Hitzkirch und Altwis: So wollen sich die Gemeinden binden

Hitzkirch und Altwis planen den Zusammenschluss. Die Fusion soll nicht nur geografisch eine Lücke schliessen.

Ernesto Piazza
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Hitzkirch – hier mit der markanten Pfarrkirche – und Altwis wollen per 1. Januar 2021 fusionieren. (Bild: Boris Bürgisser, 15. Januar 2019)

Hitzkirch – hier mit der markanten Pfarrkirche – und Altwis wollen per 1. Januar 2021 fusionieren. (Bild: Boris Bürgisser, 15. Januar 2019)

Hitzkirch und Altwis wollen am 1. Januar 2021 heiraten. Vom Kanton Luzern erhalten sie eine Mitgift von 2,4 Millionen Franken. Jetzt haben sie der Bevölkerung an zwei Informationsveranstaltungen weitere Details zum Vertrag kommuniziert.

«Eine Gemeindefusion ist immer mit grossen Emotionen verbunden», sagte der Hitzkircher Gemeindepräsident David Affentranger (CVP) am Dienstagabend vor rund 90 Teilnehmern zum Einstieg in den Anlass. Und Projektleiter Benno Felder erklärte:

«Mit der Fusion schliessen wir eine geografische Lücke und unter dem Strich ist es für beide ein Gewinn.»

Die Schule soll spätestens im Sommer 2024 zügeln

Die neue Gemeinde wird Hitzkirch heissen. Die neue Exekutive besteht aus fünf Mitgliedern, wobei keine Sitzgarantie besteht. Die Verwaltung wird in Hitzkirch integriert. Das sind 110 Stellenprozente. Weitere Leistungen kauft Altwis momentan in Ermensee ein. Die Gemeinderatspensen von Altwis werden nicht auf die Hitzkircher Exekutive übertragen.

Die Bildung war in Hitzkirch wie auch in Altwis (siehe Box am Ende des Textes) ein Thema. So fragte eine Votantin, warum Hitzkirch an seinen drei Standorten festhalten wolle. «In Altwis haben wir eine sensationelle Schule.» Gemeindepräsident David Affentranger erklärte dazu: «Diese Massnahme hat sich organisatorisch und finanziell bewährt.» Die Integration in Hitzkirch ermöglicht gemäss Fusionsvertrag Synergien mit 150'000 Franken an Einsparungspotenzial pro Jahr. Der Umzug soll spätestens im Sommer 2024 erfolgen.

Weiter hinterfragte ein Votant, ob Hitzkirch die Altwiser Schüler aufnehmen könne, ohne dafür zusätzliche Zimmer bereitstellen zu müssen. Man brauche mehr Räume, antwortete Felder, allerdings nicht wegen der Fusion. «Wir benötigen Spezial- und Nebenräume, beispielsweise für die Bibliothek oder Kleinräume für IF- und IS-Unterricht.»

Künftiger Steuerfuss bei 2,0 Einheiten

Das Abwasserreglement wird vereinheitlicht. An der autonomen Wasserversorgung wird nicht gerüttelt. Der Altwiser Zonenplan bleibt bis zu einer Zonenplanrevision in Kraft. Der Gemeindewerkdienst wird auch künftig dezentral organisiert. Der Steuerfuss der fusionierten Gemeinde liegt bei 2,0 Einheiten. Das heisst für Altwis: Er wird um 0,4 Einheiten gesenkt. Dieser Angleich bringt für die fusionierte Kommune zusätzliche Kosten von knapp 210'000 Franken jährlich. Beim Abwasser schlägt eine Altlast von 29'000 Franken pro Jahr auf 40 Jahre zu Buche. Bei den Personalkosten können hingegen – ebenfalls jährlich – 78'000 Franken und bei der Integration der Schule die erwähnten 150'000 Franken gespart werden. Weiter verschlingt die Fusion Einmalkosten von rund 625'000 Franken.

Chancen und Risiken

Finanziell vom Tisch ist für Altwis durch die Fusion die Sanierung des Bossbachs von 1,5 Millionen Franken. Aufgrund der Zustimmung zur Aufgaben- und Finanzreform (AFR18) liegt dieser Ball beim Kanton. Die finanziellen Chancen beurteilt der Hitzkircher Finanzvorsteher Daniel Eugster (SP) vor allem im Zuzug von «guten Steuerzahlern». Allerdings erwähnt er auch, dass die monetären Risiken «bei den effektiven Auswirkungen der AFR18 und beim Bildungslastenausgleich» liegen. Beim Zustupf der 2,4 Millionen geht der Kanton von einer Zeitspanne von vier Jahren aus. «Nachher liegen die rein fusionsbedingten Mehrkosten pro Jahr unter 100'000 Franken», erklärte Eugster. «Durch diesen Zusammenschluss sind wir weit weg von einer Steuererhöhung.»

Altwis: Viele Teilnehmer, wenige Fragen

(ep) In Altwis besuchten rund 80 Teilnehmer die Veranstaltung. «Der Grossaufmarsch zeigt, dass das Thema bei uns interessiert», sagte Gemeindepräsident Hans Elmiger (CVP) hinterher. Und die Ausführungen schienen zu überzeugen, wurden doch im Anschluss nur wenige Fragen gestellt. Allerdings führte, wie erwartet, die Schliessung der Schule zu einigen Voten.

Hervorgehoben wurde ebenfalls, dass der Zeitpunkt für eine Fusion ideal sei. «Hitzkirch wie Altwis stehen finanziell gut da», erklärten die beiden CVP-Gemeindepräsidenten. Auch bei den anschliessenden Gesprächen habe er breiten Konsens festgestellt, so Elmiger, was ihn zur Aussage verleitete: «Ich bin guter Dinge, dass die Altwiser zustimmen.»