HISTORISCHE BILDER: Am Rooterberg wird seit 300 Jahren Sandstein gebrochen

Vor 100 Jahren hatte der Sandstein als Baumaterial seine Hochblüte. In Root wird er noch heute abgebaut.

Basil Böhni
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Antonio Cruz 2011 bei der Arbeit im «Wiesbruch». (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Antonio Cruz 2011 bei der Arbeit im «Wiesbruch». (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Antonio Cruz 2011 bei der Arbeit im «Wiesbruch». (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Antonio Cruz 2011 bei der Arbeit im «Wiesbruch». (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

In schweisstreibender Arbeit schlägt Sepp Niederberger im Steinbruch «Wiesbruch » in Root Keile in einen über 20 Millionen Jahre alten Sandsteinquader. Damit wird der rund eine Tonne schwere Quader in kleinere Platten und Stücke für den Bau zerlegt.

Das Bild stammt aus dem Jahre 1946, zwei Jahre nachdem der Steinbruch am Rooterberg vom gelernten Steinmetz Emilio Stecher in Betrieb genommen wurde. Der Steinbruch befindet sich auf Höhe des heutigen Bahnhofs Gisikon-Root, einige hundert Meter hangaufwärts. Laut Recherchen von Liliane Bürli, Mitarbeiterin im Luzerner Staatsarchiv, hat die Bedeutung dieses Gewerbes seither klar abgenommen – Beton, Zement und Granit ersetzten den Sandstein ab den 20er-Jahren als Hauptbaumaterial.

Sandstein noch immer beliebt

Für Renovationen, einzelne Neubauten und als dekorativer Naturstein wird Sandstein auch heute noch von der Emilio Stecher AG abgebaut. Für Sprengungen, Transport und Weiterverarbeitung in der Werkstatt kommt moderne Technik zum Einsatz. Doch einzelne Arbeitsschritte im Steinbruch werden noch nach alter Weise ausgeführt. So arbeitet Antonio Cruz noch immer mit Hammer und Keil. Diese werden seit Jahrzehnten von Hand im Haus im Bildhintergrund geschmiedet.

Das Massiv des Rooterbergs besteht überwiegend aus Sandstein. So wurde am Rooterberg an zehn Stellen Steinabbruch betrieben. Der Sandsteinbruch «Wiesbruch» bei Root ist inzwischen jedoch der letzte noch aktive Steinbruch im Kanton Luzern. «Ja, der Bedarf an Sandstein ist seit den 20er-Jahren stark zurückgegangen, doch bauen wir im ‹Wiesbruch› nicht weniger Stein ab», sagt Emilio Stecher, welcher den Familienbetrieb in der dritten Generation führt. Weil sie jedoch die Einzigen in der Region seien, welche noch Sandstein abbrechen, sei die Menge unverändert geblieben. «Wir sprengen alle zwei bis drei Jahre rund 3900 Tonnen Sandstein, welche im Anschluss in der Werkstatt im Tal verarbeitet werden», so Stecher. Der Bruch soll noch Sandsteinmengen für 50 weitere Betriebsjahre enthalten.

Ochsen und Exzesse

«Der Sandsteintransport vom Bruch in die Werkstadt erfolgte bis Anfang der 20er-Jahre mit Ochsen- und Pferdegespannen », sagt Stecher. Da am Rooterberg so viel Stein gebrochen wurde, verfügte Root während der Hochblüte des Gewerbes im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts über den grössten Zugviehbestand an Ochsen und Pferden im damaligen Amt Habsburg.

Da der Weg zum Steinbruch oft lange und die Arbeitspausen kurz waren, brachten die Ehefrauen oder die älteren Söhne ihren Männern und Vätern oft ein Mittagessen, bestehend aus Suppe, und ab und an einem Stück «Spatz» (weich gekochtes Fleisch einer Milchkuh; Anm. d. Red.) an den Arbeitsplatz. Getrunken wurde meist ziemlich saurer Most, und der Feierabend fand nicht selten zu einem grossen Teil im Restaurant Brauerei in Root (heute «Eintracht») statt.

Was das heutige Arbeitsbild im Steinbruch vom früheren Arbeitsalltag unterscheidet, ist der Einsatz von Baufahrzeugen wie Bagger und Lastwagen. Dazu befinden sich 100 000 Tonnen weniger Sandstein im Hang als noch im Jahre 1946.

Sepp Niederberger 1946 bei der Arbeit im «Wiesbruch». (Bild: Max A. Wyss / Stiftung Fotodok)

Sepp Niederberger 1946 bei der Arbeit im «Wiesbruch». (Bild: Max A. Wyss / Stiftung Fotodok)