mulden versenkt. Während das Drittklassmaterial wie Papier oder Güsel in die Verbrennungsanlage kommt, werden die anderen Teile aufgewertet und weiter verbaut. «Das Holz wird geschreddert und zu Spanplatten weiterverarbeitet» erklärt Koller. So werden rund 90 Prozent des Abbruchmaterials verarbeitet und wiederverwendet.

Zurzeit sind vier Personen mit dem Abriss und zwei für die Sicherung beschäftigt. Diese Arbeiten sollten voraussichtlich bis Ende April erledigt sein. Danach fängt der Neubau an. Geplant ist laut ABL, dass die Wohnungen bis 2022 bezugsbereit sind. 

Weitere Bilder des Abrisses:

Der Abbruch des zweiten Teils der Himmelrich-Siedlung hat begonnen.
7 Bilder
Die Baumaschine «Beisser» macht 72 Wohnungen platt.
Die Häuser stammen aus den späten 20er Jahren.
Bauherrin ist die ABL Allgemeine Baugenossenschaft Luzern.
Die Häuser sind nach 1985 in Schieflage geraten. Eine Sanierung wäre unwirtschaftlich gewesen – darum entsteht ein Neubau.
Dem Erdboden gleichgemacht: 90 Prozent des Abbruchmaterials werden aber weiterverwertet.
Polier Benno Koller sagt, dass die Neubauarbeiten voraussichtlich Anfang Mai beginnen.

Der Abbruch des zweiten Teils der Himmelrich-Siedlung hat begonnen.

Manuela Jans-Koch, 6. Februar 2020

Und hier noch ein Video vom 22. Januar, welches die ABL auf ihrer Facebook-Seite aufgeschaltet sowie die Ansicht auf die Siedlung vor dem Abriss der gelben Häuser: 

Blick auf die Siedlung Himmelrich vor dem Abriss der gelben Häuser.

Blick auf die Siedlung Himmelrich vor dem Abriss der gelben Häuser.

Bild: Stefano Schröter
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