HITZKIRCH: Schule verbannt Energydrinks

Zu viel Zucker, zu viel Koffein: Die Schule verbietet die beliebten Energydrinks. Die Reaktionen der Eltern folgten prompt.

Ismail Osman
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Ausgepowert: Energydrinks wie Red Bull sollen von Hitzkirchs Schulen verbannt werden. (Symbolbild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Ausgepowert: Energydrinks wie Red Bull sollen von Hitzkirchs Schulen verbannt werden. (Symbolbild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Nicht erst seit gestern stehen Energydrinks wie Red Bull in der Kritik: viel zu viel Zucker, viel zu viel Koffein. Der Beliebtheit, vor allem unter jungen Konsumenten, tat dies jedoch keinen Abbruch. In den vergangenen Jahren konnte dies auch die Leitung der Schule Hitzkirch beobachten. Mittlerweile hat man genug gesehen: Energydrinks sollen auf dem Schulareal nicht mehr konsumiert werden. «Wir können die Schüler nicht Gesundheit lehren und gleichzeitig dulden, dass solche Getränke konsumiert werden», erklärt Andrea Martin, Leiterin der Sekundarschule, den Entscheid, der kürzlich im Gemeindeblatt «Hitzkirchertaler» ausgeschrieben wurde. «Oftmals wissen die Eltern nicht genau, was in diesen Getränken für Substanzen enthalten sind, und die Kinder und Jugendlichen konsumieren Energydrinks als Znüni-Ersatz.»

Das Bestreben der Hitzkircher Schulleitungen wird auch von einem der für die Schule zuständigen Zahnärzte mitgetragen. Durch die «unselige Kombination» aus Glukose und Zitronensäure würden die Zähne der Schüler «vermehrt und beschleunigt Schaden nehmen», heisst es in einer Stellungnahme von Schulzahnarzt Hans Elmiger.

Die Schulleitungen Hitzkirchs haben keine Kenntnis von anderen Schulen im Kanton, die ein solches Reglement eingeführt hätten, und fällten ihren Entscheid selbstständig.

Nur Wasser und Tee erlaubt

Die Gesundheit der Schüler sei dabei ausschlaggebend gewesen, aber nicht der einzige Faktor. «Die aufputschende Wirkung ist nicht von der Hand zu weisen», sagt Martin. Wiederholt habe es Fälle gegeben, in denen Schüler nach dem Konsum von Energydrinks im Klassenzimmer überdreht auffielen und sich kaum mehr auf den Unterricht konzentrieren konnten. «Das darf nicht falsch verstanden werden: Wir wollen lebendige Schüler und Schülerinnen in unseren Schulzimmern – aber ein geordneter Unterricht muss möglich sein.» Neben den Energydrinks werden auch Softdrinks wie Coca-Cola und Konsorten verbannt – bei diesen Getränken fällt vor allem der hohe Zuckergehalt ins Gewicht.

In der Schule Hitzkirch sind somit genau zwei Getränke offiziell zugelassen: Wasser und ungesüsster Tee. Von Seiten der Eltern liess die Reaktion auf diese Ansage nicht lange auf sich warten. «‹Das wurde aber auch Zeit›, hiess es da etwa von einem Elternteil», sagt Martin. «Bisher gab es nur positive Rückmeldungen.»

«Wir gehen nicht auf Konfrontation»

Wenig überraschend fällt die Freude der Schüler ob der neuen Schulhausordnung wesentlich verhaltener aus. «Bisher zeigt man sich einsichtig und akzeptiert es als ‹halt eine neue Regel der Schule›», sagt Martin mit einem leichten Schmunzeln. Entscheidend sei aber auch, dass man keine repressiven Massnahmen anwende. «Wenn jemand auf dem Schulgelände ein solches Getränk konsumiert, wird er ermahnt. Wir gehen aber nicht auf Konfrontation», erklärt Sekundarschulleiterin Martin. Die Schüler müssen nicht mit Strafen rechnen, und die Getränke werden auch nicht an Ort und Stelle konfisziert.

«Einfach überflüssig»

Neben Hitzkirch sind schweizweit nur wenige andere Schulen bekannt, die den Konsum von Energydrinks auf dem Schulareal aktiv zu verbannen suchen. Zum Beispiel in Gerzensee im Kanton Bern oder im zürcherischen Rümlang. Wie viel Sinn ein solches Verbot von Energydrinks an Schulen überhaupt macht, hinterfragt Werner Karrer, Facharzt für innere Medizin und Leiter der Luzerner Höhenklinik Montana: «Fest steht zwar, dass Energydrinks, wie alle Süssgetränke, viel zu viel Zucker beinhalten, was sowohl zu Zahnschäden wie auch zu Übergewicht führen kann – in normalen Mengen genossen, sind sie aber weder fürs Herz noch fürs Gehirn schädlich.»

Der öffentliche Diskurs über Energydrinks weist für Karrer Parallelen mit demjenigen bei der Einführung von Kaffee im 17. Jahrhundert auf: «Damals wollte man ihn verbieten, und es kursierten Horrorgeschichten über seine Schädlichkeit – heute ist die Tasse Kaffee gesellschaftlich absolut akzeptiert.» Vom Ernährungsstandpunkt aus seien Energydrinks letztlich aber schlichtweg überflüssig: «Es gibt genug Fruchtsäfte, deren Vitamine eine natürliche Energie im Körper wecken.»

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