Hobbyfotograf, Kommandant, Kampfrichter: Ledi und Heros sind in Willisau bekannt wie bunte Hunde

Ledi Herzogs Leserbilder werden oft publiziert. Sein Beagle Heros steht ihm meistens Modell. Die beiden sind praktisch unzertrennlich.

Roger Rüegger
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Ledi Herzog aus Willisau mit Beagle Heros auf einer Motosaccoche bei Zweirad HP. Steiner in Ettiswil.

Ledi Herzog aus Willisau mit Beagle Heros auf einer Motosaccoche bei Zweirad HP. Steiner in Ettiswil.

Bild: Pius Amrein (19. Dezember 2019)

Den Willisauer Ledi Herzog kennt im Luzerner Hinterland fast jedes Kind. Das liegt einerseits daran, dass der 63-jährige Seniorchef der Seilerei Herzog praktisch nie ohne eine Horde Hunde anzutreffen ist. Andrerseits führte der Hobbyfotograf mehrere Jahre als Kommandant die Feuerwehr Willisau – und er ist Kampfrichter im Geisslechlöpfe. Und dann wäre da noch die Geschichte mit dem Töff, der in der Familie Herzog eine entscheidende Rolle spielte.

Selbst bei unserem Fototermin mit dem Motorrad weicht Beagle Heros nicht von Ihrer Seite. Weshalb haben Sie eine derart starke Bindung miteinander?

Ledi Herzog: Wir beide haben einen harten Grend. Meistens sind wir aber freundlich, Heros ist zudem immer hungrig. Zusammen sind wir seit 2009. Damals schlug ich die Tierwelt auf und suchte den ersten Hund aus, der mir begegnete. Das war der junge Beagle «Heros vom Holzwäldli» aus dem Entlebuch.

War es bei Heros und Ihnen Liebe auf den ersten Blick?

Würde ich sagen. Ich hätte immer gerne einen Hund gehabt. Meine Frau aus erster Ehe aber wollte ums Verrecken keinen.

Heros mit seinem Herrchen unterwegs im Luzerner Hinterland.

Heros mit seinem Herrchen unterwegs im Luzerner Hinterland.

Ledi Herzog

Da wir beim Interview in Ihrem Wohnzimmer von fünf Hunden beobachtet werden, gehe ich davon aus, dass sich in Ihrem Leben einiges verändert hat.

Meine zweite Ehefrau Elo und ich haben den Traum einer Hundefamilie verwirklicht. Neben Heros leben vier französische Wasserhunde der Rasse Barbet bei uns. Wir züchten diese auch.

Offensichtlich verbringen Sie viel Zeit mit Ihren Tieren. Das beweisen die Bilder, die Sie an unsere Redaktion schicken. Heros war mindestens zweimal in der Zeitung und auch eine weisse zottige Hündin stellten wir in unserer früheren Rubrik «Mein Bild» vor. Sie kennen sich nicht nur mit Hunden aus, sondern auch mit Fotografie.

Fotografieren ist eine weitere grosse Leidenschaft von mir. Ja, richtig, Fotos von meinen Hunden wurden schon einige Male veröffentlicht. In verschiedenen Zeitungen. Ich darf auch hin und wieder im Auftrag von Zeitungen Bilder machen. Etwa vom Weihnachtsmarkt in Willisau.

Ihre Bilder signieren Sie mit Spitznamen. Auch auf Ihrer Website www. barbetvomseilihus.ch nennen Sie sich Ledi?

Den Namen habe ich aus der Kindheit. Ich trug als Bub immer Lederhosen, damit meine Mutter nicht so viel waschen musste. Deshalb sagten mir die Leute «de Lädrig», also Ledi. Mein richtiger Name ist Alfred. So hiessen auch Vater und Grossvater, die beide Seiler waren. Wenn jemand vom Ledi spricht, gibt es keine Verwechslung.

Das Seilihus ist die frühere Seilerei im Zentrum von Willisau. Lebten Sie immer in der Firma, in der auch Seile hergestellt wurden?

Mein Stiefgrossvater Rudolf Hunziker kaufte das Haus und gründete mit seinem Bruder Jakob 1920 die Seilerei. Durch die Firma lernten sich meine Eltern kennen. Mein Vater brachte Material von der Seilerei seiner Eltern in Gondiswil zur Seilerei in Willisau. Er transportierte auf seinem Motorrad gebündelte Stricke und Schnüre für die Landwirtschaft. Die Stieftochter des Seilers, meine Mutter, hatte es ihm angetan. Deshalb kam er öfter nach Willisau «z Chöut». 1953 übernahm er das Geschäft, das von da an Herzog hiess.

Mit dem Motorrad «z Chöut». Wie schön. Bemerkenswert dabei ist, dass Ihr Vater ohne die Maschine Ihre Mutter wohl nie kennen gelernt hätte.

