HIRSCHPARK: Nöggi ist tot – sein Nachwuchs lebt weiter

Weil er ein notorischer Querulant war, musste Platzhirsch Nöggi sterben. An Manneskraft fehlte es ihm aber nicht.

Luca Wolf
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Nachwuchs im Hirschpark. (Bild: Luca Wolf)

Nachwuchs im Hirschpark. (Bild: Luca Wolf)

Der Platzhirsch Nöggi (4) im Hirschpark beim Friedental hat den Bogen überspannt. «Der hat Sachen gemacht wie kein Hirsch jemals zuvor», sagt Anita Weingartner, Präsidentin des Trägervereins Freunde des Hirschparks. Nach Gesprächen mit Fachleuten musste Weingartner das aggressive Männchen im Mai schweren Herzens zum Abschuss freigeben. «Nöggi war ein köstliches Tier. Aber sein Temperament war nicht mehr länger tragbar», sagt Weingartner. Köstlich dürfte er übrigens auch geschmeckt haben: Das prächtige Tier wurde zu Hirschpfeffer verarbeitet.

Nöggi, das einzige Männchen im Gehege des Hirschparks, fiel in den letzten Monaten durch sein aggressives Verhalten gegenüber Menschen auf. «Wenn unser Tierwärter angelaufen kam, senkte Nöggi seinen Kopf mit dem grossen Geweih und ging in Angriffsstellung», weiss Weingartner.

Nachwuchs im Hirschpark. (Bild: Luca Wolf)

Nachwuchs im Hirschpark. (Bild: Luca Wolf)

Angriff auf Besucher

Und es blieb nicht bei solchen Drohgebärden. So rannte der mächtige Rothirsch oft völlig unvermittelt auf Besucher zu und krachte mit dem Kopf voll gegen den Zaun. «Dabei presste er Teile seines Geweihs durchs Gitter hindurch und gefährdete so die Besucher.» Auch habe er Leitungen, die durch den Park führen, ausgegraben und zerstört. Weingartner wollte das Tier aber nicht aufgeben und liess es in grössere Tierpärke verlegen, zuerst in den Jura, dann ins Entlebuch. Aber auch dort brachte Nöggi mit seinen Eskapaden die Verantwortlichen zur Verzweiflung. Einmal brach er auch aus dem Gehege aus. «Die Leute dort haben gesagt: Um Gottes willen, was für ein Tier haben wir da erhalten», erzählt Weingartner. Folglich blieb ihnen doch nur der Abschuss.

Fünf kecke Jungtiere

Nun sind die «Hirschpärkler» auf der Suche nach einem Nöggi-Nachfolger. «Wir könnten zwar auch mal ein Jahr damit warten», so Weingartner. Aber es sei nicht natürlich, und zudem gäbe es dann nächstes Jahr keinen Nachwuchs. Zumindest in dieser Beziehung kann man Nöggi keinen Vorwurf machen.Ohne zu murren, hat er sich intensiv um seinen Hirschkuh-Harem gekümmert. Das Resultat ist äusserst niedlich und seit gut einem Monat mit etwas Glück im Hirschpark zu bestaunen: Drei männliche und zwei weibliche Kälber sorgen dafür, dass Nöggi nicht vergessen geht. «Wir sind gespannt, wie sie sich entwickeln und wie viel ‹Nöggi› in ihnen steckt», sagt Weingartner und lacht. Insgesamt umfasst das stolze Rothirschrudel nun 18 Tiere.

Ärger im Vorstand

Doch nicht nur im, sondern auch neben dem Hirschpark war es in den letzten Monaten unruhig. Zwei Vorstandsmitglieder sind aus dem fünfköpfigen Gremium zurückgetreten. «Es gab Uneinigkeiten, was die Arbeitsverteilung anbelangt», so Weingartner. Bis im Herbst sollen die Nachfolger bestimmt sein. Finanziell läuft es nach der Beinaheschliessung letztes Jahr etwas besser. Die Stadt stellte aus Spargründen bekanntlich ihre Unterstützung ein. Nur dank Gönnern konnte die Zukunft des Hirschparks vorerst gesichert werden. Weingartner sagt: «Wir sind weiterhin für jede Unterstützung dankbar.»

Hinweis

Infos unter www.hirschpark-luzern.ch

Der Platzhirsch Nöggi hat im Hirschpark für Unruhe gesorgt und musste getötet werden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Der Platzhirsch Nöggi hat im Hirschpark für Unruhe gesorgt und musste getötet werden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)