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Neuer Trend in Luzern: Die Hitze treibt immer mehr Schwimmer in die Reuss

Was in Bern und Basel längst Sommertradition ist, kommt in Luzern erst richtig in Fahrt: Das Flusstreiben. In diesen heissen Tagen zieht es Dutzende in die Reuss. Eine Anleitung für den perfekten Reuss-Schwumm.
Andreas Bättig
Markus Gisd lässt sich auf einer Luftmatratze die Reuss hinunter treiben. (Bild: Philipp Schmidli, 3. August 2018)

Markus Gisd lässt sich auf einer Luftmatratze die Reuss hinunter treiben. (Bild: Philipp Schmidli, 3. August 2018)

Nach 5 Uhr Abends herrscht an der Reuss beim Natur-Museum in Luzern reges Treiben. Hier kann dank einer Treppe bequem in die Reuss eingestiegen werden. Es zeigt sich: Das Reuss-Schwimmen spricht alle Bevölkerungsgruppen an. Pärchen sind da, Familien, sogar Touristen. Manche mit grossen bunten Ringen aus Plastik, andere haben Luftmatratzen dabei, und fast alle haben ihre Habseligkeiten in wasserdichte, bunte Schwimmsäcke gepackt, die mittlerweile in Sportgeschäften bereits zur Mangelware geworden sind. Man könnte meinen, der Kasernenplatz sei zu einer Badi umfunktioniert worden. Was einige nicht wissen: Ab dem Kasernenplatzeinstieg ist das Befahren der Reuss mit Booten verboten. Das gilt bis zur St.-Karli-Brücke.

Die Reuss ist in diesen heissen Tagen immer etwas kühler als der Vierwaldstättersee – ein echter Pluspunkt. Keine Frage: Der Hitzesommer 2018 wird als der Reuss-Schwimm-Sommer in die Geschichte der Stadt Luzern eingehen. Auch wenn das Reuss-Treiben bereits seit der Eröffnung der Sommer-Bar Nordpol im Reusszopf letztes Jahr in Mode kam.

Plastiksack mit Schnur statt hipper Schwimmbeutel

Dass das Reuss-Treiben kein neues Phänomen ist, weiss Raphael Schwegler aus Emmenbrücke. Der 51-Jährige steht mitten in einem aufblasbaren Schwimmring vor dem Natur-Museum. «Wir haben das schon vor 35 Jahren gemacht. Damals starteten wir bei der Seebrücke, das Wehr gab es noch nicht. Und wir hatten auch nicht so schöne Schwimmbeutel. Ein Plastiksack mit einer Schnur drumherum tat es auch.» Das Ziel sei damals die Sedelbrücke gewesen. Schwegler stellt fest, dass das Reuss-Treiben im Gegensatz zu früher deutlich populärer geworden ist. Auch er hat wie fast die meisten heute ein neues Ziel: die Nordpol-Bar. «Sie ist sicher einer der Hauptgründe, warum nun so viele Leute unterwegs sind.»

Raphael Schwegler springt in die Reuss (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
Ken Sody und Donia Van den Bossche blasen eine Luftmatratze auf. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
Er lässt sich die Reuss hinuntertreiben. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
Patricia Sury, Judith Meier und Neva Bürkler (von links) schwimmen in der Reuss von Luzern in Richtung Reusszopf. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
Die Sommerbar beim Nordpol ist für die Reussschwimmer Endstation. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
Hier gibt es auch Liegeplätze. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
(Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. August 2018))
10 Bilder

Reussschwimmen - ein neuer Trend in Luzern

Schwegler ist zusammen mit Rebecca (41) und Emily (12) Bleasdale aus Wales unterwegs. Auf die Frage, was sie am Reuss-Schwimmen reizt, sagt Rebecca Bleasdale: «Man kann für eine gewisse Zeit komplett abschalten, die Natur bestaunen. Man hat gezwungenermassen keinen Zugriff aufs Handy, das ablenken könnte.» So hätte sie auf dem Wasser mit Freunden schon gute Gespräche führen können. Entschleunigung durch Beschleunigung, könnte man Bleasdales Ausführungen bezeichnen.

Gefahr: Die Brückenpfeiler

Wer von der Treppe beim Natur-Museum in die Reuss gleitet – natürlich erst nach dem Studieren der Bade- und Flussregel-Tafel vor Ort – der muss gleich nach dem Start eine Herausforderung meistern: den Pfeilern der Brücken ausweichen. Sie sind eine der Gefahren beim Reuss-Schwimmen. «Brückenpfeiler sind gefährlich, weil man an sie rangedrückt werden könnte und so eventuell den Kopf anschlägt. Auch gibt es dort gefährliche Strömungen und zum Teil nicht sofort erkennbare eckige Pfeilersockel unter der Wasseroberfläche», sagt Marc Audeoud, Experte für Fliessgewässer von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG. Gerade beim Flussschwimmen, das sich im Übrigen nur für gute Schwimmer eignet, sollte man immer vorausschauen, damit man Gefahren sieht. «Man sollte vor dem Schwimmen die Strecke rekognoszieren.» Weitere Gefahren sind: natürliche Untiefen und Gesteinsbrocken, Bäume und Gebüsche, die ins Wasser ragen, sowie künstliche Hindernisse unter Wasser (etwa Velos).

