Hirsmändig in Flühli: Zuschauer lassen sich nicht vom Regenwetter abschrecken

Am Hirsmändig plaudert der Bote in seinem Hirsmändigbrief aus dem Nähkästchen und nimmt die regionale, nationale und internationale Politik aufs Korn. Sehr zur Freude der Dorfbevölkerung, die trotz Regen Fasnacht feiert.

Larissa Haas
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Bei strömendem Regen las der Bote Guido Bucher den Hirsmändigsbrief mit Versen zur aktuellen Politik und dem Dorfgeschehen vor. Die Zuschauer trotzten dem Wetter hartnäckig. (Bild: Nadia Schärli (4. März 2019)

Bei strömendem Regen las der Bote Guido Bucher den Hirsmändigsbrief mit Versen zur aktuellen Politik und dem Dorfgeschehen vor. Die Zuschauer trotzten dem Wetter hartnäckig. (Bild: Nadia Schärli (4. März 2019)

Das Wasser tropfte den Trychlern von der Nase, als sie nach den Böllerschüssen um 11 Uhr am Montag den Einzug der Hirsmändigchöchi Corinna Schmid, des Buurs Christian Schnider und des Hirsmändigboten Guido Bucher in Flühli anführten. Denn gerade, als die Guuggenmusik Rüdigchönner eine halbe Stunde davor auf den Dorfplatz zog und die Gemeindepräsidentin Sabine Wermelinger der Hirsmändiggesellschaft den Schlüssel der Gemeinde übergab, begann es zu regnen und wurde rasch kalt.

Entsprechend empfand wohl der eine oder andere Besucher Mitleid mit dem Hirsmändigboten auf seinem Pferd, als er eine halbe Stunde lang seinen Hirsmändigbrief mit den unterhaltsamen Versen vortrug.

Guido Bucher, der jeweils von der Hirsmändiggesellschaft zum Boten gewählt wird, hat heuer bereits zum sechsten Mal seine Verse gedichtet. Schon in der Begrüssung machte er klar, dass die aus Schüpfheim stammende Kantonsratspräsidentin Hildegard Meier-Schöpfer eigentlich hierher gehöre und dass Regierungsrat Reto Wyss auch in Flühli noch was lernen könne. Die zwei waren nämlich die Ehrengäste. Dann kam als Erstes gleich, wie schon letztes Jahr, Donald Trump unter die Räder. Etwas Schadenfreude konnte sich der FDP-Kantonsrat beim Dichten nicht verkneifen: Nicht nur Trump hätte seine Reise ans WEF absagen müssen, auch die Luzerner Regierung hätte damals nicht ans Zürcher Sechseläuten fahren können – aus Spargründen.

Biosphären-Team glänzte mit Abwesenheit

Obwohl es inzwischen wie aus Kübeln goss, liess es sich die Dorfbevölkerung nicht nehmen, den Sticheleien zuzuhören, immer in der Hoffnung, dass es die anderen trifft. Guido Bucher machte sich lustig über das nicht anwesende Biosphären-Team, das in der letzten Broschüre Gemeindewappen vertauscht hat. Unbeliebte Staatsoberhäupter wie Assad solle man bei einer Moorwanderung der Natur übergeben. Auch der Bundesrat war Thema: Schöner sei er nicht geworden, mit den zwei Neuzugängen. Der Bote würde es Viola Amherd aber gönnen, wenn sie die neuen Flieger beschaffen könnte – anders als ihre zwei Vorgänger.

Doch die Flühler Bevölkerung quittierte nicht nur die nationalen und internationalen Witze von Guido Bucher mit Lachern und Applaus, es wurde auch noch regionaler. Der Luzerner Regierungsrat, die anstehenden Wahlen, die Tweets von CVP-Kantonalpräsident Christian Ineichen, die geplanten Bauvorhaben der Gemeinde – der Hirsmändigbote kannte kein Pardon. Auch aus dem privaten Nähkästchen plauderte er: Offenbar wollte ein Flühler des Nachts durch die Hundetüre in sein Haus gelangen, weil er seinen Hausschlüssel verloren hatte. Dort blieb er aber stecken, schlief ein und wurde morgens so von seiner Mutter gefunden. Dem Gelächter nach zu urteilen, war die Geschichte nicht ganz unbekannt. Auch die zwei Herren, die zu spät ihre Kleider für eine Hochzeit bestellt haben oder ein plötzlich geschlossenes Garagentor sorgten für Lacher.

