HIRSCHMATT: Kahlschlag in der Neustadt

Wegen der Strassensanierung wurden zahlreiche Bäume gefällt. Später soll das Quartier dafür schöner aussehen.

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Blick auf den Vorplatz der Coop-Filiale an der Habsburgerstrasse in Luzern. Hier wurden kürzlich acht Ahornbäume gefällt. (Bild Pius Amrein)

Blick auf den Vorplatz der Coop-Filiale an der Habsburgerstrasse in Luzern. Hier wurden kürzlich acht Ahornbäume gefällt. (Bild Pius Amrein)

Auf dem kleinen Platz vor der Coop-Filiale in der Luzerner Neustadt wurde es bis vor kurzem nie richtig hell. Acht Ahornbäume hatten selbst im Sommer für ein dämmriges Licht gesorgt. Sie und andere Bäume im Hirschmattquartier sind nun gefällt worden. Insgesamt 33 Feldahorne an der Habsburgerstrasse, Winkelriedstrasse und am Kauffmannweg wurden gerodet. Sie waren 7 bis 8 Meter hoch und hatten im Lauf der Zeit je rund 25 Jahresringe angesetzt.

Grund für die Fällungen ist die Gesamterneuerung des Hirschmattquartiers. Bei dem Projekt von Energie Wasser Luzern (EWL) und der Stadt Luzern werden die Werkleitungen im Untergrund erneuert und die Strassenzüge verkehrstechnisch sicherer gemacht und städtebaulich aufgewertet. Die Baumassnahmen im östlichen Quartierteil rund ums Vögeligärtli wurden letztes Jahr in einem Intensivverfahren realisiert. Nun ist der westliche Teil an der Reihe.

Bäume standen im Weg

Die Hauptarbeiten, bei denen die Winkelriedstrasse, der Kauffmannweg und die Dornacherstrasse etappenweise für den Verkehr gesperrt und aufgerissen werden, beginnen Ende April. Bis dahin finden Vorarbeiten statt. «Die Fällungen waren zwingend notwendig», betont Projektleiter Roger Schürmann. Andernfalls würde während der Werkleitungsarbeiten in der Winkelriedstrasse und im Kauffmannweg das Wurzelwerk der Bäume stark beschädigt, erklärt er. Ausserdem sei der Platz im Quartier eng bemessen. Schürmann: «Ein Durchkommen mit schwerem Baugerät wäre kaum möglich.»

Vor dem Coop an der Habsburgerstrasse seien keine Werkleitungsarbeiten geplant, präzisiert Schürmann. «Die Rodungen erfolgten aufgrund der stadträumlichen Aufwertung und einer Angleichung an die Winkelriedstrasse und den Kauffmannweg», sagt er. Die Strassen des Quartiers sollen nämlich nach einem einheitlichen Gestaltungskonzept gestaltet werden. Dazu gehören breitere Trottoirbereiche, gleichmässige Baumreihen entlang einer Strassenseite sowie die Aufhebung von Querparkplätzen. Neu wird es nur noch Parkplätze auf den verbreiterten Trottoirs geben. «Wer sich eine Vorstellung vom Gestaltungskonzept machen will, kann sich an der Sempacherstrasse umsehen», meint Schürmann. Dort habe man das Konzept letztes Jahr verwirklicht.

Robuste Baumsorten

Auf dem Platz vor dem Coop sollen statt acht nur vier Feldahorne gepflanzt werden. «Der Bereich soll offener, heller und grosszügiger daherkommen», sagt Schürmann. Für die Winkelriedstrasse und den Kauffmannweg seien zwei Arten von Blumeneschen vorgesehen. Die Baumreihen sollen weniger dicht, dafür aber über die ganze Strassenlänge gepflanzt werden. Die Dornacherstrasse, an der bisher keine Baumreihe stand, werde mit Französischem Ahorn aufgewertet. «Mit der Wahl verschiedener Baumsorten wollen wir das Risiko mindern, dass alle Bäume auf einmal von einer allfälligen Krankheit befallen werden», erklärt Schürmann. Zudem müssten die Bäume typische Stadtbedingungen wie zusätzliche Wärmestrahlung und erhöhte Trockenheit aushalten und wegen des Winterdiensts eine hohe Salztolerenz aufweisen.

In 20 Jahren alte Grösse erreicht

Die neuen Bäume werden laut Schürmann mit einer Stammhöhe von 2,5 bis 3 Metern aus der Baumschule kommen. Sie sollen im nächsten Herbst nach Abschluss der Hauptarbeiten gepflanzt werden. «Unter guten Bedingungen sollten sie in 15 bis 20 Jahren die Grösse der gefällten Bäume erreicht haben», so Schürmann. Im Zug der Gesamterneuerung Hirschmatt würden insgesamt 50 neue Bäume gepflanzt, was einem Plus von 17 Bäumen gegenüber der Situation 2014 entspreche.

Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins Hirschmatt-Neustadt, meint zur Rodung und Neubepflanzung: «Es ist schade, dass es über zehn Jahre dauern wird, bis wieder hohe Baumreihen im Quartier stehen werden.» Im Quartier werde über die Fällungen viel geredet. «Aber das ist bei einem derart starken Einschnitt ins Strassenbild nicht anders zu erwarten», sagt er. Kritik an der Massnahme habe er bisher keine gehört: «Die Behörden haben klar kommuniziert, dass sich die Fällungen nicht vermeiden liessen.» Die Gesamterneuerung sei ein Gewinn fürs Quartier.

Simon Bordier