HITZKIRCH: Der Detailhandel verlagert sich

Dem Gemeinderat bereitet die Entwicklung in Richensee Sorgen. Vermehrt verabschiedet sich der Detailhandel aus dem Zentrum und siedelt sich dort an.

Ernesto Piazza
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Die beiden Gemeinderäte Serge Karrer (links) und Cornelius Müller möchten den Dorfkern von Hitzkirch am Leben erhalten. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Die beiden Gemeinderäte Serge Karrer (links) und Cornelius Müller möchten den Dorfkern von Hitzkirch am Leben erhalten. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Ernesto Piazza

Momentan arbeitet der Hitzkircher Gemeinderat an der zweiten Auflage der Gesamtrevision der Ortsplanung. Gegen die erste Version waren nicht weniger als 158 Einsprachen eingereicht worden. Voraussichtlich im Frühling 2016 soll nun die Gemeindeversammlung über die neue Variante befinden. Doch unbesehen davon geht die bauliche Entwicklung in Hitzkirch weiter.

Migros: Baustart Mitte Jahr

So erlebt das Gebiet im Hitzkircher Dorfteil Richensee einen gewaltigen Schub im Detailhandel. Denn nicht nur Coop entfernte sich vom eigentlichen Dorfkern und zog mit seinem Standort mehr in Richtung Seetalstrasse (siehe Grafik). Agrola betreibt in der Nähe des Bahnhofs Hitzkirch ebenfalls einen Tankstellenshop. Und der Discounter Aldi eröffnete nur wenige Meter davon entfernt – allerdings auf Ermenseer Boden – eine neue Filiale. Gegen dieses Bauvorhaben war die Gemeinde Hitzkirch bis vor Bundesgericht gezogen. Sie blitzte jedoch mit der Beschwerde, das Bauvorhaben verstosse gegen den vom Regierungsrat im Jahr 2008 genehmigten Regionalen Entwicklungsplan Seetal, ab.

Weiter erfolgt Mitte Jahr auf dem Areal des ehemaligen Restaurant Kreuz in Richensee der Baustart für eine neue Migros-Filiale. Diese Überbauung befindet sich nur unweit vom Bahnhof Hitzkirch entfernt. Nachdem die Gemeinde das Baugesuch der Gesellschaft für Immobilien-Anlagewerte (GIA), Luzern, ablehnte und das Kantonsgericht diesen Entscheid stützte, war die Tochter der Anliker-Holding mit einem neuen Projekt erfolgreich. «Dieses kam den Wünschen und Vorstellungen der Gemeinde entgegen», sagt Xaver Sigrist, Präsident der Anliker-Unternehmen.

12 Millionen Anlagekosten

Der neue Migros-Markt befindet sich im Erdgeschoss auf einer Verkaufsfläche von 720 Quadratmetern. Die beiden Obergeschosse sind mit je sechs Wohnungen geplant. Im Untergeschoss entstehen 21 Einstellplätze sowie Keller und technische Räume. Die Gesamtanlagekosten inklusive Land betragen rund 12 Millionen Franken. Im Sommer/Herbst 2016 soll die Überbauung bezugsbereit sein. Sowohl Wohnungen wie auch Ladenlokal werden von der GIA vermietet. Ein Verkauf sei nicht vorgesehen, sagt Sigrist.

Aufgrund der baulichen Entwicklung muss in Richensee mit zunehmendem Verkehr gerechnet werden. Noch im vergangenen Sommer hatte der FDP-Ortsparteipräsident Damian Müller in einem vom Gemeinderat geforderten Verkehrsbericht unter anderem eine Entschärfung des neuralgischen Knotens Strasse/Bahn bei der neuen Migros gefordert (Ausgabe vom 25. Juli). Eine Möglichkeit biete ein Kreisel in Kombination mit Bahn und Strasse, analog in Beinwil am See oder in Ballwil. Der Platz dafür sei vorhanden, erklärte er damals.

Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Planung Strassen der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (VIF) sagt jetzt: «Das Bauvorhaben Migros ist auf das entsprechende Kantonsstrassenprojekt gemäss Bauprogramm 2015–2018 für die Kantonsstrassen abgestimmt.» Es beinhaltet für 2,3 Millionen Franken eine Optimierung des Knotens Bahnhofstrasse/Seetalstrasse/Bahnverkehr in Koordination mit dem Bauvorhaben der Migros. «Gegenwärtig sind wir am Erarbeiten des entsprechenden Projekts», so Hofstetter. Der Baubeginn ist auf 2017 terminiert.

Viel Renovationsbedarf

Mit einigen Sorgenfalten verfolgt hingegen der Hitzkircher Gemeinderat die Entwicklung in Richensee. «Sie verläuft nicht wie angedacht», gibt Cornelius Müller unumwunden zu. Momentan sei das Zentrum noch intakt. Mit Metzgerei, Bäckerei, Arzt, Zahnarzt, Bank, Apotheke und Gastrobetrieben lasse sich eine gewisse Grundversorgung sicherstellen, so der Ressortleiter Bau, Umwelt und Wirtschaft. Doch die momentane Entwicklung birgt die grosse Gefahr von schwindender Attraktivität. Zurück könnten renovationsbedürftige Liegenschaften bleiben. Bauten, in die dringend investiert werden müsste. Der Bauvorsteher spricht hier allerdings von einer schwierigen Umsetzung, «weil der Souverän mitbestimmt und es selbstverständlich auch immer wieder kritische Stimmen gibt». Trotzdem ist für Müller klar: «Wir möchten den Dorfkern am Leben erhalten.» Schliesslich handle es sich um ein Ortsbild von nationaler Bedeutung.

Neuer Bebauungsplan für Kernzone

Noch vor einigen Jahren hatte die Gemeinde Hitzkirch viel Geld in eine Zentrumsplanung gesteckt. Aufgrund derer sollte beispielsweise die Kantonsstrasse im Dorfkern auf einem kurzen Teilstück verlegt werden. «Wegen der anstehenden Fusion sistierten wir jedoch die damaligen Pläne», sagt Müller.

Doch wie geht es in Hitzkirch nun konkret weiter? Erste Priorität geniesst für den Gemeinderat die Revision der Ortsplanung. Anschliessend soll ein neuer Bebauungsplan über das Zentrum für Klarheit sorgen.