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HITZKIRCH: Ein Leben lang im Dienste «seiner» Majestät

Nach mehr als 55 Jahren als Kirchenmusiker ist Joseph Röösli (82) offiziell verabschiedet worden. Doch sein musisches Wirken geht weit über diese Tätigkeit hinaus.
Ernesto Piazza
Joseph Röösli (82) bei der Orgel in der Pfarrkirche Hitzkirch. (Bild: Nadia Schärli (18. Februar 2018))

Joseph Röösli (82) bei der Orgel in der Pfarrkirche Hitzkirch. (Bild: Nadia Schärli (18. Februar 2018))

Wenn man Joseph Röösli (82) zuhört, wird eines sofort klar: Der Mann kann auf einen immensen musikalischen Fundus zurückgreifen. Und dazu gehörte nicht nur sein Wirken während mehr als 55 Jahren an der Orgel in der Pfarrkirche Hitzkirch. Ihm lag die Schulmusik ebenfalls sehr am Herzen. Zudem wurde Röösli als vielseitiger und unermüdlicher Komponist und Autor von methodisch-didaktischen Werken weit über die Grenzen des Luzerner Seetals hinaus bekannt.

«Mein Leben ist und bleibt die Musik», sagt er denn auch keineswegs überraschend. Offiziell ist jetzt damit jedoch Schluss. Kürzlich wurde er anlässlich eines Gottesdienstes in der Pfarrkirche Hitzkirch offiziell als Kirchenmusiker verabschiedet. Es sei viel Wehmut dabei gewesen, gibt er unumwunden zu. Doch die Gesundheit hat für ihn Priorität.

«Der Gegensatz Dorf–Stadt hat mich fasziniert»

Geboren und aufgewachsen ist er in Schüpfheim. Die Schulzeit erlebte er ebenfalls in der Entlebucher Gemeinde. Und auch heute verrät sein Dialekt noch seine Wurzeln. Später, beim Jahr im Institute Catholique in Neuenburg, sei für ihn die Welt neu aufgegangen. «Der Gegensatz Dorf–Stadt hat mich fasziniert.» Später folgte die bestandene Aufnahmeprüfung fürs Lehrerseminar in Hitzkirch – und damit eine weitere spannende Erfahrung. Wobei Joseph Röösli sagt: «Ein Medizinstudium hätte mich auch gereizt.»

Seine erste Stelle als Primarlehrer trat er in Hohenrain an – und zwar bei einer ersten bis dritten Klasse mit 64 Schülern. Parallel dazu absolvierte Röösli das Kirchenmusik-Studium von Johann Baptist Hilber in Luzern. Weil sein Vater im Nebenberuf Sigrist war, sei er viel in der Kirche anzutreffen gewesen, begründet er die Inspiration dazu. «Dort habe ich jeweils meine Geschwister bei den Reinigungsarbeiten unterhalten. Ich improvisierte auf der Orgel, denn ich konnte damals noch kein Instrument spielen», sagt Röösli. Später genoss er bei Willi Gohl in Winterthur die Ausbildung zum Schulmusiker. «Dieser zweite Zweig hat mir viele Möglichkeiten eröffnet», erinnert sich der 82-Jährige, der aus einer musikalischen Familie stammt, bei der das Singen einen grossen Stellenwert genoss.

Bereits als Drittklässler durfte Joseph Röösli Klavierunterricht nehmen. Das sei damals keine Selbstverständlichkeit gewesen. Mit Orgel, Blockflöte und Geige kamen weitere Instrumente dazu. Und als in Hitzkirch die Stelle als Musiklehrer ausgeschrieben war, griff er zu. Weil es praktisch Bedingung war, dass der Organist auch den Kirchenchor leitet, übernahm er 1962 diese Aufgabe. «Es ist ein intensives Hobby gewesen», betont er. Eines, welches das Familienleben der sechsköpfigen Familie mitprägte. Wobei einer seiner drei Söhne, damals in Kuba lebend, mit 44 Jahren früh verstarb. «Das war einer der schlimmsten Tage.»

Die 1985 erneuerte Hitzkircher Orgel – damit ging auch die Aufstockung von 39 auf 40 Register einher – war für den Kirchenmusiker ein freudiges Erlebnis. Umso mehr, da einer seiner Söhne als damaliger Lehrling bei den Arbeiten «an wichtigen Teilen mitgearbeitet hat», so Röösli. Sie sei ein prachtvolles Barock-Instrument, mit diversen Klangfarben und einem sehr schönen Ausdruck. Die grosse Herausforderung beim Orgelspiel sieht er «beim Zusammenspiel, beginnend beim Kopf über die Hände bis zu den Füssen».

Komponisten wie Schubert, Bach und Händel oder Gedichte von Goethe, Rose Ausländer und Erika Burkart inspirieren ihn bis heute. Für den Hitzkircher Kirchenchor hat Röösli Messen und Psalmen geschrieben, und er interessiert sich auch für Volksmusik. Während 20 Jahren leitete er in der Lenk ein einwöchiges Herbstforum mit Teilnehmern aus ganz Europa. Rund 15 Jahre stand in Disentis eine «Klosterwoche» unter seiner Führung. Daraus entstandene Beziehungen bestehen teilweise noch heute. Oft begleitete ihn bei den Anlässen die ganze Familie. Weiter gründete der Musiker den Hitzkircher Jugendchor sowie den Konzert-Zyklus. Zudem war er Mitinitiant der Musikschule und der Orgelnacht.

Reisen inspirierten für das tägliche Schaffen

Ein weiteres Steckenpferd von ihm und seiner Irma (76) war das Reisen. Kuba, Indien, Tibet, Thailand, Irland oder Island: «Jede Reise war schön und eine echte Bereicherung», sagt seine Frau. Oft hätten sie gar bei Einheimischen übernachtet und deren Musik auf Kassetten aufgezeichnet. «Diese habe ich für die Schüler weiterverwendet», so Röösli.

Von der Erlebnisvielfalt wird der Musiker zehren. Zudem hat er mehr Zeit, um daheim auf dem Klavier zu spielen, zu komponieren. Und er besitzt einen Schlüssel für die Kirchenorgel. Wetten, dass er den stets griffbereit hält?

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

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