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HIMMELRICH: Tonnenweise giftiger Schutt muss weg

In der Abbruchsiedlung Himmelrich 3 in Luzern gibt es Asbest. Bevor die grossen Bagger auffahren, muss deshalb Wohnung für Wohnung mit Spezialgerät gereinigt werden.
Mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken entfernen Arbeiter Asbest aus den Wohnungen des Quartiers Himmelrich 3. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken entfernen Arbeiter Asbest aus den Wohnungen des Quartiers Himmelrich 3. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Spezialisten während der Arbeiten. (Bild: Boris Bürgisser/ Neue LZ)
Asbest Sanierung in der ABL-Siedlung Himmelrich in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser/ Neue LZ)
Die Spezialisten bereitdn sich vor. (Bild: Boris Bürgisser/ Neue LZ)
Bevor die Asbest-Spezialisten die Wohnung betreten, müssen sie eine Schleuse passieren. (Bild: Boris Bürgisser/ Neue LZ)
Die Arbeiter bei den Vorbereitungen. (Bild: Boris Bürgisser/ Neue LZ)
Bevor die Arbeiter die Wohnung betreten, müssen sie eine Sicherheitsschleuse passieren. (Bild: Boris Bürgisser/ Neue LZ)
Die Spezialisten bei den heiklen Arbeiten. (Bild: Boris Bürgisser/ Neue LZ)
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Asbest in der Himmelrich-Siedlung

Die ABL-Siedlung Himmelrich 3 in der Luzerner Neustadt steht vor dem Abbruch und ist leergeräumt. Dennoch sind die Sicherheitsvorkehrungen gross: Im Haus Nummer 3 beim Heimatweg steht im Eingang zu einer Wohnung eine Schleuse. Alles ist luftdicht versiegelt, die Wohnung ist künstlich in Unterdruck versetzt. Kein einzelnes Staubkorn dringt so aus der Wohnung, alles wird herausgefiltert. Und nach getaner Arbeit müssen die Männer in der Schleuse zunächst aus ihren roten Schutzanzügen und ab unter die Dusche. Auch ihre Arbeitsgeräte müssen gereinigt werden.

Der Grund: Die Arbeiter der Luzerner Firma AB Alltec-Bossart AG spitzen zurzeit mit schweren Arbeitsgeräten asbesthaltiges Material unter den Wandfliesen und in Bodenplatten heraus. «Durch diese starke mechanische Bearbeitung der Platten entsteht ein mögliches Gesundheitsrisiko, da die feinen, gefährlichen Asbestfasern in die Luft geraten», sagt Martin Bossart, Inhaber der Firma. «Dank den grossen Sicherheitsvorkehrungen sind aber die Arbeiter und die Umwelt geschützt.»

Keine Gefahr für Bewohner

Die Siedlung aus den Dreissigerjahren ist also, wie die meisten Gebäude dieses Alters, asbestverseucht. Dennoch müssen sich die ehemaligen Bewohner nicht fürchten. Denn der asbesthaltige Kleber, der unter den Wandfliesen oder in den Bodenplatten fest verbaut ist, tritt erst jetzt beim Rückbau der Gebäude hervor. «Für die ehemaligen Bewohner bestand deshalb zu keinem Zeitpunkt Gefahr», sagt Martin Bossart.

Dies betont auch Philip Küttel von der Firma Holinger AG, welche die Asbestvorkommen bestimmt hat und die Arbeiten überprüft. «Selbst wenn ein Bewohner ein Loch in eine Platte mit asbesthaltigem Kleber bohren würde, wäre die Staubproduktion wohl zu gering, um gesundheitsgefährdend zu sein», sagt Philip Küttel. «Die Dosis machts aus.» Deshalb sei es auch wichtig, dass die Arbeiter, welche tagtäglich mit der Substanz zu tun haben, alle vorgeschriebenen Schutzmassnahmen einhalten. «Das ist längst Routine», so Küttel.