Vermutlich hätte er nie vom Seilihus erfahren. Als Kind erlebte ich meinen Vater auf dem Töff jedoch nicht mehr. Ich sah das Fahrzeug nie, weil er ihn bald verkaufte und sich einen Citroën 2CV als Firmenauto zulegte.

Einige Bilder von Ledi Herzog:

Blick durch die Glaskugel.
23 Bilder
Oben Sonne und warm
Napfbergland Luthern.
Blick von der Kapellbrücke durch die Glaskugel.
Heute Morgen nochmals über die Dächer vom Städtli Willisau
Winter oder schon Frühling?
Napfbergland in Luthern / Hergiswil
Wenn Sonne und Regen sich abwechseln.
April im Dezember
Mamaliebe
Pilatus vom Hinterland fotografiert.
Vorboten des Winters
Sonnenenergie.
Kalter Morgen im Ostergau
Schwan beim Frühturnen
fleissig
Sönnele wie an Ostern
Herbststimmung im Napfgebiet Luzerner Hinterland
Schneerose - mal anders.
Die Kühe von Toni Odermatt bei der Nebelgrenze.
Tante Ju bei ihrem Flug am 03.08.2018 über dem Nufenenpass auf dem Weg ins Tessin ein Tag vor dem Unglück
Die zwei französischen Wasserhunde Barbet Cooper und Smilla vom Seilihus beim fröhlichen Rennen.
1. August auf dem Lukmanierpass.

Blick durch die Glaskugel.

Bild: Ledi Herzog (Ostergau, 15. Januar 2020)

Die Chance ergibt sich jetzt. Exakt dieses Motorrad der Marke Motosacoche 350 Jahrgang 1931 steht bei einem Mechaniker im Hinterland. Sie könnten das Familienstück im Seilihus platzieren.

Selber bin ich ja nie Töff gefahren, obwohl ich gerne ein Motorrad gehabt hätte. Die Versicherung war damals ja enorm teuer, so war es für mich kaum möglich. Die Maschine ist aber hübsch, das gebe ich zu. Mit dem Motorradfahren beginne ich jetzt dennoch nicht mehr.

Hätten Sie überhaupt Zeit? Sie sind ja auch beim Geisslechlöpfe engagiert.

Derzeit macht mir die Schulter zu schaffen, weshalb ich seit drei Jahren nicht mehr aktiv chlöpfen kann. Auch das Herstellen von Geisseln geht nicht mehr. Das schmerzt, weil die Buben jeweils grosse Freude haben, wenn sie ihre Geissel bekommen. Die nennen mich übrigens auch alle «de Ledi». Als Kampfrichter bin ich aber noch aktiv. Ich bin so etwas wie der Geisslepapst.

Die Seilerei und das Geisslechlöpfe sind eng miteinander verknüpft. Dass Sie die Familientradition als Seiler weiterführen würden, war wohl eine klare Sache?

Ja, das stand nie zur Diskussion. Das Handwerk lernte ich im solothurnischen Neuendorf und in Lenzburg. 1979 kehrte ich zurück nach Willisau. Inzwischen führt mein Sohn Guido den Betrieb.

Wo werden Seile aus Willisau eingesetzt?

Im Baugewerbe, in der Landwirtschaft, auf Spielplätzen oder auch bei der Feuerwehr.

Natürlich bei der Feuerwehr. Die Geschichte der Willisauer Feuerwehr prägten Sie ziemlich mit.

Das kann man sagen. Ich trat im selben Jahr, in dem ich die Ausbildung abgeschlossen hatte, in die Feuerwehr ein. Ich erlebte turbulente Zeiten. 1988 hatten wir das grosse Hochwasser in Willisau. Es richtete erheblichen Schaden an. 1993 wurde ich Kommandant. Als solcher leitete ich über 80 Strassenrettungen und ich durfte als Höhepunkt meiner Laufbahn die beiden Feuerwehren Willisau Stadt und Willisau Land zusammenführen. Das war nicht sehr einfach.

Vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes eine Feuerwehrübung. Wo lag die Schwierigkeit?

Es gab verschiedene Philosophien. Die Ländler, also die Bauern, tickten etwas anders als die Gewerbler aus der Stadt. Zudem war ich der erste reformierte Feuerwehrkommandant in Willisau. Einige nannten mich «de chli giftig Städter». Mein Vorteil aber war, dass ich sämtliche schweizerischen Kurse vorweisen konnte, und ich alle Apparate beherrschte. Ich konnte jedem zeigen, wie sie funktionieren.

Es würde mich sehr verwundern, wenn Sie keinem Verein angehören würden.

Ein sportlicher Typ war ich immer. Beim Turnverein Willisau war ich Vizeoberturner.

Die Turner unterstützen doch mit dem Jugendkreis den Samichlaus. Waren Sie auch als Chlaus unterwegs?

Nein. Dafür war ich von der Figur her zu klein. Das Gewand passte mir lediglich um den Bauch. Geschichten hätte ich den Kindern aber einige erzählen können.

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