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Historischer Rückblick: Der Spirit der 90er verhalf Luzern zum eigenen TV

Vor genau 25 Jahren nahm die erste Luzerner TV-Station ihren Betrieb auf. Das Vorbild für die jungen Initianten war der amerikanische Kultsender MTV.
Natalie Ehrenzweig
Der 27-jährige Philipp Portmann war im April 1994 der erste Moderator des neuen TV-Senders LTV. (Bild Emanuel Ammon)

Der 27-jährige Philipp Portmann war im April 1994 der erste Moderator des neuen TV-Senders LTV. (Bild Emanuel Ammon)

Am 29. April 1994 war die Sendung «Szenenfutter» auf dem neu gegründeten Sender LTV erstmals zu sehen. Zu verdanken war diese Luzerner Regionalfernsehpremiere dem Videoproduzenten Peter Fischer und Philipp Portmann. Letzterer hatte eine Verkäufer-Lehre bei Foto Ruckli absolviert und hatte dadurch bereits eine Affinität zu den Foto- und Filmgeräten. Ausserdem war der damals 27-Jährige schon lange ein Film- und Musikfan und legte in seiner Freizeit als DJ in einer Wanderdisco auf, durch die er auch Peter Fischer kennenlernte.

Dieser erzählte ihm, dass sein Vater plane, eine Bewilligung beim Bakom zu beantragen und er dann eine regionale Talkshow produzieren wollte. «Ich war der Meinung, dass eine Talkshow nicht das richtige für eine lokale Sendung sei, weil es die Stärke des bewegten Bildes nur wenig nutzte», sagt Philipp Portmann. Er schaffte es schliesslich, seinen Kollegen von seinem Konzept, das er «MTV für Luzern» nannte, zu überzeugen: Es sollte ein Magazin für Junge werden, in dem lokale Künstler besucht, die Luzerner Charts ermittelt und Filmtipps gespielt werden.

Die Werbegelder flossen rasch und üppig

Die beiden Pioniere setzten sich das Ziel, mindestens 100'000 Franken aufzutreiben, dann würden sie das Projekt wagen und Portmann würde seinen Job kündigen: «Es war überraschend für mich, wie schnell die Werber mit an Bord waren. Damals konnte sich manch ein Bäcker oder ein Handwerker nicht mal ein Inserat in der Zeitung leisten. Wir haben zahlbare Preise geboten.»

Die günstigen Preise waren auch deshalb möglich, weil LTV kein Studio hatte, sondern immer draussen bei den Leuten drehte. Doch wer sollte die neue Sendung moderieren? Philipp Portmann zögerte zunächst. «Ich hatte nie das Ziel, ins Fernsehen zu kommen.» Doch Peter Fischer überzeugte ihn. «Wir übten Abende lang. Peter sagte immer: Du brauchst mehr Drive, schau dir andere Moderatoren an. Ich übte daheim vor dem Spiegel. Und in der Sendung habe ich dann wie aus der Pistole geschossen gesprochen – viel zu schnell», erzählt er lachend. Die erste Sendung handelte von der Wiedereröffnung der Kapellbrücke.

Schon bald folgte der Schock aus Bern

Nach 15 Sendungen musste die definitive Konzession vom Bakom eingeholt werden. Doch was für ein Schock: Die Bewilligung ging an die Firma Regiotext. Die Kontrahenten rauften sich zusammen und gründeten im Folgejahr gemeinsam Tele Tell, wo «Szenenfutter» von 60 auf 30 Minuten verkürzt wurde. 2010 wurde aus Tele Tell das heutige Tele 1, welches inzwischen wie die Luzerner Zeitung zur CH Media Holding gehört. Philipp Portmann stieg bereits 1996 aus «Szenenfutter» aus, denn sein Baby sollte nochmals auf die Hälfte schrumpfen. «Das hätte bedeutet, dass ich kein Team mehr gehabt hätte. Ausserdem war nach total 67 Episoden auch ein guter Zeitpunkt für etwas Neues.»

25 Jahre sind eine lange Zeit: Philipp Portmann als Moderator beim Luzerner Lokalfernsehen LTV (1994, links) und als Moderator heute bei Tele 1 (rechts). (Fotos Emanuel Ammon und Sven Emmenegger; Bildontage: Romano Bassi)

25 Jahre sind eine lange Zeit: Philipp Portmann als Moderator beim Luzerner Lokalfernsehen LTV (1994, links) und als Moderator heute bei Tele 1 (rechts). (Fotos Emanuel Ammon und Sven Emmenegger; Bildontage: Romano Bassi)

Der Wechsel zum nationalen Fernsehen klappte damals nicht. Also machte er sich selbständig und arbeitete im Mandat weiter für Tele Tell. Zudem schaffte er es, mit Beiträgen zu Kino und Filmstars seine Firma aufzubauen. Dabei belieferte er von Anfang an auch das Schweizer Fernsehen. Das öffnete ihm die Türen zu den internationalen Stars. «George Clooney hat mich sehr positiv überrascht. Er ist ein sehr intelligenter, gebildeter Mann mit Tiefe.» Negativ aufgefallen sei etwa Spike Lee, der gegenüber Weissen einen gewissen Rassismus gezeigt habe. Obwohl er inzwischen weit weg vom Regionalfernsehen von damals ist, verfolgt Philipp Portmann die Entwicklung der Medienlandschaft noch immer. Und ganz abgeschworen hat er seinem Luzerner Pionierprodukt auch heute nicht. So präsentiert er auf Tele 1 regelmässig Filmtipps. «Das ist wie mit einem eigenen Kind, man ist für immer miteinander verbunden.»

Hier ein Video aus den Anfängen der Sendung Szenenfutter. In diesem Beitrag von 1995 geht es unter anderem um einen Auftritt des Gitarristen Yngwie Malmsteen in Luzern:

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