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HISTORISCH: Berner Zytglogge wird in Büron fit gemacht

Die Mechanik der wohl bekanntesten Uhr der Schweiz wird derzeit in der Surentaler Gemeinde restauriert. Das ist selbst für die erfahrenen Spezialisten ein Karrierehöhepunkt – und eine Herausforderung zugleich.
Niels Jost
Bringen die Mechanik des astronomischen Zifferblatts wieder auf Vordermann: Alois Crtalic (links) und Jeremias Wicki. (Bild: Boris Bürgisser (Büron, 23. März 2018))

Bringen die Mechanik des astronomischen Zifferblatts wieder auf Vordermann: Alois Crtalic (links) und Jeremias Wicki. (Bild: Boris Bürgisser (Büron, 23. März 2018))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

613 Jahre hat die Uhr am Berner Zytglogge-Turm nun schon auf dem Buckel. Touristen aus aller Welt kennen das historisch bedeutende astronomische Zifferblatt – das sogenannte Astrolabium – mit dem mechanischen Figurenspiel. Derzeit ist der Zytglogge-Turm in Bern jedoch von einem Baugerüst eingehüllt – und das Zifferblatt und die Figuren liegen in Büron.

Dort bringt die auf Kirchturmtechnik spezialisierte Muribaer AG die Mechanik des Astrolabiums und der Figuren wieder auf Vordermann. Denn Wind und Wetter haben ihre Spuren hinterlassen. Was aus der Ferne am Zytglogge glänzend aussehen mag, ist von Nahem betrachtet dreckig, rostig und weist teils starke Abnutzung auf. «Es ist ein Prestigeauftrag», sagt Geschäftsleiter Anastasius Hartmann. Seine Augen glänzen. «Wir wissen gar nicht, wie der Zustand der einzelnen Teile ist. Sie sind wahrlich eine Wundertüte.»

Mechanik im Innern der Holzfiguren

Vorsichtig nimmt Jeremias Wicki, der stellvertretende Werkstattleiter, die einzelnen, mannshohen Teile des Zifferblatts auseinander, untersucht mit erfahrenem Blick Dellen und Abnutzungen. Gleiches bei den Figuren – dem Narren, dem Hahn, einem der sieben Bären, dem Löwen und bei Chronos, dem Gott der Zeit. Sie alle sind aus Holz geschnitzt. In ihrem Innern ist schön säuberlich die Feinmechanik verbaut, um beispielsweise die Arme von Chronos oder den Schnabel des Hahns zu bewegen. Hierbei ist Feinstarbeit gefragt: Wicki und Arbeitskollege Alois Crtalic müssen jede einzelne, noch so kleine Achse, jedes Stäbchen und jede Niete genaustens prüfen. Wo nötig wird geschliffen, sonst vor allem geputzt und gefettet. Im Notfall werden kleine Teile ausgewechselt. «Wir wollen aber alles möglichst im Originalzustand halten», sagt Wicki. «Wegen des hohen Alters und der historischen Bedeutung ist die Arbeit schon sehr speziell», freut er sich. Crtalic stimmt ihm zu. Der 70-Jährige ehemalige Mitarbeiter hilft der Muribaer AG bei speziellen Arbeiten mit all seiner Erfahrung aus. «Dieser Auftrag ist der Höhepunkt für mich», schwärmt er. Die beiden werden rund einen Monat mit den Zytglogge-Teilen beschäftigt sein. Nach und nach werden diese an den Restaurator weitergegeben, welcher der Farbe oder dem Blattgold neuen Glanz verleihen wird.

Dass die Teile für die Restaurierung abmontiert wurden, ist selbst für den Zytglogge-Richter etwas Besonderes. Laut Markus Marti ist dies letztmals 1973 der Fall gewesen. Deshalb ist Marti gestern extra von Bern nach Büron gereist, um sich selber einen Eindruck vom Zustand zu machen. «Die Teile sehe ich sonst nur von der Hebebühne aus. Erst jetzt erkenne ich die Details und vor allem die kleinen Getriebe.»

Neben dem Astrolabium und dem Figurenspiel wird derzeit auch der Zytglogge selbst restauriert. Die Sanierung kostet die Stadt Bern rund 290 000 Franken und dauert noch bis Juni. Dann kann die bekannteste Schweizer Uhr wieder von Touristen aus aller Welt bestaunt werden.

Servicetechniker Jeremias Wicki bei der Muribear AG bei der Arbeit. (Bild: Boris Bürgisser (Büron, 23. März 2018))

Servicetechniker Jeremias Wicki bei der Muribear AG bei der Arbeit. (Bild: Boris Bürgisser (Büron, 23. März 2018))

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