40 Tonnen Asbest-Bauschutt

Spektakulär sehen die Arbeiten dennoch aus – zumindest im Innern der Wohnungen. Die Ausrüstung ist es aber, die die sonst schon harte Arbeit noch zusätzlich erschwert. Bloss drei Stunden am Stück dürfen die Männer aufgrund der Atemmasken arbeiten. «Das ist Vorschrift», sagt Martin Bossart. Über die blauen Schläuche wird ihnen dabei Frischluft zugeführt. Und nach jedem Einsatz gehts wieder durch die Schleuse. Wohnung für Wohnung. Das mache diese Baustelle so besonders, sagt Bossart: «Normalerweise arbeiten wir nicht in derart engen und verwinkelten Räumen.» Es dauert rund eine Woche, bis ein Haus komplett von Asbest befreit ist. Erst dann darf es abgerissen werden.

In Nidwalden endgelagert

Insgesamt fallen rund 40 Tonnen Bauschutt an. Dieser wird fachgerecht in luftdichte Säcke verpackt. Diese werden speziell von der Firma AB Alltec AG gereinigt. Anschliessend wird das Material ausgeschleust und in der Deponie Cholwald bei Ennetmoos (NW) entsorgt.

Um festzustellen, ob in den Gebäuden überhaupt Asbest vorhanden ist, wurden bereits Anfang August Inspektionen von der Firma Holinger AG durchgeführt. «Wir haben an verschiedensten Stellen Proben entnommen», sagt Philip Küttel. Die entsprechenden Stellen wurden anschliessend mit einem grossen, roten «A» markiert. «Zudem kontrollieren wir nach dem Abbau des Asbests nochmals die Räume nach allfälligen Rückständen», so Küttel.

Bild: Pius Amrein / Neue LZ
Ein 18 Meter langer Baumstamm hat quer in der Wohnung Platz gefunden. Bestaunt durch Nadja Bürgi (hinten) Amun Martin (5 Jahre mitte) und seine Mutter Fabienne Marti (vorne). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Auf dem Bild zu sehen ist ein Baum ein 18 Meter langer Baumstamm der quer in der Wohnung Platz gefunden hat. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die "Queen-Kong" ziert eine der Fassaden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Kaffeerösterin Sophia Wetterblad, welche zusammen mit Katharina Steiner von "Die Zuckerbäckerin" ein Kaffee führt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild: Pius Amrein / LZ
Bild: Pius Amrein / Neue LZ
Wohnung mit Werken von Pablo Stettle und Lionne Saluz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Wohnung mit Werken von Sabina Oehringer. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild: Pius Amrein / Neue LZ
Wohnung mit Werken von Pablo Stettle und Lionne Saluz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Auf dem Bild zu sehen ist die Wohnung mit Werken Paul Lipp. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild: Pius Amrein / Neue LZ
Auf dem Bild zu sehen ist die Wohnung mit Werken von Pablo Stettle und Lionne Saluz. Das Kulturprojekt «Zwischenrich» an der Tödistrasse dauert noch bis Samstag. Die Ateliers sind von 11 bis 23 Uhr geöffnet, die Gastrobetriebe von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr morgens. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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Siedlung Himmelrich

Die Asbestsanierung soll noch gut zwei Monate dauern. Überall dort, wo die Fenster entfernt sind, ist dies bereits geschehen. «Diesen Mehraufwand haben wir in die Planung des Rückbaus einfliessen lassen», sagt Norbert Ziegler von der ABL. «Wir sind im Zeitplan.» Wann es mit dem eigentlichen Abriss der Gebäude losgeht, steht noch offen.

Die dafür notwendigen Vorbereitungen, so etwa die Asbestsanierungen, sind nun allerdings in gewissen Wohnungen der Überbauung erledigt – somit wird es den ersten Häusern bereits in den nächsten Tagen oder Wochen an den Kragen gehen. Im nächsten Sommer kann dann mit den Arbeiten für die Neuüberbauung begonnen werden. Im Frühling 2019 stehen dann die Rückbauarbeiten an den verbleibenden Häusern bei der Claridenstrasse an. Auch diese werden abgerissen.

Die Kosten der Asbestsanierung machen ungefähr 3 Prozent des Gesamtaufwands für den Abriss aus. Wie viel die Abbrucharbeiten insgesamt kosten, darüber macht die Allgemeine Baugenossenschaft (ABL) keine Angaben.

Niels Jost

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