HOCHDORF: Ein Musiker auf ständiger Entdeckungsreise

Der Gewinner des Kulturpreises 2014 heisst John Voirol. Der Virtuose auf dem Saxofon inspiriert mit vielschichtigem Schaffen.

Ernesto Piazza
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Nimmt die Musik auch mal auf die leichte Schulter: Saxofonist John Voirol (56). (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Nimmt die Musik auch mal auf die leichte Schulter: Saxofonist John Voirol (56). (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

In der Jazzkantine an der Grabenstrasse in der Luzerner Altstadt läuft Musik. Der Saxofonist John Voirol fühlt sich wohl in diesem Ambiente. «Ich rechnete nicht mit dieser Auszeichnung», sagt er, angesprochen auf den Kulturpreis 2014 der Gemeinde Hochdorf. Dass man aber an ihn gedacht habe und sein permanentes Schaffen wertschätze, bezeichnet er als schöne Anerkennung seiner Arbeit.

Am Anfang war die Blockflöte

John Voirol ist kein Mann der grossen Worte, wie er selbst gesteht: «Ich bin nicht der Rhetoriker. Sonst hätte ich vielleicht Bücher geschrieben.» Der 56-jährige gebürtige Jurassier aus Ta­vannes quittiert seine Aussage mit einem kurzen Schmunzeln. Seine berufliche Musikerlaufbahn habe sich auch nicht abgezeichnet, sagt der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne.

Obwohl der mittlerweile seit 25 Jahren in Hochdorf lebende Voirol zu Beginn einen für viele üblichen Weg beschritt: Einstieg in die Musikwelt im Kindergartenalter mit der Blockflöte. Später kam die Klarinette dazu – und die Trompete. Voirol wirkte sogar in der Dorfmusik mit.

John Coltrane als Initialzündung

Vielmehr war es der US-amerikanische Jazz-Saxofonist John Coltrane, der in den 1960er-Jahren mit seiner Platte «The Favorite Things» bei ihm tief greifende Erinnerungen hinterliess. «Es war das eigentliche Schlüsselerlebnis für meine spätere Musikerlaufbahn», erinnert sich der 56-Jährige. Fortan war bei John Voirol beruflich nichts mehr, wie es einmal war. Er gab den Weg als gelernter Elektromechaniker zugunsten der Musik auf. Dieser führte ihn nach Bern an die Jazzschule. In der Bundeshauptstadt lernte er auch seine Ehefrau Monica kennen. Die Hochdorferin studierte Pharmazie.

In eigene Welt eintauchen

War bei ihm zu Karrierebeginn der Hardbop – eine besonders prägnante Stilrichtung des Jazz – noch dominierend, «entdeckte ich für mich in der Folge mit dem Saxofon sukzessive die improvisierte Musik», sagt Voirol. Seine Affinität für das Experimentelle begleite ihn seither. Und er lotet seine Möglichkeiten stets aufs Neue aus. Mittlerweile sind seine Solokonzerte zu einem wichtigen Teil seines musikalischen Schaffens geworden. «Mit der Musik tauche ich ein in meine eigene Welt, weit weg von der materiellen Realität», so Voirol.

Dabei lasse er die spirituelle Energie – frei von jeglichem Zeitgefühl – auf sich wirken. «Sich im hier und jetzt bewegen», gehört mit zu seiner Lebensphilosophie. Mit der Musik kann sich der 56-Jährige auszudrücken, Gefühle vermitteln, den Moment geniessen. Neben dem Saxofon spielt John Voirol Oboe und Englischhorn. «Auf allen drei Instrumenten forsche ich am Klang, an der Klangästhetik», sagt er.

Und bei aller Liebe zum Jazz: John Voirol spielt auf der Oboe auch klassische Kompositionen. So lässt er sich beispielsweise für Werke von Johann Sebastian Bach begeistern. Der deutsche Komponist, Orgel- und Tastenvirtuose gehört neben Jazzlegende John Coltrane und dem französischen Komponisten Olivier Messiaen zu den drei Persönlichkeiten, welche ihn bei seinem vielschichtigen Schaffen speziell inspirierten.

Voirols musikalische Visitenkarte ist sehr umfangreich. Die im Juni 2013 veröffentlichte CD «Ich allein» gehört auch dazu. Und als eine der Folgen davon wurde er im vergangenen Frühling für drei Konzerte nach New York eingeladen. Weiter tritt er momentan mit der Lars Lindvall Big Band auf und improvisiert über gregorianische Gesänge. Und last but not least ist er mit Raphael Loher auf Tour.

Kulturelle Spuren hinterlassen

Musikalisch wird John Voirol wohl ein Leben lang auf der Suche und der Entwicklung von neuen Techniken sein – und weiter improvisieren. Die stetige Komponente dazu findet er in seiner Familie. In Hochdorf hat der Musiker ebenfalls kulturelle Spuren hinterlassen. So organisierte er beispielsweise im Rahmen von «Kultur i de Braui» Jazz- und klassischen Konzerte.

Zudem trat er als Solist und in verschiedenen Formationen auf. «Diese Zeiten liegen zwar schon etwas zurück», sagt er. Jurypräsidentin Lea Bischof jedoch weiss: «John Voirol bereichert die Kultur mit der experimentellen, eigenständigen und von der Person stark geprägten Musik aus der Sparte Jazz. Er ist in Hochdorf verankert, musikalisch erlebbar und national wie international erfolgreich.»

Dem monetären Aspekt des Kulturpreises misst Voirol allerdings eine untergeordnete Rolle bei. Vielmehr betrachtet er die Auszeichnung als Anerkennung für sein musikalisches Schaffen. «Zudem vermittelt mir der Preis ein Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinde», sagt der Musiker.

Hinweis

Der Kulturpreis 2014 der Gemeinde Hochdorf ist mit 2000 Franken dotiert. Die Verleihung findet am Freitag, 12. Dezember von 18.30 bis 20 Uhr im Brauiturm Hochdorf statt.