Hitzkirch geht neue Wege in der Dorfentwicklung

Die Gemeinde kauft ein Haus, um bei Zentrumsentwicklung mitreden zu können. Auch andere Gemeinden schlagen ungewohnte Wege ein.

Niels Jost
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Auf dem Wunschzettel der Gemeinde: das Restaurant Kreuz in Hitzkirch. (Bild: Corinne Glanzmann, 23. November 2019)

Auf dem Wunschzettel der Gemeinde: das Restaurant Kreuz in Hitzkirch. (Bild: Corinne Glanzmann, 23. November 2019)

Das Traktandum Nummer 4 der anstehenden Gemeindeversammlung von Hitzkirch vom morgen Mittwoch lässt aufhorchen. Für 820 000 Franken möchte der Gemeinderat das Grundstück Nummer 27 kaufen. Dort befindet sich jenes Haus, in dem der ehemalige Gasthof Kreuz einquartiert war und heute die Pizzeria La Bottega Della Pizza, die Vegas Bar sowie diverse Privatpersonen eingemietet sind.

Das Gebäude liegt an neuralgischer Stelle, mitten im Zentrum, wo die Hauptstrasse durch ein Nadelöhr führt – an bester Lage also. Das ist auch der Hauptgrund, wieso der Gemeinderat das Grundstück erwerben möchte. «Es ist ein rein strategischer Kauf», erklärt Gemeinderat Daniel Eugster. So befinden sich mit dem Musikschul- und Gemeindehaus und dem dazugehörigen Parkplatz bereits zwei Nachbarparzellen im Besitz der Gemeinde. «Mit dem Erwerb vergrössern wir die zusammenhängende Grundstücksfläche im Eigentum der Gemeinde und erhöhen damit den Spielraum bei der anstehenden Zentrumsentwicklung», so der SP-Finanzvorsteher.

Entwicklungspolitik auch in anderen Gemeinden

Hitzkirch ist nicht die einzige Gemeinde, welche bei der Gestaltung des eigenen Dorfes mehr Spielraum erhalten möchte. In Buttisholz hat die Gemeindeversammlung bereits 2016 die Beteiligung am Gasthaus Hirschen gutgeheissen. Was mit dem Haus geschieht, ist unklar, wie letzte Woche bekannt wurde. Allerdings hängt auch in der Rottaler Gemeinde die Entwicklung des «Hirschen» mit jenem des Zentrums eng zusammen.

Auch in Schenkon hat die Gemeinde Massnahmen ergriffen, um die Dorfentwicklung zu fördern. So hat der Gemeinderat sowohl das Restaurant Zellfeld als auch den «OX’N» indirekt gefördert, etwa durch die Hinterlegung eines Sicherstellungsdarlehen bei den Banken oder durch die Aufwertung des umliegenden Dorfplatzes. Gemäss Gemeindepräsident Patrick Ineichen haben sich die Bemühungen der Gemeinde gelohnt. Er sagt: «Es ist klar die Aufgabe einer Gemeinde, die politischen Rahmenbedingungen für ein funktionierendes Dorfleben festzulegen.»

Ein weiteres Beispiel für eine aktive Dorfentwicklung findet sich im Entlebuch. In Schüpfheim prüfte die Gemeinde 2017 die Gründung einer Gemeinde AG, um das Restaurant und Hotel Adler selber zu führen, da damals die Pächter abgesprungen sind. Die AG kam allerdings nicht zu Stande, weil der Eigentümer anderweitige Pächter fand.

Hitzkirch: Bürger reden bei Zentrumsplanung mit

Zurück nach Hitzkirch. Dass die Gemeinde ausgerechnet jetzt die Gelegenheit erhält, das Grundstück Nummer 27 von der Hema Invest AG aus Altwis zu erwerben, kommt dem Gemeinderat gelegen.  Die Entwicklung des Dorfzentrums ist ein aktuelles Thema in Hitzkirch. Erst kürzlich wurden Resultate eines Workshops mit der Bevölkerung publiziert, die zeigen, dass das Bedürfnis nach einem Raum für Begegnungen besteht. Wie dieser dereinst aussehen könnte, wird in einem weiteren Workshop im Frühjahr 2020 diskutiert.

Auch das Grundstück mit dem «Kreuz» dürfte dann angesprochen werden. Aktuell sei noch unklar, was künftig mit dem Gebäude und dem Grundstück passieren werde, sagt Daniel Eugster. Fest stünde lediglich, dass sämtliche Mietverträge übernommen werden. «Gastrobetriebe sind wichtig für ein funktionierendes Dorfleben», begründet Eugster. Klar sei zudem, dass gemäss Vorgaben des Kantons bereits im Januar die Fenster saniert werden, sofern die Gemeindeversammlung dem Kauf auch zustimmt. 90 Prozent der Kosten würde der Kanton tragen, so Eugster. Ohnehin würden die Ausgaben für den Erwerb des Grundstücks dank der Mietzinseinnahmen mittelfristig gedeckt. Für Eugster ist daher klar: «Für Hitzkirch hat der Erwerb viele Vorteile.»

Gemeindeinitiative zu Stande gekommen

Eine Gemeindeinitiative gegen den geplanten Windpark Lindenberg ist mit 537 eingereichten Unterschriften zu Stande gekommen. Die Initiative fordert Folgendes: «Zum Schutz des Naherholungsgebiets Lindenberg sind die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, dass in den Grundbuchperimetern Müswangen, Hämikon und Sulz keine Windkraftanlagen erstellt werden.» Der Gemeinderat Hitzkirch muss jetzt entscheiden, ob er eine entsprechende Abstimmung durchführen will. (io)