Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HISTORISCH: 140 Luzerner wanderten vor zwei Jahrhunderten nach Brasilien aus

Vor 200 Jahren wanderten 140 Luzerner nach Brasilien aus, darunter die achtköpfige Familie Wermelinger aus Willisau. Ein Nachkomme hat die Geschichte nun aufwendig aufgearbeitet – und weit entfernte Verwandte in unserer Region gefunden.
Niels Jost
Markus Wermelinger im Städtchen Willisau: Von hier aus wanderte sein Ur-Ur-Ur-Grossonkel Xaver Wermelinger nach Brasilien aus. (Bild: Boris Bürgisser (2. Mai 2018))

Markus Wermelinger im Städtchen Willisau: Von hier aus wanderte sein Ur-Ur-Ur-Grossonkel Xaver Wermelinger nach Brasilien aus. (Bild: Boris Bürgisser (2. Mai 2018))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Berge, eine Käserei, ein Sessellift und die Wermelinger-Strasse. Schweizerischer könnte eine Stadt kaum sein. Nur befinden wir uns hier im 9240 Kilometer entfernten Nova Friburgo in Brasilien. Die Stadt feiert vom 13. bis 17. Mai ihr 200-jähriges Bestehen. Damals, 1818, wurde «Neufreiburg» von 830 Auswanderern aus Fribourg gegründet. Doch auch 140 Luzerner machten sich anno dazumal mit auf den Weg ins Ungewisse. Keiner weiss das besser als Alberto Wermelinger. Sein Name verrät es bereits: Geboren ist er in Brasilien, sein Familienname stammt jedoch aus der Schweiz. Der 72-Jährige ist Nachkomme von Xaver Wermelinger, welcher 1819 zusammen mit seiner Frau Catherine und den sechs Kindern von Willisau nach Brasilien ausgewandert ist (siehe Box).

Alberto hat die Geschichte seines Ur-Ur-Ur-Grossvaters aufgearbeitet – und stiess während seiner Recherche auf entfernte Verwandte, unter anderem auf Markus Wermelinger aus Oberkirch. Der 50-Jährige wusste gar nichts davon, dass sein Ur-Ur-Ur-Grossonkel ausgewandert war. Entsprechend überrascht war er, als ihn Alberto das erste Mal vor sechs Jahren kontaktiert hatte. Die Männer verstanden sich schnell, schliesslich spricht Markus Wermelinger portugiesisch. Denn, wie es der Zufall will, ist seine Frau Brasilianerin. Sie kommt allerdings aus dem Nordosten des Landes, Nova Friburgo liegt viel südlicher. «Ich hätte nie gedacht, dass ich selber Verwandte in Brasilien habe», sagt Wermelinger. Mittlerweile war er schon vier Mal in Nova Friburgo. Das Klima sei dort nicht so tropisch wie in der 140 Kilometer entfernten Metropole Rio de Janeiro, sagt er, «sondern richtig angenehm für uns Schweizer».

Nova Friburgo habe viele Ähnlichkeiten mit dem Luzerner Hinterland: Die Stadt liegt auf 846 Metern über Meer in einer hügeligen Landschaft, wo Milchwirtschaft betrieben wird, Gemüse und sogar Blumen angebaut werden. «Die Schweizer Auswanderer haben die Landwirtschaft hier geprägt», sagt Alberto Wermelinger. Von den kulturellen Einflüssen der Luzerner «Urväter» ist allerdings nicht mehr viel übrig geblieben. Gesprochen wird portugiesisch, auch die Architektur erinnert kaum an eine Schweizer Stadt. Nur wer genau hinschaut, erkennt beispielsweise Strassen wie die «Rua Wermelinger» oder die «Biblioteca Willisau» sowie das «Willisau Center». «Leute wie Alberto versuchen, die Geschichte aufzuarbeiten und die Bevölkerung auf die Ursprünge der Stadt hinzuweisen», sagt Markus Wermelinger. So würden für Anlässe wie den 1. August- oder nun für die 200-Jahr-Feier extra Trachtengruppen und Fahnenschwinger organisiert. Zudem werden gar Persönlichkeiten aus der Schweiz eingeladen – wie der Fribourger Regierungsrat. Den Kontakt pflegt auf Schweizer Seite die Association Fribourg/Nova Friburgo.

Einen solchen Verein gibt es in Luzern nicht. Wieso auch? Die 200-Jahr-Feier stösst hier auch so auf Anklang. So verrät Markus Wermelinger, dass er sich überlege, im Mai zu seinen neu «entdeckten» Verwandten zu reisen. Im Unterschied zu seinem Ur-Ur-Ur-Grossonkel Xaver Wermelinger dürfte seine Reise aber etwas kürzer dauern als fünf Monate.

Diese von 1819 stammende Zeichnung von Isaak Schouman zeigt Schweizer Auswanderer in Brasilien. (Bild: PD)

Diese von 1819 stammende Zeichnung von Isaak Schouman zeigt Schweizer Auswanderer in Brasilien. (Bild: PD)

Diese Zeichnung von J.-B. Debret aus dem Jahr 1826 zeigt ebenfalls Schweizer Auswanderer in Brasilien. (Bild: PD)

Diese Zeichnung von J.-B. Debret aus dem Jahr 1826 zeigt ebenfalls Schweizer Auswanderer in Brasilien. (Bild: PD)

Cover des Buchs «... und die Schweizer kamen». (Bild: PD)

Cover des Buchs «... und die Schweizer kamen». (Bild: PD)

Das rote «Willisau Center» in Nova Friburgo. (Bild: PD)

Das rote «Willisau Center» in Nova Friburgo. (Bild: PD)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.