Unter Wasser: Die Welt der Reussforelle

Das Passieren der Brücken ist allerdings nicht schwer. Ist man aufmerksam genug, kann man schon lange vorher seinen Weg so wählen, dass die Brückenpfeiler genug weit weg sind. Trotzdem: Unter der Autobahnbrücke hindurch wird es dann doch ein bisschen unheimlich. Dunkel und tief ist die Reuss hier. Die Autos zischen nebenan vorbei.

Wer den Betonkoloss hinter sich gelassen hat, der sollte sich an dieser Stelle auch mal drehen und zurück auf die Stadt schauen (dabei jedoch im Hinterkopf haben, dass gleich noch eine weitere Brücke kommt). Die Perspektive auf das Stadtpanorama ist aussergewöhnlich. Der Männli- und der Luegisland-Turm sind zu sehen. Die Stadtmauer im Licht des Sommerabends ist ein tiefenentspannter Anblick. Wer sich wieder umdreht, kann sicher unter der St.-Karli-Brücke hindurchgleiten und sollte danach stark rechts halten. Warum das so ist, kann man riechen. Es stinkt. Auf der linken Seite mündet ein kleines, aber übel riechendes Bächlein in die Reuss.

Ein ruhiger und schöner Abschnitt folgt, mit kleinen Nischen an den Ufern, in denen die Leute den Abend ausklingen lassen. An dieser Stelle ist der Wasserstand der Reuss so flach, dass man aufpassen muss, nichts anzuschlagen. Wer jedoch etwas unter sich schieben kann (aufblasbares Gummizeug, seinen Schwimmsack oder eine Schwimmweste), das den Auftrieb verstärkt, kann auch diese Stelle entspannt passieren. Ein Schwimmbeutel sollte aber nie an sich befestigt werden, da er beim Einhängen zur Falle werden könnte. Laut Marc Audeoud sollte auch hier nicht aufgestanden werden. «Das sollte man im Fluss nie tun. Die Gefahr besteht, dass man sich mit dem Fuss in einem Stein verklemmt und dann durch die Strömung niedergedrückt wird. Man hat keine Chance, sich selber wieder zu befreien.»

Weiter unten wird die Reuss so richtig breit und ruhig. Die Strömung ist so schwach, dass man meint, stehen zu bleiben. Wer beim Reuss-Treiben nicht nur die Ober-, sondern auch die Unterwasserwelt erleben will, der soll sich auch mal mit Schnorchel und Taucherbrille auf die Strecke begeben. Neben zahlreichen Velos am Grund, Handys und Strassentafeln kriegt man mit ein wenig Glück auch Fische wie die Reussforelle zu Gesicht.

Kein Stress beim Ausstieg

Nach 20 Minuten erscheint die Nordpol-Bar am Ufer. Um diese zu erreichen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man treibt ans Ufer und steigt etwa 50 Meter oberhalb der Bar über eine Treppe bei der Reussinsel aus. Diese Variante wird durch die SLRG empfohlen. Oder man lässt sich bis zum kleinen Kiesstrand treiben. Gemäss SLRG kann dies aber, je nach Wasserstand, wegen der dortigen Steinblöcke gefährlich sein. Auch wenn hier die Strömung wieder deutlich anzieht, sollte man sich nicht stressen lassen. Man kann sich bei niedrigem Wasserstand gut bis auf Höhe der Bar treiben lassen, ohne den Ausstieg zu verpassen.

Dass das Reuss-Schwimmen populär ist, merken auch die Betreiber der Nordpol-Bar. «Es hat sich schon letztes Jahr ziemlich schnell etabliert», sagt Nicole Ulrich, stellvertretende Geschäftsführerin des «Nordpols». «Die Leute schätzen die Abwechslung zum Schwimmen im See.» Bis jetzt laufe das Geschäft gut – auch dank den Reuss-Schwimmern.

Wer es bis zum «Nordpol» geschafft hat, der kann sich mit einem Pastrami-Brötchen oder den wohl besten Pommes der Stadt stärken. Zurück in die Stadt geht es mit dem Bus, einem Nextbike – leider hat es abends praktisch nie wel- che – oder zu Fuss. Letztere Option ist die gemütlichste. Direkt entlang der Reuss, hat man einen guten Blick aufs Wasser. Und kann dort schon die nächsten bunten Punkte auf der Wasseroberfläche gemütlich die Reuss hinabtreiben sehen.

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