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HITZKIRCH: Bucher will der Welt den Meister zeigen

In seinem Beruf macht ihm so schnell keiner was vor. Schweizer Meister ist Polymechaniker Jonas Bucher bereits. In Brasilien will er nun den WM-Titel holen.
Roger Rüegger
Polymechaniker Jonas Bucher (21) aus Beromünster bei den Vorbereitungen auf die Berufsweltmeisterschaften in Brasilien. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Polymechaniker Jonas Bucher (21) aus Beromünster bei den Vorbereitungen auf die Berufsweltmeisterschaften in Brasilien. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Roger Rüegger

Bei den Berufs-Schweizer-Meisterschaften Swiss Skills in Bern hat Polymechaniker Jonas Bucher aus Beromünster im September als Gesamtsieger über alle Disziplinen abgeräumt. In der Disziplin «Automation» wurde der 21-Jährige, der 2015 beim Messtechnik-Hersteller Manometer AG in Hitzkirch seine Ausbildung abschloss, Schweizer Meister.

Nun kann der Champion aller Welt zeigen, was in ihm steckt. Am 4. August fliegt er mit der Nationalmannschaft nach Sao Paulo zu den World Skills, der Berufsweltmeisterschaft. «Das wird ein spezielles Erlebnis. Der Zeitdruck wird enorm sein. Aber das war er in Bern auch», meint Bucher auf die Frage, was ihn erwartet. In vier Tagen respektive 24 Stunden, muss er mehrere vorgegebene Werkstücke aus Rohmaterial anfertigen. Dann gilt es, Pneumatik- und Elektronikteile anzuschliessen und schliesslich das sauber montierte Endprodukt den Juroren, die aus den Experten der anderen teilnehmenden Nationen bestehen, zu präsentieren.

WM ist «ein super Bonus»

Dass Jonas Bucher und die Schweizer Berufsleute in Brasilien ein gewichtiges Wort mitreden werden, davon ist Manometer-Geschäftsführer Andreas Kolb überzeugt. «Das Resultat an den Swiss Skills hat Jonas dank seines grossen Engagements erreicht. Dass er jetzt an die WM darf, ist ein super Bonus und auch für den Lehrbetrieb ein Ausweis. Obwohl unser Ziel nicht ist, dass wir an Weltmeisterschaften dabei sind, sondern Top-Leute auszubilden.» Es sei jedoch interessant teilzunehmen, um zu sehen, wo man im Vergleich mit anderen Nationen stehe. Wobei die Schweiz mit dem praktisch einzigartigen dualen Bildungssystem ganz oben stehe.

Die Manometer AG hat keine Riesenübung unternommen, um Jonas Bucher, der seine Lehrabschussprüfung mit 5,5 abschloss, zu fördern. Die Firma war jedoch grosszügig, angesichts der Chance, die sich dem Polymechaniker eröffnet. Er durfte im Betrieb während mehrerer Wochen verschiedene Übungsprojekte anfertigen, die denen an der WM ähnlich sind.

Trainingslager am Wochenende

Der Aufwand Buchers ist dennoch beträchtlich. Mit der Nationalmannschaft nahm er an Team-Weekends teil, wo unter anderem auch Mentaltraining und Medienschulung auf dem Tagesprogramm standen. Ausserdem bildete sich Bucher in einem externen Betrieb in Sachen Steuerungen weiter. Und zu Hause lernt er an Wochenenden und in der Freizeit zusammen mit seiner Freundin Luzia Mächler, die ebenfalls in der Manometer AG eine Ausbildung abschloss, für die anstehende Meisterschaft.

Der Beruf Polymechaniker ist wie auf Jonas Bucher zugeschnitten. Auf dem Hof seiner Eltern habe er früher oft Geräte und Maschinen auseinandergenommen, um zu sehen, wie sie funktionieren. «Mein Vater hatte jeweils etwas weniger Freude daran. Weil ich die Dinge nicht immer wieder zusammensetzen konnte», sagt Bucher, dessen Hobbys Gitarre spielen und Töff fahren sind, mit einem Anflug eines Lächelns. Heute wäre dies kein Problem mehr für den Handwerker.

Neues Entwicklungsteam

Auf einer kurzen Betriebsbesichtigung schildert Bucher kompetent und einfach die Produktionsabläufe, die ein Druckmessgerät vom Einzelteil bis zum fertigen Produkt durchläuft, beantwortet Fragen, erklärt die einzelnen Arbeitsschritte und gibt Auskunft über seine Tätigkeit im Alltag. Er ist Mitglied in einem neu aufgestellten Entwicklungsteam. Nebenbei bildet er sich zum Techniker Automation weiter.

Nach drei Jahren Kantonsschule trat Jonas Bucher die Lehre in Hitzkirch an. «Mein Wunschberuf stand für mich nach dem Schnuppern in einigen Betrieben relativ schnell fest», sagt er. In seiner Lehrzeit haben er und andere Oberstifte sich um die jüngeren Lehrlinge gekümmert. «Wir älteren gaben den jungen Kollegen Nachhilfe. Etwa in Elektrotechnik oder Pneumatik», sagt er. Durch seinen Titel als Schweizer Meister hat sein Wort vielleicht noch mehr Gewicht. Oder nicht? Bucher lacht und meint dann: «Mein jüngerer Cousin ist zumindest etwas begeistert.» Daniel Roth, Leiter Finanzen und Personal der Manometer AG, ist stolz auf die Leistung Buchers. «Mit dem Schwung von der Schweizer Meisterschaft kann er dem einen oder anderen jungen schon etwas Antrieb geben.» Roth ist zudem beeindruckt von der Ruhe, die Bucher an den Tag legt. «Ihn kann man nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Selbst an den Swiss Skills, als ihm Leute bei der Arbeit über die Schultern blickten, fand er Zeit, ihnen zu erklären, was er gerade anfertigt. Ich glaube, so hat er gute Chancen in Sao Paulo», so Roth.

Begleitet von Schlachtenbummlern

Mit dem Ausgang in Brasilien scheint sich der Berufsmann selber wenig zu beschäftigen. «Wenn ich die Zeitlimite einhalte, ergibt sich der Rest von selber», sagt Jonas Bucher. Kurz vor unserem Treffen hat der Polymechaniker sein gesamtes Material, das er an dem Wettkampf braucht, verladen. Eine grössere Übung sei das gewesen. «Ich musste jedes einzelne Werkzeug auf eine Liste setzen. Selbst die Arbeitskleider hätte ich deklarieren müssen. Der Aufwand ist unglaublich.» Aus der Schweiz reist eine offizielle Delegation von 40 Berufsleuten (siehe Box) und drei Betreuern unter anderen auch Physiotherapeuten für jene Berufsleute mit, die schwere körperliche Arbeiten ausführen, wie etwa Gartenbauer. Aus dem Umfeld von Bucher nehmen seine zwei Betreuer aus dem Betrieb, Konstruktionsleiter Andreas Arnold und Berufsbildner Cyrill Dahinden, teil. Ausserdem wird seine Freundin mit der Familie vor Ort sein. Quasi als Schlachtenbummler.

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