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HINTERLAND/SCHANGNAU: Ex-Kieshändler sorgt für Albtraum

Ein Luzerner Agrarunternehmer, der bis vor kurzem als Kieshändler aktiv war, bereitet einem Schangnauer Bauern schlaflose Nächte. Der Landwirt wartet seit Jahren auf ausstehende Pachtzinsen.
Thomas Heer

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Die Szenerie könnte idyllischer nicht sein. Bei angenehmen sommerlichen Temperaturen präsentiert sich die Talschaft rund um den Schangnauer Ortsteil Bumbach in atemberaubender Schönheit. Die grauen Kalkspitzen des Hohgant thronen über saftig grünen Bergwiesen. Der architektonische Fussabdruck, welche die Menschen in dieser Landschaft hinterlassen haben, ist nie eine Beleidigung fürs Auge. Im Gegenteil: Die prächtigen, mit der Landschaft harmonisch verwobenen Gebäude sind eine Wohltat fürs Gemüt.

Das alles vermag die Stimmung des 65-jährigen Bauern an diesem Mittwochmorgen aber nicht wirklich aufzuhellen. Zu gross sind die Sorgen, die ihn derzeit plagen. Der kräftig gebaute Mann, der figürlich dem ebenfalls aus Schangnau stammenden Abfahrtsweltmeister Beat Feuz verblüffend nahekommt, sitzt am Holztisch vor jenem Gebäude, in dem er jahrzehntelang gelebt hat. Ein stilvollendetes Emmentaler Bauernhaus, erbaut Ende des 18. Jahrhunderts.

Es geht um rund 100000 Franken

Zum Treffen mit dem Reporter hat der gewesene Landwirt vielerlei Akten mitgebracht. Das Kernstück dieser Dokumente bildet der Pachtvertrag, den er 2014 mit einem Luzerner Geschäftsmann abschloss. Dieser zählte damals zu den Mächtigen des Hinterländer Kiesgeschäfts. Das ist passé. Mit seinem ehemaligen Arbeitgeber liegt er heute im Clinch und wird von diesem seit einigen Monaten mit happigen Betreibungen in der Höhe von zig hunderttausend Franken eingedeckt. Den Lebensunterhalt verdient sich der Ex-Kieshändler aktuell als Agrarunternehmer.

Dass der pensionierte Berner Landwirt überhaupt in geschäftliche Beziehungen mit dem Hinterländer trat, hat einen familiären Hintergrund. Für die Liegenschaft in Schangnau liess sich in der Familie einfach kein Nachfolger finden. Also entschloss sich der Emmentaler, den Betrieb zwecks Pacht auszuschreiben. «Es meldeten sich Dutzende von Interessenten», erinnert sich der Pensionär. In die engere Auswahl kamen schliesslich elf Parteien. Darunter auch der ehemalige Luzerner Kiesunternehmer. «Dieser beharrte darauf, den Betrieb als Erster zu besichtigen», erinnert sich der Berner. Dem Ansinnen des Hinterländers wurde schliesslich entsprochen. An einem Morgen im April 2014 flog der ehemalige Kieshändler sodann mit dem Helikopter in der Gemeinde Schangnau ein.

«Ich liess die Liegenschaft schätzen und definierte für mich einen Pachtzins», erzählt der Schangnauer und ergänzt: «Der Luzerner Interessent offerierte sofort einen wesentlich höheren Betrag.» Dies ist mit ein Grund, weshalb der Hinterländer die Konkurrenz ausgestochen hatte und die Pacht erhielt.

Schon längst hat der Rentner seinen Entscheid tief bereut und konstatiert: «Er zog mir den Speck durch den Mund, und am Schluss bleibt mir nicht einmal die Schwarte.» Konkret heisst das: Der Schangnauer wartet seit drei Jahren auf den vereinbarten Pachtzins. Gleichzeitig kassierte der Luzerner Unternehmer Direktzahlungen in der Höhe von mehreren zehntausend Franken. Die ausbleibenden Pachtzinsen bereiteten dem ehemaligen Bauern manch schlaflose Nacht, bangte er zeitweilig doch um seine wirtschaftliche Existenz. Mittlerweile läuft gegen den Agrarunternehmer, ausgelöst vom Berner Rentner, eine Betreibung über 97423.50 Franken.

Zur Beilegung der leidigen Sache wurde auch der Zürcher Agrarexperte, Hektor Sigrist, eingeschaltet. Er fungierte zeitweilig als Schlichtungsstelle. Das fruchtete aber nicht. Sigrist erinnert sich und sagt: «So etwas habe ich in meiner Berufskarriere noch nie erlebt.» Ob der Pensionär den Pachtzins jemals erhalten wird, hängt nun von verschiedenen Faktoren ab.

Zum einen muss ein Gericht den Rechtsvorschlag des Luzerner Unternehmers beseitigen und über die Forderung des Verpächters entscheiden. Und zum anderen stellt sich dann auch die Frage, ob der Ex-Kieshändler überhaupt noch in der Lage ist, die Schuld zu begleichen. Der Luzerner, der sich am Dienstag unter anderem wegen einer «Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit» vor dem Bezirksgericht Willisau verantworten muss, wollte sich zur Angelegenheit in Schangnau nicht äussern.

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