Nachdem der Hirsmändigbote so vielen auf die Füsse getreten war, gab es den traditionellen Versöhnungsumtrunk, bevor es zum Hirsemahl in den praktisch ausgebuchten Kurhaus-Saal ging.

Die Verse

D’Luzerner Regierig isch nid z’beniede
Ständig muess si under Vorwürf liede
Bi de Arme wärdi gspart und die Rieche überchöme Gschänkli
Ja, äs isch nid eifach uf däm Regierigsbänkli
Guet, das mit de Prämieverbilligung, das isch scho chli ne dicke
Wenn Lüt sogar wieder Gäud müi zruggschicke
Ou i de Schüler und Lehrer sött mer nid Zwangsferie gäh
Mer chönnt ja die Demonstrations- und Streiktäg dranänä näh
Dä Paul Winiker cha eigentlech ruig da sitze
Wenn z’Gäud nid länget later eifach la blitze
De Marcel Schwerzmä, dä het gar nüd z’lache
Är sött usemene Zwefränkler chönne ä Füfliber mache
Am coolste cha sich eigentlech de Chüng Robi gäh
Dä het ömu no nie müesse ä abverreckti Strass oder Brügg zrugg näh

Ä Ma mit ärä Frou, das hetter klar propagiert
Ich hoffe, de Chrigu heigs ou usprobiert
Ä Frou mit ärä Frou, das würd är grad no so toleriere
Das cha de Chrigu gar nid usprobiere
Ä Ma mit ämänä Ma, das wird vo ihm uf kei Fau akzeptiert
Ich hoffe, de Chrigu heig das nid usprobiert
Ier merkit, vom Ineiche Chrigu tuen ich brichte
Vo sine biologische Twittergschichte
Är wott und cha das eifach nid verstah
Dass Schwuli und Lesbe dörfe hürate und ou Chind ha
Sogar uf Züri ischer gangä, dä jungi Schnufer
A z’Pride Festival vo dene vom andere Ufer
Kritik hetts ghaglet vo aunä Site
Ou CVP tuet ufem Chrigu umerite
Us de Marbacher Eiche wird ä Ösche
Und de Chrigu tuet dä Twitt wieder lösche
Irgendwie chan ich ihn ja verstah
Aber är sött gschieder mitem guete Bispiel vora
Das het aber nüd mit Velofahre und Marathonseckle z’tüe
Nei, sich chli meh um glichaltrigi Frouä bemüeh
Gärn tuen ich z’nächscht Jahr uf ä Chrigu zrugg cho
Und verchünde: im Nationalrat Ineiche hets dä Fäkä iegno
Är het ghürate und het ä liebi Frou
Und Nachwuchs überchunter itz de ou

Zum Schluss gai mer no einisch i Pfaffrütistrass ue
Und luege im Bucher Daniel bim nächtleche Heicho zue
Zu später Stund und ä chli öppis hinde de Binde
Steit är da und cha de Husschlüssu nid finde
Und won är da so vor dä Huswand steit
Gseht är das Loch, wo de Hund ie und use geit
Was füre Hund länget, sött für ihn ou gah
Und so dänkt är ä Igang gfunde z’ha
Mitem Chopf vora stiegt är i
Doch haub inne isches do fertig gsi
Är isch blockiert, cha weder use no ie
Und är wott niemer wecke, wo chäm cho zieh
De Dani wott ke Krach mache, wichtig isch d’Rueh
Aber scho glie gheie de ou d’Ougsdeckle zue
Am Morge, wo d’Muetter i Gang abe chunt
Was da liet, das gseht si, das isch ni de Hund
De Oberkörper im Gang, z’Füdle und d’Bei verosse
So het de Daniel sine verdienti Schlaf gnosse