In kleinen Bächen im Kanton Luzern fliesst zu wenig Wasser

Die Hitze verursacht Wassermangel in den kleineren Luzerner Gewässern. Der Fischereiverband sieht auch unerlaubte Wasserentnahmen als Grund für den tiefen Wasserstand.

Fabienne Mühlemann
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Fische mussten letztes Jahr wegen der Hitze umgesiedelt werden. (Bild: Philipp Schmidli, Schüpfheim, 23. Juli 2018)

Fische mussten letztes Jahr wegen der Hitze umgesiedelt werden. (Bild: Philipp Schmidli, Schüpfheim, 23. Juli 2018)

Der Hitzesommer 2018 führte in den Luzerner Gewässern zu tiefen Wasserständen. Flora und Fauna litten stark, insbesondere für Fische hatte die Gluthitze fatale Folgen: Weil das Wasser zu warm wurde, mussten einige von ihnen umgesiedelt werden. In ein paar Fällen kam es zu Fischsterben.

Auch in diesem Sommer herrschen hohe Temperaturen, im Juni gab es einen Hitzerekord. Das wirkt sich auf die kleineren Bäche aus, welche immer noch zu wenig Wasser führen. «Die Wasserstände gehen zurück. Die Seen und die Flüsse, welche aus einem See fliessen, haben zwar einen normalen Wasserstand. Aber für kleinere Bäche ist die Situation eher kritisch», sagt Werner Göggel, Abteilungsleiter Gewässer und Boden der Dienststelle für Umwelt und Energie des Kantons Luzern.

Es brauchte ergiebige Niederschläge

Dank starker Regenfälle zwischendurch und der Schneeschmelze bleiben die Wasserstände der grösseren Gewässer stabil – der Wasserpegel des Vierwaldstättersees und der Reuss stiegen im Juni sogar an. Und zwar so stark, dass das Reusswehr nach drei Jahren wieder einmal komplett geöffnet werden musste. Für die kleineren Gewässer brachte der Regen jedoch nicht die gewünschte Erholung. Der Grund dafür ist laut Göggel, dass Seen das Wasser speichern können und die Ausflüsse davon profitieren würden. Damit sich die kleineren Bäche erholen, braucht es ergiebige Niederschläge.

Nicht nur die Oberflächengewässer sind von Wasserknappheit betroffen, auch unter der Erde fliesst eher zu wenig Wasser. Die Grundwasservorkommen weisen in weiten Teilen des Kantons durchschnittliche bis leicht unterdurchschnittliche Wasserstände auf, sagt Göggel. Im Surental und Seetal hingegen seien die Grundwasserstände sogar eher tief.

Verband appelliert
 an die Bevölkerung

Am 12. Juli vermeldete die Luzerner Polizei wegen Wassermangel ein Fischsterben im Hofbach in Oberkirch (wir berichteten). Grund dafür waren aber nicht nur die heissen Temperaturen, sondern eine regelmässige unerlaubte Wasserentnahme. Der Verursacher konnte ausfindig gemacht werden und erhielt eine Anzeige.

Solche Taten müssen verhindert werden, findet der Fischereiverband des Kantons Luzern. «Dieser Warnschuss sollte genügen, damit gar niemand mehr in Versuchung kommt, illegal Wasser aus den Gewässern abzuführen», sagt Markus Fischer, Präsident des Verbands. In einer Mitteilung ruft er die Bevölkerung dazu auf, den Zustand der Bäche und Flüsse sowie Wasserentnahmen zu beobachten. «Ohne die nötige Wassermenge gibt es keine Fische und ohne Fische keine Fischerei», sagt er.

Der Verband sieht unerlaubte Wasserentnahmen als ein Grund für tiefe Wasserstände. «Es gibt immer wieder Personen, die unerlaubt Wasser aus Gewässern entnehmen, um beispielsweise ihr Gemüse zu bewässern», so Fischer. Er selber habe dieses Jahr schon zwei solche Fälle beobachtet.

Dabei stellt sich jeweils die Frage, ob die Personen befugt sind, Wasser zu entnehmen. Denn in begründeten Fällen erteilt die kantonale Dienststelle Umwelt und Energie Bewilligungen für Wasserentnahmen zur Bewässerung, zum Heizen oder zum Kühlen. Können Personen diese nicht vorweisen, gibt es eine Anzeige bei der Polizei. Im Moment werden Bewilligungen nur in Ausnahmefällen und an wenigen Gewässern wie grossen Seen oder Flüssen erteilt, heisst es auf der Website des Kantons.

Vorfall in Oberkirch 
war Einzelfall

Aus der Sicht von Werner Göggel stellt die unerlaubte Wasserentnahme kein Grund für den tiefen Wasserstand dar. «Der Vorfall letzte Woche in Oberkirch war ein Einzelfall. Von weiteren Delikten haben wir keine Kenntnis», sagt Göggel. Er fände es aber richtig, dass der Fischereiverband auf das Problem aufmerksam mache.

Massnahmen zur Rettung der Fische

Der Schweizerische Fischereiverband hat das Handbuch «Hitzesommer und Fischerei» herausgegeben. Darin beschreibt er Massnahmen, um gefährdete Fische vor den Folgen der Hitze zu retten – wie zum Beispiel das Schaffen einer künstlichen Kaltwasserzone. Dies kann an einem Ort sein, wo kühles Grundwasser in den Bach fliesst, oder an einer Einmündung eines Seitengewässers. Eine andere Möglichkeit ist eine künstliche Belüftung der Gewässer, zum Beispiel mit einem Schaufelradbelüfter, oder eine künstliche Beschattung mit Tüchern. Das Handbuch kann kostenlos auf der SFV-Website www.sfv-fsp.ch heruntergeladen werden. (fmü)